Bericht 2020 der AMR-Life-Science-Industrie

Erfolge und Rückschläge im Kampf gegen Superbakterien

Die AMR Industry Alliance berichtet über Fortschritte bei der verantwortungsvollen Herstellung von Antibiotika und im Hinblick auf einen verbesserten Zugang von Patienten zu Antibiotika und deren verantwortungsbewusster Anwendung. Der Bericht zeigt aber auch auf, dass der Umfang der Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) Anlass zur Besorgnis gibt.

© AMR Industry Alliance

Der jetzt erschienene Bericht der AMR Industry Alliance bietet eine einzigartige Momentaufnahme der gemeinsamen Anstrengungen der Life-Science-Branche im Kampf gegen die wachsende Krise von Antibiotikaresistenzen (AMR). Die Ergebnisse der Umfrage unter den Mitgliedern der Allianz, Biotech-, Diagnostika-, Generika- und großen forschenden biopharmazeutischen Unternehmen, fällt gemischt aus. Zu den positiven Ergebnissen gehören anhaltende Investitionen in frühe F&E und Diagnostik für AMR-bezogene Produkte (einschließlich Antibiotika, Antimykotika und Impfstoffe), sowie große Fortschritte bei der verantwortungsvollen Herstellung von Antibiotika. Beunruhigend sind allerdings die geringen Investitionen in spätere und kostspieligere Stadien von F&E im Bereich AMR-bezogener Produkte. Dies könnte dazu führen, dass viele der vielversprechenden Entwicklungen im Frühstadium niemals die Patienten erreichen, es sei denn, Regierungen richten neue Mechanismen und Anreize für die Entwicklung von Antibiotika ein.

Insgesamt entfallen auf die der Allianz angehörenden Unternehmen etwa ein Drittel der weltweiten Antibiotikaversorgung, ein bedeutender Anteil der antimikrobiellen Substanzen in klinischer Entwicklung und ein großes Segment des Diagnostiksektors, der sich mit der Entwicklung und Herstellung von AMR-bezogenen Produkten befasst.

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F&E-Investitionen in späten Stadien besorgniserregend niedrig

Die wichtigsten Ergebnisse des Abschnitts Wissenschaft und Forschung bestätigen, dass die Life-Science-Branche mit Investitionen in Höhe von 1,6 Mrd. US-Dollar im Jahr 2018 weiterhin der dominierende Geldgeber für AMR-relevante F&E ist. Zum Vergleich: Der öffentliche Sektor investiert jährlich rund 500 Mio. US-Dollar in AMR-relevante F&E. Die Allianz weist warnend darauf hin, dass F&E-Investitionen in den kostenintensivsten späten Stadien der klinischen Forschung auf einem besorgniserregend niedrigen Niveau sind. Dem stehen eine vielversprechende präklinische Biotech-Pipeline und neue Infektions-Schnelltests, die von Diagnostikunternehmen derzeit entwickelt werden, gegenüber. Um sicherzustellen, dass diese Entwicklungen die Patienten erreichen, müssen politische Maßnahmen ergriffen werden: 74% der für den Bericht der Allianz befragten Unternehmen gaben an, dass sie im Falle einer Verbesserung der Geschäftsmodelle ihre Investitionen in den AMR-Bereich wahrscheinlich steigern würden. Mitglieder der Allianz suchen deshalb nach Partnern für Pilotprojekte zu neuen Erstattungsmechanismen und Anreizen, die den Patientenzugang verbessern und nachhaltige private Investitionen in die Entwicklung neuer Mittel zur AMR-Bekämpfung ermöglichen.

Thomas Cueni, Chair der AMR Industry Alliance, erklärt: „Unser Bericht beleuchtet die vielfältigen Aktivitäten, die von Biotechnologie-, Diagnostika-, Generika- und großen forschenden biopharmazeutischen Unternehmen unternommen werden, um die Ausbreitung von AMR zu bekämpfen.” Er warnt aber auch, dass die Ergebnisse der Umfrage „ein Weckruf sind, da die für 2018 berichteten Investitionen in Höhe von 1,6 Mrd. US-Dollar in AMR-relevante F&E für den Erhalt einer realisierbaren Pipeline nicht ausreichen dürften. Die Entdeckung neuer und effektiver Wege zur Nutzung positiver präklinischer Pipeline-Ergebnisse und eine Zusammenarbeit, die sicherstellt, dass die antimikrobielle Arzneimittelforschung und –entwicklung im Spätstadium besser unterstützt wird, sind von entscheidender Bedeutung.”

