Roter Faden für die Regeneration

Das ITV Denkendorf entwickelt ein Leitsystem für nachwachsende Nerven

Das Institut für Textil- und Verfahrenstechnik, ITV Denkendorf im Landkreis Esslingen, entwickelt spezielle Textilien für den Einsatz in der Medizin. Damit können Löcher in der Bauchdecke gestopft und geschädigte Blutgefäße ersetzt werden. Als Trägermaterialien spielen Textilien in der Regenerationsmedizin eine immer größere Rolle: Aktuell arbeitet das ITV-Forschungsteam an einem innovativen Leitsystem für nachwachsende Nerven.

Erst bei einer tausendfachen Vergrößerung im Rasterelektronenmikroskop ist zu erkennen, dass es sich nicht um einen Faden, sondern um einen Schlauch handelt. Im inneren Hohlraum befinden sich zahlreiche feinste Fasern, so genannte Filamente, die den Axonen den Weg weisen.

Damit durchtrennte Nerven aus dem peripheren Nervensystem - das heißt: außerhalb von Gehirn und Rückenmark - richtig nachwachsen können, benötigen sie eine Art Leitsystem. An diesem können sich die elektrischen Leitbahnen der Nervenzellen, auch Axone genannt, orientieren. Ohne solche Wegweiser würden sie nur sehr langsam und ungerichtet oder überhaupt nicht nachwachsen. Um beispielsweise die Nervenregeneration nach einem Unfall zu unterstützen und zu beschleunigen, haben die Forscher des ITV Denkendorf im Rahmen des von der BioRegio STERN Management GmbH geförderten Projekts "Gesundheitsregion REGiNA" ein spezielles textiles Nervenleitsystem entwickelt, das allen definierten Anforderungen gerecht wird.

Dieser Wegweiser für nachwachsende Nerven sieht auf den ersten Blick aus wie ein gewöhnlicher Faden. Tatsächlich ist er eine Art "roter Faden" für die Nervenregeneration. Er besteht aus einem besonders gut verträglichen Polymer, das im Körper wieder vollständig abgebaut wird. Erst bei einer tausendfachen Vergrößerung im Rasterelektronenmikroskop ist zu erkennen, dass es sich nicht um einen Faden, sondern um einen Schlauch handelt. Im inneren Hohlraum befinden sich zahlreiche feinste Fasern, so genannte Filamente, die den Axonen den Weg weisen. Damit beim Nervenwachstum nicht nur die Richtung, sondern auch die Umgebung stimmt, lassen die Poren des Polymerschlauchs nur die wichtigen, wachstumsfördernden Stoffe durch. Angenäht an die durchtrennten Nervenenden sorgt das Leitsystem dafür, dass der Nerv zügig und zielgerichtet nachwächst.

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Das Institut für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkendorf hat nicht nur die Idee für dieses innovative Medizinprodukt entwickelt, sondern kann es auch selbst vor Ort produzieren. Auf längere Sicht besitzt das textile Leitsystem sogar das Potenzial, Querschnittsgelähmten zu helfen. "Natürlich ist es begeisternd, wenn man eine Lösung für ein solches Problem in der Medizin gefunden hat und den Menschen damit wirklich helfen kann", freut sich der stellvertretende Institutsleiter und Leiter der Biomedizintechnik des ITV Denkendorf, Prof. Dr. Michael Doser.

Ein neuer Film der BioRegio STERN Management GmbH zeigt, wie der Leitfaden für zielgerichtetes Nervenwachstum entsteht:

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