Das Porträt

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8 Fragen an Robert Hengel, WTW

Was reizt Sie (besonders) an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Die Firma WTW hat sich in den mehr als 60 Jahren ihres Bestehens durch innovative und hochwertige Produkte einen hervorragenden Ruf erworben. Besonders in den letzten Jahren ist es WTW gelungen, durch einige neue Produkte eine Art Vorreiterrolle einzunehmen. WTW hat es mit diesen Produkten geschafft, die Spielregeln im Markt zu ändern und neue Standards zu setzen. Dies gehört sicher zu den ganz „schwierigen Dingen“, vergleichbar mit der Champions League im Fußball. Wenn man Teil des Teams ist, das diese Produkte verantworten durfte, dann ist das ein besonderes Glücksgefühl. Wie im Fußball muss dieses Team auf jeder Position optimal besetzt sein. Das Team WTW spielt in der Champions League und wer würde nicht gerne in einer solchen Mannschaft spielen! Selbstverständlich sind die Erwartungen auch in Zukunft hoch; ich denke jedoch, wir sind gut gerüstet und ich persönlich freue mich auf diese Herausforderung.

Welche Ziele haben Sie sich und für Ihr Unternehmen in nächster Zeit und für die weitere Zukunft gesetzt?
Die Ziele für uns als WTW müssen auch weiterhin sein, die bestmögliche Technologie zur Lösung von neuen Aufgabenstellungen unserer Kunden zu finden und zu beherrschen. Dies erfordert auch weiterhin hohe Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung und – das ist meine persönliche Meinung – das Festhalten an dem Fertigungsstandort Deutschland. Nur so werden wir die zunehmend komplexeren Produkte in hervorragender Qualität produzieren können, so wie das von einem Premiumhersteller erwartet wird. Diese beiden Dinge sind stark miteinander verknüpft, d.h. ohne herausragende Technologien kann man sich den Fertigungsstandort Deutschland nicht leisten. Selbstverständlich gibt es noch andere Ziele, die erreicht werden müssen, aber viele dieser Dinge ergeben sich von allein, wenn dieses oberste Ziel umgesetzt ist.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Sie?
Das WTW-Geschäft ist sehr breit angelegt, d.h. wir agieren auf zwei verschiedenen Märkten mit unterschiedlichsten Regeln. Zum einen ist es der Labormarkt mit seinen speziellen Anforderungen und diversen Distributionskanälen, zum anderen das „On-line“-Geschäft, das letztendlich ein Systemgeschäft ist. Es ist immer notwendig, ganz nahe am Markt zu sein, um neue Anforderungen und Bedürfnisse rechtzeitig zu erkennen und in entsprechende Produkte umzuwandeln.
Was halten Sie für Ihre größten Stärken und Schwächen?
Wenn man meinen beruflichen Werdegang verfolgt, wird man feststellen, dass ich lange Zeit im technischen Umfeld bzw. in der Forschung und Entwicklung tätig war. Seit mehr als 10 Jahren arbeite ich nun im Bereich Marketing, für den ich seit 2003 auch verantwortlich bin. Aus meiner Sicht ist diese Kombination aus technischem Hintergrund und Marketingwissen eine ideale Kombination, die mich in die Lage versetzt, unterschiedlichste Perspektiven in einem zunehmend technologiegetriebenen Markt einzunehmen und auch zu nutzen. Dies bedeutet eine Fähigkeit, bestimmte Ziele und Aufgaben über andere Denkansätze zu verfolgen und zu erreichen bzw. zu lösen. Dabei ist manchmal die Ungeduld mein größter Feind.

Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Deutschland?
Nun, ich denke, nach einem deutlichen Exportzuwachs im vergangenen Jahr stehen die Zeichen auch in Deutschland auf Wachstum. Davon profitiert selbstverständlich auch WTW – sowohl im Ausland als auch im Inland. Die Art des Geschäftes hat sich etwas verändert – besonders in Deutschland. Ich gehe davon aus, dass dieser positive Trend auch die nächsten Jahre anhalten wird. Der starke Euro hat natürlich in einigen US-Dollar-getriebenen Märkten Nachteile für uns, die wir aber oft mit besserer Technologie kompensieren können.

Was sind die größten Risiken/Risikofaktoren?
Ein generelles Risiko sehe ich darin, wenn deutsche Hersteller glauben, in einem Massenmarkt mit „Low End“- oder Standard-Technologie auf Dauer mit Nationen wie zum Beispiel China wettbewerbsfähig zu sein. Das funktioniert heute schon nicht und wird in Zukunft noch weniger funktionieren. Es gilt, stets einen technologischen Vorsprung zu erringen und diesen auch zu halten. Dass diese Herausforderung immer größer wird, ist mir völlig klar.

Wo liegen die Märkte der Zukunft?
WTW ist generell in einem sogenannten Wachstumsmarkt, dem Umweltmarkt, tätig. Dieser Markt wird von mehreren Faktoren getrieben. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass das Umweltbewusstsein weltweit einen höheren Stellenwert einnimmt als noch vor 10 Jahren. Viele Nationen dieser Erde haben inzwischen Wasser als „knappes Gut“ identifiziert und kümmern sich vermehrt um diese lebensnotwendige Ressource, d.h. um Kontrolle und Aufbereitung von Trink- und Abwasser. Aber das alleine reicht noch nicht. Es sind Gesetze notwendig, die bestimmte Grenzwerte festlegen und deren Einhaltung garantieren. Somit entstehen überall dort neue Märkte in Ländern, die entsprechende legislative Vorgaben beschließen und auch umsetzen.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie unseren Lesern mitteilen möchten?
Der Slogan „Made in Germany“ stand vor nicht allzu langer Zeit für ein „High End“-Produkt, gefertigt in ausgezeichneter Qualität, und hat den Ruf einer ganzen Nation mitgeprägt. Über die Jahre ist er ein bisschen aus der Mode gekommen. Ich bin der Meinung, er könnte wieder zu neuen Ehren gelangen. Dies würde eine Rückbesinnung der deutschen Industrie auf alte Tugenden bedingen. Der momentane wirtschaftliche Aufschwung tut sein Übriges. Um dieses Niveau über längere Zeit aufrecht zu erhalten, ist es notwendig, auch künftige Generationen mit dem entsprechenden Wissen auszustatten. Dies kann nur gelingen, wenn wir die Ausbildung unserer Kinder deutlich verbessern.

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Ach ja, und etwas Zuversicht und positives Denken könnten auch nicht schaden.

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