Neuer Eigentümer

Annina Schopen,

Domo-Chemiewerk in Leuna gerettet

Das Chemiewerk Domo Caproleuna in Leuna wird nicht stillgelegt. Eine von InfraLeuna und Leuna-Harze gegründete Auffanggesellschaft hat den Standort übernommen und damit 436 Arbeitsplätze gesichert. Zugleich hat das zuständige Gericht das Insolvenzverfahren über die drei deutschen Unternehmen von Domo Chemicals eröffnet.

Domo-Standort in Leuna © Domo

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, war alles andere als selbstverständlich. Nach dem Scheitern von Finanzierungsgesprächen über Weihnachten hatten die drei deutschen Domo-Tochtergesellschaften am 25. Dezember Insolvenzantrag gestellt. Ohne laufende Mittel wäre eine Stilllegung des Werks eigentlich schon im Januar fällig gewesen – doch bei winterlichen Temperaturen lassen sich die Produktionsanlagen nicht ohne erhebliche Umweltrisiken sicher herunterfahren. Das Land Sachsen-Anhalt griff daher per Ersatzvornahme ein und ordnete einen reduzierten Notbetrieb bis Ende März an. Diese Atempause ermöglichte letztlich die nun gefundene Investorenlösung.

Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther, der den Geschäftsbetrieb seit Ende Dezember geführt hatte, sprach von einer „Rettung in letzter Minute in einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Verfahren". Sein besonderer Dank galt den Beschäftigten, die die Anlagen während der gesamten Krisenphase professionell und sicher am Laufen hielten. „Dass in dieser außergewöhnlichen Konstellation nicht nur ein Investor gefunden werden, sondern der Betrieb auch pünktlich zum Stichtag inklusive aller erforderlichen Zustimmungen und Betriebsgenehmigungen übergeben werden konnte, war nur durch einen Kraftakt aller Beteiligten möglich“, so der Insolvenzverwalter. „Ganz entscheidend war bei alledem, dass die Beschäftigten hochgradig professionell mit dieser schwierigen Situation umgegangen sind und die Anlagen jederzeit sicher am Laufen gehalten haben. Das verdient größten Respekt. Umso mehr freut mich, dass sich der Einsatz gelohnt hat und der Standort sowie ein Großteil der Arbeitsplätze gerettet werden konnte.“

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Zum 1. April ging der Betrieb offiziell auf den Erwerber über, der künftig unter dem Namen Leuna-Polyamid GmbH firmiert. Dieser finanziert ab sofort vollumfänglich den Geschäftsbetrieb, so dass das Land die Unterstützung einstellen und die Ersatzvornahme wie geplant aufheben konnte. Von den zuletzt rund 500 Beschäftigten übernimmt die neue Eigentümergesellschaft 436. Der Stellenabbau erfolgte teilweise über Eigenkündigungen und auslaufende Befristungen, 39 Mitarbeitenden wurde betriebsbedingt gekündigt. Mit dem Betriebsrat wurde ein Interessenausgleich inklusive Sozialplan vereinbart.

Domo Caproleuna stellt organische Basisprodukte (wie Caprolactam, Phenol, Aceton) und Polyamid 6 als Hauptprodukt her, auch bekannt als Nylon 6. Polyamid 6 ist ein vielseitiger technischer Kunststoff, der sich durch hohe Festigkeit, gute Zähigkeit und eine sehr gute Verarbeitbarkeit auszeichnet. Er wird u.a. in der Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikbranche sowie bei hochwertigen Konsumgütern für leichte, langlebige und leistungsfähige Bauteile eingesetzt.

Bei Domo Engineering Plastics in Premnitz werden Polyamid 6-Kunststoffe veredelt. Das Unternehmen fertigt Compounds, d.h. technische Kunststoffe, bei denen Polyamid 6 gezielt mit Zusatzstoffen oder Additiven kombiniert wird. Dadurch lassen sich Eigenschaften wie Festigkeit, Hitzebeständigkeit, Steifigkeit oder Schlagzähigkeit präzise einstellen. Solche Compounds werden vor allem in der Automobil-, Elektro- und Konsumgüterindustrie eingesetzt.

Domo Chemicals in Leuna verfügt über keinen operativen Geschäftsbetrieb. Dort sind die administrativen Funktionen der drei deutschen Unternehmen gebündelt. Das Unternehmen beschäftigt rund 35 Mitarbeiter:innen Die Gesellschaft wird nach einer Übergangsphase im April die Stilllegung einleiten müssen.

Quelle: Domo Chemicals

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