Life Sciences-Auszeichnungen

Barbara Schick,

Bruhn- und Hensel-Förderpreise für Medizinforschung

Ausgezeichnet wurden der Bioinformatiker Dr. Malte Rühlemann für seine Mikrobiomforschung und die Molekularbiologin PD Dr. Nadine Hornig für ihre Arbeiten zur Geschlechtsentwicklung.

Die Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und die Bruhn-Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung haben am 29.11.2023 zwei hochdotierte Nachwuchspreise während einer feierlichen Veranstaltung vergeben: Dr. Malte Rühlemann vom Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB), CAU und UKSH, erhielt den mit 40.000 Euro dotierten Förderpreis der Bruhn-Stiftung. Und PD Dr. Nadine Hornig vom Institut für Humangenetik des UKSH, Campus Kiel, erhielt den mit 25.000 Euro dotieren Förderpreis der Hensel-Stiftung.

Professor Joachim Thiery, Dekan der Medizinischen Fakultät der CAU, würdigte die besonderen Leistungen der erfolgreichen Fakultätsmitglieder. „Frau Dr. Hornig und Herr Dr. Rühlemann erfüllen in vorbildlicher Weise den hohen Anspruch an die Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit. Sie haben in dieser frühen Phase ihrer wissenschaftlichen Karriere bereits eine außerordentliche Publikationsleistung bewiesen und betreiben weiterhin Forschung auf sehr hohem Niveau“, so Thiery.

Die Stifterin Dr. Annegret Bruhn übergab den Bruhn-Förderpreis an Dr. Malte Rühlemann (2. v. r.) zusammen mit Professor Joachim Thiery (rechts), Dekan der Medizinischen Fakultät der CAU, und Professor Stefan Schreiber, Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie (IKMB) und Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel. © Peter Lühr, Uni Kiel

Preisträger Bruhn-Förderpreis: Dr. Malte Rühlemann
Dr. Malte Rühlemann hat in Hannover und Kiel (Medical) Life Science studiert und im Jahr 2020 zum Thema „The interaction of genetics, inflammation and the microbiome in the human metaorganism“ promoviert. Seit 2020 arbeitet er als Postdoktorand am IKMB, er ist Forscher im DFG-geförderten Sonderforschungsbereich 1182 – Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen und Mitglied im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI). Gegenstand seiner Forschung ist die Evolution des menschlichen Mikrobioms insbesondere im Darm und wie dieses zur Gesunderhaltung und zu Krankheitsprozessen beiträgt. „In meinen Projekten beschäftige ich mich mit den Faktoren, die die menschliche Darmmikrobiota prägen. Hierzu zählen Umweltfaktoren und chronische Krankheiten, aber auch Genetik und Evolution“, erklärt Rühlemann. Als Bioinformatiker analysiert er Daten, die durch Sequenzierung von Stuhlproben generiert wurden, und nutzt dabei existierende Methoden und eigene Werkzeuge. „Dr. Rühlemanns Arbeit verknüpft Mikrobiom-Analyse und Evolutionäre Medizin, um ein tieferes Verständnis für mikrobielle Gemeinschaften im Zusammenhang mit dem Menschen und die Prozesse entzündlicher Erkrankungen zu erlangen. Die Erkenntnisse aus seinen Studien haben das Potenzial, sowohl die Grundlagenforschung als auch die klinische Praxis zu beeinflussen“, betont Medizindekan Thiery in seiner Laudatio.

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Ausgezeichnet wird Rühlemann vor allem für seine Publikation (Genome-wide association study in 8,956 German individuals identifies influence of ABO histo-blood groups on gut microbiome) in Nature genetics. In dieser Arbeit präsentiert er die Ergebnisse einer großen Studie zum Einfluss der von Erbinformationen auf die Zusammensetzung der Bakterienbesiedlung im menschlichen Körper. So konnte unter anderem ein bis dahin unbekannter Zusammenhang von für die Blutgruppe verantwortlichen genetischen Variationen und dem Vorkommen und der Häufigkeit bestimmter Bakterienarten belegt werden. Die in dieser Forschungsarbeit entdeckten genomischen Bereiche stellen interessante wirtsseitige Kandidaten für die Interaktion mit dem Darmmikrobiom dar, welche potenziell grundlegenden Einfluss auf die Entstehung von chronischen Erkrankungen und deren Therapie haben können.

