Management

Eine Lobby für das duale Studium

Das Unternehmen duales-studium GmbH betreibt Deutschlands wohl vollständigste Internetplattform zum Thema duales Studium. Wie die Seite funktioniert, was ein duales Studium ausmacht und wie Unternehmen davon profitieren, erklärt Geschäftsführer Nils Frohloff der LABO exklusiv.
Nils Frohloff ist Geschäftsführer der duales-studium GmbH, die eine Internet-Plattform zum Thema „Duales Studium“ betreibt.


Frohloff, 32, sitzt in seinem Büro im ostwestfälischen Löhne und beantwortet telefonisch die Fragen eines interessierten Unternehmers. Er kennt die Besonderheiten des dualen Studiums genauso wie die Bedenken der Anlieger. Schließlich wurde auch er eher durch Zufall dualer Student. Ein Freund machte ihn darauf aufmerksam, dass Siemens diese Ausbildungsform anbietet. Exakt ein Bewerbungsgespräch und ein Assessment-Center später war es schon passiert: Nils Frohloff wurde dualer Student. Schon damals war ihm klar: Dieses duale Studium ist eine der besten Ausbildungsformen, die es hierzulande gibt. Es kann jedoch nicht sein, dass keine Anlaufstelle für Interessenten existiert. Das war die Geburt von http://www.duales-studium.de.

Mit einem dualen Studium werden Theorie und Praxis schon während des Studiums direkt verknüpft. Entweder in Form eines Praktikums oder einer Ausbildung während des Studiums. So arbeiten die Studenten zu gleichen Teilen im Betrieb und an der Hochschule. Theoretische Kenntnisse können zeitnah im Unternehmen angewendet werden, die im Unternehmen erlernten Vorgänge werden in der Fachhochschule theoretisch vertieft.

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Auch aus finanzieller Sicht stellt diese Ausbildungsform eine Win-win-Situation für die Beteiligten dar. Die Firmen bilden ihren Nachwuchs selbst aus und haben Einfluss auf dessen Entwicklung. Am Ende erhalten sie den Mitarbeiter, der optimal auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten ist. Teures Recruiting mit Hilfe von „Headhuntern“ wird somit weitgehend überflüssig. Die Studenten profitieren ebenfalls von der Zusammenarbeit. So zahlen die Unternehmen in den meisten Fällen sowohl die Studiengebühren als auch ein Ausbildungsgehalt.

Das erklärt den Siegeszug des dualen Studiums durch die deutsche Bildungslandschaft. Das Bundesinstitut für Berufsbildung bestätigt diesen Trend mit beeindruckenden Zahlen. So sind alleine zwischen 2010 und 2011 fast 13 000 weitere deutsche Unternehmen auf den Zug mitaufgesprungen. Das entspricht einem Wachstum von 46,5 %. Auch die Anzahl der Studiengänge und der Studierenden ist im gleichen Zeitraum um etwa 20 % gewachsen.


Zahlen & Fakten

Nach dem Studium und einige Jahre Arbeit im Bereich CRM-Systeme, beschloss Frohloff 2009 mit seinem Kommilitonen Christian Buck die duales-studium GmbH zu gründen. Im Januar 2011 schließlich ging http://www.duales-studium.de ans Netz. Nach nur einem Jahr sind bereits mehr als 2400 Unternehmen und 170 Hochschulen mit eigenem Profil auf der Seite vertreten. Noch rasanter verläuft die Entwicklung der Schülercommunity. Mehr als 7000 aktive Nutzer sind angemeldet – Tendenz steigend. Wenn das Wachstum bei den Neuanmeldungen von momentan ca. 15 % pro Monat stabil bleibt, rechnen die Verantwortlichen mit dem Durchbruch der 10 000er-Grenze für Mitte 2012.

Die Unternehmensphilosophie

Duales-studium.de ist eine Plattform für Schüler, Unternehmen und Hochschulen, die entweder Interesse an einem dualen Studium haben, oder es bereits anbieten. Sie will das verbindende Element zwischen der Berufsorientierung der Schülerinnen und Schüler sowie dem Rekrutierungsprozess der Unternehmen sein. „Im Prinzip sind wir die einzige Berufs- und Bildungsmesse, die 365 Tage im Jahr geöffnet hat“, erklärt Geschäftsführer Frohloff. Dieser Vergleich ist in der Tat recht treffend. Schüler können sich kostenlos informieren und dann Unternehmen und Hochschulen direkt kontaktieren. „Schließlich möchte ich nicht, dass duale Studenten wie ich eher zufällig in ihre Zukunft stolpern“, so Frohloff weiter. Dabei stehen bei http://duales-studium.de folgende drei Prinzipien im Vordergrund:Vollständigkeit, Servicecharakter und nicht zuletzt Seriosität.

So soll, getreu dem ersten Punkt der Firmenphilosophie, die gesamte duale Studienlandschaft abgebildet werden. Daher ist der Basis-Eintrag für Unternehmen und Hochschulen auch kostenfrei. Des Weiteren sollen alle Interessenten, die sich mit ihren Fragen an das Portal wenden, stets den bestmöglichen Service erhalten. Dazu gehört die Bereitstellung von umfassenden Informationen auf der Seite ebenso wie die Ansprechbarkeit über andere Kanäle wie z.B. facebook. Zuletzt legt der Geschäftsführer Wert darauf, dass die Seite nicht über netztypische Werbung wie Banner refinanziert wird. „Communities im Netz sind nicht dann erfolgreich, wenn jeder freie Pixel für Werbung missbraucht wird, sondern wenn sie ihren Usern den größtmöglichen Mehrwert bietet“, weiß der gebürtige Ostwestfale.