Bezüglich der Fortschritte, die die Allianz bei ihren Herstellungszusagen und der Sicherstellung eines besseren Zugangs zu lebensrettenden Antibiotika für Patienten in aller Welt derzeit macht, sagt Cueni: „Dies zeigt, dass Zusammenarbeit eine starke Plattform für Veränderungen sein kann”. Er fährt fort: „Es gibt gute Gründe für Optimismus, was das aktive und zunehmende Engagement der Allianz im Bereich von AMR angeht.“

Mangelnder Zugang zu Antibiotika

Aufgrund mangelnden Zugangs zu Antibiotika sterben jährlich 5,7 Millionen Menschen an behandelbaren bakteriellen Infektionskrankheiten. Dies übersteigt die geschätzten 700 000 jährlichen Todesfälle durch antibiotikaresistente Infektionen bei weitem. Die Hauptergebnisse im Abschnitt Zugang machen deutlich, wie sich die Unternehmen der Allianz für einen besseren Zugang von Patienten zu geeigneten, qualitativ hochwertigen Antibiotika, Impfstoffen sowie Diagnostika, die zur Vermeidung arzneimittelresistenter Infektionen oder deren Nachweis und besserer Behandlung beitragen können, einsetzen.

Förderung der richtigen Anwendung

In ähnlicherer Weise unterstreichen die Ergebnisse im Abschnitt Richtige Anwendung die fortlaufenden Bemühungen der Allianzmitglieder, innovative Wege zur Unterstützung der antimikrobiellen Verantwortung voranzubringen. Alle Unternehmen gaben an, dass sie eine Vielfalt von Maßnahmen zur Förderung der richtigen Anwendung von Antibiotika ergriffen haben, um das Entstehen von Resistenzen zu verlangsamen, die Wirksamkeit von antimikrobiellen Substanzen zu verlängern und die Gesundheit der Patienten zu verbessern.

Rahmen für verantwortungsvolle Antibiotikaherstellung

Der Herstellungsprozess ist für einen kleinen Teil aller Antibiotika-Emissionen in die Umwelt verantwortlich, aber schlecht kontrollierte Absonderungen können zu Rückständen in der unmittelbaren Umgebung von Produktionsstätten führen, die möglicherweise das Risiko der Entstehung von AMR erhöhen. Im Abschnitt Herstellung berichtet die Allianz, dass die Mitglieder bei der Erstellung eines Industriestandards der Planung um zwei Jahre voraus sind. Weiterhin sagt sie Konzentrationen ohne Effekt voraus, die zur Senkung möglicher Umweltrisiken aus der Antibiotikaherstellung beitragen. Die Allianz hat einen gemeinsamen Rahmen für eine verantwortungsvolle Antibiotikaherstellung geschaffen. Bislang zeigen die Ergebnisse, dass über 80% der teilnehmenden Unternehmen mit ihren Antibiotika-Herstellungsanlagen die Anforderungen des Rahmenwerks ganz oder teilweise erfüllen und diese auch ihren mehr als 400 Lieferanten mitgeteilt haben. Die Allianz wird sich weiterhin an andere Hersteller mit der Bitte wenden, sich ihren Reihen anzuschließen oder sich zur Umsetzung dieses neuen Industriestandards zu verpflichten. Damit soll die weitere Versorgung mit Antibiotika und deren verantwortungsvolle Herstellung sichergestellt werden.

Die Allianz hebt auch hervor, wie die Mitglieder und die gesamte Life-Science-Branche in Zukunft noch mehr beitragen können. Zu diesen Punkten gehört die schnellere Weitergabe von F&E-Informationen und Überwachungsdaten. Des Weiteren schlägt die Allianz Bereiche vor, in denen neue oder tiefere Partnerschaften mit Regierungen, Patienten und Anbietern erforderlich sind (z. B. im Bereich der Forschung und Entwicklung), sowie Pläne zur Stärkung der lokalen Gesundheitsversorgung und Laborkapazitäten, damit eine effektive Diagnostik und wirksame Therapien zur Behandlung arzneimittelresistenter Infektionen möglich werden.

Die Mitglieder der Allianz hoffen, dass dieser Bericht andere Akteure in der Life-Science-Branche dazu ermutigt, sich ihren Reihen anzuschließen, und dass ihre Vorschläge für die nächsten Schritte eine stärkere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von AMR fördert. Die Allianz wird im März 2020 ein hochrangiges Treffen veranstalten, um ihre Ergebnisse mit der globalen Gesundheitsgemeinschaft zu diskutieren.

Quelle: AMR Industry Alliance

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