Forschungsdekan Professor Philip Rosenstiel (links), Direktor des IKMB, und Professor Joachim Thiery (rechts) überreichten den Förderpreis 2023 der Hensel-Stiftung an Dr. Nadine Hornig. © Peter Lühr, Uni Kiel

Preisträgerin Hensel-Förderpreis: PD Dr. Nadine Hornig
Dr. Nadine Hornig hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München Biologie studiert, am University College of London promoviert und sich zum Thema "Identifikation und Charakterisierung einer neuen Form der Androgenresistenz" habilitiert. Seit 2018 leitet sie die Arbeitsgruppe „Sex Development“ (Geschlechtsentwicklung) am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Androgenresistenz. Diese beruht auf Mutationen im Erbgut und führt dazu, dass sich bei genetisch männlichen Personen, die Geschlechtsorgane teils männlich, teils weiblich oder komplett weiblich ausdifferenzieren. Grund dafür ist eine Funktionsstörung des Rezeptors, der die Wirkung der männlichen Geschlechtshormone (Androgene) vermittelt.

In einer in Nature publizierten Arbeit (Formin-mediated nuclear actin assembly at androgen receptors promotes transcriptional droplet formation) konnte Hornig mit ihrem Kooperationspartner Robert Grosse von der Universität Freiburg einen komplett neuen Mechanismus beschreiben, der die Signalwirkung des Androgenrezeptors verstärkt und für die Ausprägung männlicher Geschlechtsmerkmale notwendig ist. Sie fanden heraus, dass Aktin, ein Bestandteil des Zellskeletts, direkt im Zellkern mit dem Androgenrezeptor interagiert und dessen Wirkung verstärkt. Die Ergebnisse ermöglichen eine eindeutige Diagnose für Personen mit Androgen-Insensitivitäts-Syndrom (AIS), bei denen keine Mutation im Androgenrezeptor-Gen vorliegt. „Der Wirkmechanismus ist wahrscheinlich weit verbreitet und relevant für die Erforschung anderer Erkrankungen, bei denen Steroidhormone eine Rolle spielen, wie etwa Prostatakrebs“, erklärt Hornig. Die Entdeckung bildet auch eine Grundlage für weitere Forschung zur Entwicklung von Geschlechtsmerkmalen. Mit dem Fördergeld der Hensel-Stiftung möchte Nadine Hornig die Rolle von Aktin tiefergehend untersuchen. „Dieses Projekt hat das Potenzial, das Verständnis der Genregulation zu erweitern und neue Erkenntnisse für die Erforschung von mit dem Androgenrezeptor verbundenen Erkrankungen zu liefern“, hebt Forschungsdekan Professor Philip Rosenstiel in seiner Laudatio hervor.

Zum Bruhn-Preis
Seit 2010 unterstützt die Stiftung der ehemaligen Lehrbeauftragten Dr. Annegret Bruhn und Professor Hans-Dietrich Bruhn den Nachwuchs und die medizinische Forschung an der CAU. Hervorragende Promotionen oder andere herausragende Forschungsleistungen und Projekte junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ärztinnen und Ärzte sowie talentierter Studierende in der Medizin werden durch einen jährlich zu vergebenden Förderpreis unterstützt. Gefördert werden experimentelle oder klinische Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der personalisierten Medizin, die neue molekulare Marker oder komplexe molekulare Untersuchungsmethoden mit einer Option für die Translation in die klinische Medizin einbeziehen.

Zum Hensel-Preis
Die Hensel-Stiftung wurde im Jahr 1993 vom Ehepaar Irmgard und Walther Hensel zur Förderung der medizinischen Forschung gegründet. Im Jahr 2023 hat die Hensel-Stiftung den mit 25.000 Euro dotierten Hensel-Förderpreis ausgeschrieben. Ausgezeichnet wird eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die oder der eine herausragende Arbeit auf dem Gebiet der medizinischen Forschung erbracht hat. Das Preisgeld ist zweckgebunden und dient der Durchführung weiterer wissenschaftlicher Projekte.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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