Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen

Dorothee Dormann erhält Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2019

Die Biochemikerin Dorothee Dormann wird für ihre Arbeiten zu den Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2019 ausgezeichnet.

Dr. Dorothee Dormann © Magdalena Jooss, München

Dr. Dorothee Dormann vom Biomedizinischen Centrum der Ludwig-Maximilians-Universität München erhält den mit 60 000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2019 in der Frankfurter Paulskirche. Die Biochemikerin wird für ihre grundlegenden Arbeiten zur Entstehung der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) und der Frontotemporaler Demenz (FTD) ausgezeichnet.

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis wird seit 2006 verliehen und ehrt herausragende Leistungen in der biomedizinischen Forschung. Dr. Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg und Vorsitzender des Stiftungsrats wird die Auszeichnung am 14. März 2019 in der Paulskirche überreichen. 

Bei der ALS sterben motorische Nervenzellen ab, so dass mehr und mehr Muskeln versagen, schließlich auch die Atemmuskulatur. Bei der FTD gehen die Nervenzellen im Stirnhirn zugrunde, was zu einer massiven Veränderung der Persönlichkeit führt. „Dorothee Dormann hat gezeigt, dass diese völlig verschiedenen Erkrankungen markante Gemeinsamkeiten bei der Krankheitsentstehung haben“, schreibt der Stiftungsrat in seiner Begründung. „Wegweisend waren dabei Patienten, die aufgrund erblich bedingter Veränderungen erkrankten. Die Untersuchung dieser Mutationen hat Dormann geholfen, Aspekte der Krankheitsentstehung zu entschlüsseln und mögliche Zielmoleküle für die Therapie zu identifizieren“, so der Stiftungsrat weiter.

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Gestörter Protein-Transport bei FUS und TDP-43

ALS und FTD sind komplexe Erkrankungen mit fatalen Folgen. Dormann hat sich schon früh für die krankheitstypischen Ablagerungen im Gehirn der Patienten interessiert. Diese enthalten zwei Proteine mit Namen FUS und TDP-43. Beide sind normalerweise im Zellkern aktiv und helfen dort, die Erbinformation korrekt abzulesen. Dormann konnte zeigen, dass das FUS-Protein bei ALS und FTD aus dem Zellkern ausgesperrt wird und zwar aus unterschiedlichen Gründen: Bei ALS-Patienten erhält das FUS-Protein aufgrund von Genmutationen und einer defekten molekularen Adresse keinen Zutritt mehr. Der zelluläre Transporter erkennt nicht mehr, dass es in den Zellkern gehört. Bei FTD-Patienten fehlen spezielle chemische Veränderungen am FUS-Protein, sogenannte Methylgruppen. Der Transporter lässt das Protein nicht mehr los und hievt es nicht ordnungsgemäß in den Zellkern. Am Ende sammelt sich FUS im Zytoplasma an und wird in spezielle Strukturen hineingezogen, sobald die Zelle unter Stress gerät. 

Das FUS-Protein bildet in diesen Strukturen, den sogenannten Stress-Granula, distinkte Tröpfchen – wie Öl in Wasser. Dormann hat für das FUS-Protein nachgewiesen, dass diese Tröpfchen bei Patienten mit ALS und FTD nicht mehr aufgelöst werden, sondern sich nach und nach verfestigen, bis dass am Ende stabile Ablagerungen entstanden sind. Die Nachwuchspreisträgerin versucht, die molekularen Details dieses Prozesses zu entschlüsseln, um möglicherweise etwas dagegen tun zu können. Sie geht zudem der Frage nach, ob ähnliche Mechanismen auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle spielen, etwa bei der Alzheimer Demenz oder Morbus Parkinson. Störungen im Kerntransport und die anschließende Bildung von Tröpfchen in den Stress-Granula könnten ein grundlegender pathologischer Mechanismus und damit Ziel einer generellen Therapie bei neurodegenerativen Erkrankungen sein.

Kurzbiographie Dr. Dorothee Dormann:

Dorothee Dormann (42) studierte Biochemie in Tübingen und an der Universität North Carolina in Chapel Hill und promovierte an der Rockefeller Universität in New York. 2007 kam sie als Postdoktorandin an die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Seit 2014 leitet sie eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe am Biomedizinischen Centrum der LMU. Seit 2018 ist sie an der Koordination des DFG-Schwerpunktprogramms „Molekulare Mechanismen funktioneller Phasenseparation“ beteiligt. Die Nachwuchspreisträgerin ist bereits vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Heinz Maier-Leibnitz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Dieser gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland. Das Wirtschaftmagazin „Capital“ wählte Dormann 2014 unter die „Top 40 unter 40“ in der Rubrik „Junge Elite“. 

Quelle: Uni Frankfurt

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