Zertifizierung und Kalibrierung von Analysensieben

Was ist der Unterschied?

Die Korngrößenbestimmung mit Hilfe der Siebanalyse ist ein seit Jahrzehnten anerkanntes Prüfverfahren. Es dient in allen Bereichen, wo es auf eine genaue Bestimmung der Korngrößen ankommt, als Basis für die Beurteilung von Schüttgütern, Pulvern und Mahlprodukten.

Zum einen dient die Prüfsiebung der Eigenkontrolle der erzeugten Produkte oder auch zur Fremdkontrolle von Zulieferprodukten oder auch nur zur Klassifizierung von Materialen. Analysensiebe, oft auch als Prüfsiebe bezeichnet, dienen hier als Messmittel und unterliegen somit der Prüfmittelkontrolle. Es gibt verschiedene Verfahren, um Analysensiebe zu überprüfen.

Ein gängiges Verfahren ist die Überprüfung mit Prüfsanden oder speziellen Materialproben wie Glasskugeln (z.B. nach NIST-Standard). Der Massenanteil des Referenzmaterials als Rückstand auf dem zu prüfenden Analysensieb dient zur Beurteilung der Maschenweitenverteilung. Der Vorteil dieses Verfahrens ist die Bestimmung des Absiebungsverhaltens unterschiedlicher Analysensiebe mit nominell gleicher Maschenweite. Der Nachteil ist offensichtlich: Es ist keine Rückführbarkeit auf ein nationales Massnormal gegeben. Die Qualität der Überprüfung hängt von der Materialgüte des Referenzmaterials ab.

Bildschirm-Messanlagen für Rückführbarkeit
Um die Rückführbarkeit auf die nationale Normale zu gewährleisten, hat sich die optische Überprüfung der Maschenweite mit Hilfe kalibrierter Bildschirm-Messanlagen als zuverlässige Prüfmethode für Prüfsiebe etabliert. Die Firma Haver & Boecker hat hierfür eine Messanlage entwickelt, bei der das Analysensieb auf einen zweidimensional verfahrbaren Messtisch gelegt und im Durchlichtverfahren optisch vermessen wird. Die Messanlage wird unter Verwendung eines kalibrierten Planglassstabes kalibriert. Damit ist eine Rückführbarkeit auf die nationale Normale gewährleistet.

Anzeige
Bild 1: Mobile Messanlage für die Zertifizierung von gebrauchten Analysensieben vor Ort.

In der ISO 3310 und ASTM E 11 wird zwischen Zertifizierung und Kalibrierung unterschieden. Bei der Zertifizierung wird je nach Maschenweite eine unterschiedliche Anzahl an Maschen vorgegeben, die sowohl in Kett- und Schussrichtung vermessen werden müssen. Diese Messergebnisse werden statistisch ausgewertet. Die Normen geben hier Toleranzwerte vor, die eingehalten werden müssen. Sollte ein Kriterium nicht erfüllt werden, wird das Analysensieb verworfen.

Bei der Kalibrierung werden bis zu dreimal so viele Maschen gemessen wie bei der Zertifizierung. Hierdurch wird das statistische Vertrauensniveau gegenüber der Zertifizierung erhöht.

Die Ergebnisse der Zertifizierung oder Kalibrierung werden in einem Prüfzeugnis dokumentiert. Mit Hilfe dieser Prüfzeugnisse können unterschiedliche Absiebungsergebnisse bei zwei verschiedenen Analysensieben mit gleicher Maschenweite leicht erklärt werden. Durch regelmäßige Re-Zertifizierungen kann ermittelt werden, ob ein Prüfsiebgewebe sich z.B. durch Materialanlagerungen am Draht verändert und das Analysensieb ausgetauscht werden sollte.

Bild 2: Akkreditierungsurkunde nach DIN ISO EN 17025.

Durch unsachgemäßes Reinigen der Analysensiebe können Drähte verschoben und die Maschenweiten verändert werden. Auch hier stellt der Nachweis durch eine Re-Zertifizierung eine solide Prüfmethode dar. Haver & Boecker bietet seinen Kunden sowohl mit seiner stationären Anlage im Werk Oelde als auch mit der mobilen Messanlage direkt „vor Ort“ beim Kunden die Möglichkeit, ihre Siebe regelmäßig überprüfen zu lassen.

Reproduzierbare Siebergebnisse
Ist der Nachweis der Güte eines Prüfsiebes durch eine akkreditierte Prüfanstalt nach DIN EN ISO/IEC 17025 vorgeschrieben, ist neben den Vorgaben der internationalen Prüfsiebnormen auch die Messunsicherheit in den Protokollen anzuführen, die unter speziellen Messbedingungen, wie z.B. konstanter Umgebungstemperatur, eingehalten werden müssen. Haver & Boecker verfügt seit einigen Jahren über ein von der DAkkS akkreditiertes Prüflabor, das diese besonders hohen Anforderungen erfüllt.

Durch die regelmäßige Überprüfung der Analysensiebe wird sichergestellt, dass die Normvorgaben eingehalten werden. Abweichungen bei den Absiebungsergebnissen sollten dadurch minimiert und reproduzierbare Siebergebnisse ermöglicht werden. Hier spielen aber noch weitere Parameter eine gewichtige Rolle, wie die Probennahme oder Siebmaschinenart. Auch hier bietet Haver & Boecker verschiedene Lösungsmöglichkeiten an.


Josef Robben
Haver & Boecker OHG
59302 Oelde
http://www.haver-partikelanalyse.com

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Analysensiebmaschinen

Kaum zu hören

Die neue Analysensiebmaschine Haver EML 200 Premium ist sehr viel leiser als das Vorgängermodell. Sie schafft so ein angenehmes Arbeiten in der Laborumgebung mit starker Leistung.

mehr...
Anzeige

Raman-Imaging

Mit aktiver Fokus-Stabilisierung

Mit neuen Raman-Imaging-Optionen bietet Witec seine aktuelle Software Suite Five an. Neben verbesserten und neuen Funktionen zur Aufnahme und Auswertung der Daten beinhaltet Suite Five jetzt eine Steuerung für die aktive Fokus-Stabilisierung, die...

mehr...

Imaging

Segmentierung korrelativer Mikroskopiedaten

Die Zeiss ZEN Intellesis-Plattform ermöglicht eine integrierte Segmentierung mikroskopischer 2D- und 3D-Datensätze für den Routineanwender. Sie ist für alle Licht-, Konfokal-, Röntgen-, Elektronen- und Ionenmikroskope von Zeiss erhältlich.  

mehr...