Duales Studium bei Evonik

Dass Berufsorientierung im 21. Jahrhundert über das Internet läuft, ist mittlerweile im Bewusstsein der meisten Firmen verankert. Dennis Bandow, Human Resources-Manager bei Evonik, kennt den Nutzen von Online Stellenbörsen und Internetpräsenzen eines Unternehmens nur zu gut. „Ich persönlich bin dafür ein Beweis, wurde ich zum damaligen Zeitpunkt doch selber bei der Online-Recherche auf eines unserer Vorgängerunternehmen aufmerksam“, erzählt Bandow. Da ist es nur logisch, dass er auch Evoniks Internetpräsenzen vorantreibt. Der Chemiekonzern war eines der ersten großen Unternehmen, die auf http://duales-studium.de aktiv wurden. „Hier können wir unser breites Angebot an dualen Studiengängen außerhalb unserer eigenen Karriere-Seiten noch einmal sehr anschaulich darstellen.“ Darüber hinaus, erläutert Bandow weiter, biete ihnen die Plattform auch die Möglichkeit, junge Menschen, die auf der Suche nach einem dualen Studium sind und bisher noch nicht von Evonik gehört haben, auf das breite Angebot des Essener Konzerns aufmerksam zu machen. Dabei ist für ihn die Präsentation des Essener Konzerns im weltweiten Netz unabdingbar. „Ich würde es nicht nur empfehlen, sondern sehe es in der heutigen Zeit als absolutes „Muss“ an. Um mit potenziellen zukünftigen Mitarbeitern in Kontakt zu kommen, müssen wir uns dort präsentieren, wo die jungen Leute sich in ihrer Freizeit bewegen und nach Berufsinformationen suchen“, weiß der Personaler. Je genauer die Zielgruppe angesprochen wird, desto größer sind die Chancen, dass daraus erfolgreiche Partnerschaften entstehen, die für den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer nachhaltig positiv sind. Erfolgreiche Partnerschaften wie die zwischen Evonik und Michael Spittler.

Nach der Schule wollte Michael Chemie oder Biologie studieren. „Das Angebot von Evonik war ein echter Glücksfall, denn ich wusste bis dahin gar nicht, dass es die Möglichkeit gibt, Studium und Praxis zu kombinieren“, so der Chemie- und Biotechnologie-Student. Wenn die Leistungen stimmen, übernimmt das Unternehmen die vollen Studiengebühren. Eine enorme Entlastung für einen jungen Menschen, der noch am Anfang seiner Karriere steht. Außerdem hat er so die Möglichkeit, zum einen die Ausbildung zum Chemielaboranten und zum anderen das Studium zu absolvieren. Einen großen Vorteil sieht Spittler aber in der Verzahnung von Theorie und Praxis während seiner Ausbildung. „In den Praxisblöcken stehe ich im Labor und lerne, wie ich etwas praktisch umsetze und zum Laufen bringe. In der Uni geht’s dann richtig in die Tiefe – hier lernt man, was hinter der Praxis steckt. So kann ich einen breiten Erfahrungsschatz ansammeln und an kreativen Entwicklungen von Evonik mitarbeiten“, erklärt er. Außerdem ist generell betrachtet die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass duale Studenten nach erfolgreichem Abschluss von ihrem Ausbildungsunternehmen übernommen werden. So ist der direkte und unproblematische Berufseinstieg für den Studenten gesichert. Nicht nur für Michael Spittler kann sich ein duales Studium also zu einem echten Glücksfall entwickeln.


Die Zukunft der Plattform

Stillstand heißt Rückschritt, das weiß man auch in Ost-Westfalen. Deshalb sind die nächsten Schritte, die die Plattform nehmen wird, bereits geplant. „Zuerst möchten wir den Service- und Community-Charakter ausbauen. Konkret haben wir gerade einen neuen Content-Teil erarbeitet, der sich um die Bewerbungsfragen der Schülerinnen und Schüler kümmert“, erläutert der Diplom-Ingenieur. „Auch die Unternehmen und Hochschulen sollen einen eigenen, FAQ-artigen Bereich bekommen, in denen alle Fragen und Bedenken geäußert und beantwortet werden können.“ Mittelfristig ist die Implementierung einer Eignungsdiagnostik geplant. Schüler können dann Online-Tests absolvieren, an deren Ende sie erfahren, für welches duale Studium sie am besten geeignet sind. Auf diese Daten sollen dann auch die Unternehmen zugreifen können. „So haben die Unternehmer die Gelegenheit, bereits vor dem ersten persönlichen Gespräch die Stärken und Schwächen der Bewerber kennen zu lernen. Das spart eine Menge Zeit und Arbeit“, weiß Frohloff. Bis dahin werden wohl im Büro der duales Studium GmbH noch viele Anrufe von interessierten Unternehmern eingehen. Das ist natürlich durchaus im Sinne des Erfinders. Denn nicht umsonst ist Servicecharakter eines der obersten Prinzipien von http://www.duales-studium.de.

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