VCI appelliert an EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker

Brexit brennt Chemie- und Pharmabranche unter den Nägeln

Eine Umfrage des VCI zeigt: Chemie- und Pharmaunternehmen befürchten als Folge eines unkontrollierten Brexit mehrheitlich Beeinträchtigungen für das Geschäft und negative Folgen für die Lieferketten.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) weist im Vorfeld der Rede zur Lage der Union von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker noch einmal auf die große Bedeutung des Brexit für die Branche hin. VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann betont: „Die Geschäftserwartungen unserer Unternehmen trüben sich ein. Die ungelösten Probleme zwischen Brüssel und London für den in gut 6 Monaten stattfindenden Brexit spielen dabei eine maßgebliche Rolle.“

Chemieindustrie stark europäisch integriert: Beispiel REACH

Ein unkontrollierter Brexit hätte für die chemisch-pharmazeutische Industrie unmittelbare und schwerwiegende Folgen. Als ein Beispiel, wo der Branche große Probleme ins Haus stehen könnten, nannte Tillmann die EU-Chemikalienverordnung REACH. Die Gesetzgebung für chemische Stoffe und Produkte hat sich in den letzten 15 Jahren in der EU dynamisch entwickelt: „Durch einen unkontrollierten Brexit dürfen alle chemischen Stoffe, die im Vereinigten Königreich für den Vertrieb in der EU registriert wurden, unmittelbar nicht mehr ohne Weiteres in der EU verkauft werden. Das hätte gravierende Auswirkungen auf die Lieferketten.“

Umfrage zeigt Brexit-Besorgnis der Branche

Tillmann verweist in diesem Zusammenhang auf eine Umfrage im Rahmen der VCI-Fachveranstaltung „Brexit und REACH“. Die Unternehmensvertreter bestätigten dabei mit großer Mehrheit, dass ihre Geschäfte von einem unkontrollierten Brexit beeinträchtigt würden. 92 Prozent gaben an, dass Übergangsregelungen für das Chemikalienrecht nötig seien. Die Branche bereitet sich deshalb auf den Austritt Großbritanniens aus der EU vor: Fast alle Unternehmen, so die Umfrage, haben bereits Maßnahmen ergriffen oder planen aktuell Maßnahmen, um ihre Lieferketten für den Fall eines unkontrollierten Brexit abzusichern. Dass die Möglichkeiten hier aber begrenzt sind, zeigen die Antworten auf eine andere Frage: 78 Prozent der Unternehmensvertreter befürchten dennoch Nachteile für ihre Kunden.

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Die Umfrage hat auch gezeigt, dass für die große Mehrheit (77 Prozent) der anwesenden Unternehmensvertreter die Einheit Europas entscheidend ist. Nur knapp ein Viertel der Umfrage-Teilnehmer würde ein Verhandlungsergebnis akzeptieren, bei dem sich die Briten Rosinen aus dem Kuchen picken.

Chemie hofft auf Verhandlungslösung

Der VCI-Hauptgeschäftsführer hofft aber, dass sich EU und Großbritannien noch rechtzeitig auf ein Verhandlungsergebnis einigen. Tillmann: „Für die chemisch-pharmazeutische Industrie und unsere Kundenbranchen ist eine Einbindung Großbritanniens in die EU-Chemikalienbehörde ECHA auch nach dem Brexit enorm wichtig. Eine entsprechende Regelung sollte bereits in die Leitlinien über das zukünftige Verhältnis aufgenommen werden.“
Tillmann fordert aber auch Vorkehrungen für einen unkontrollierten Brexit. Übergangsregeln oder zumindest Back-up-Maßnahmen für das Chemikalienrecht seien unverzichtbar. Die Politik sei daher aufgefordert, mit entsprechenden Regelungen die schlimmsten Auswirkungen zu verhindern.

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