Exzellenz – und was sie bewirkt

Melanie Steinbeck,

Zehn Exzellenzuniversitäten werden weitergefördert

Zehn deutsche Universitäten bleiben Exzellenzuniversitäten. Sieben Jahre länger. Eine fällt heraus. Und der Wettbewerb um die nächsten Plätze läuft bereits.

Zehn Exzellenzuniversitäten werden bis 2033 weiter gefördert. © WR

Deutschlands Exzellenzstrategie geht in die nächste Runde. Zehn der derzeit elf geförderten Standorte haben die Evaluation bestanden und werden ab dem 1. Januar 2027 für weitere sieben Jahre gefördert. Es sind die RWTH Aachen, die Universität Bonn, die Berlin University Alliance (ein Verbund aus Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin und Technische Universität Berlin), die Technische Universität Dresden, die Universität Hamburg, die Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München sowie die Universität Tübingen.

Nicht mehr dabei ist die Universität Konstanz. Sie erreicht die erforderliche Mindestzahl an Exzellenzclustern nicht mehr, was eine Voraussetzung für die dauerhafte Förderung ist.

Die Entscheidung basiert auf der Bewertung eines international besetzten Committee of Experts und wurde anschließend einstimmig von der Exzellenzkommission bestätigt. In diesem Gremium sitzen neben den internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch die Wissenschaftsministerinnen und -minister von Bund und Ländern.

Bekannt gegeben wurden die Ergebnisse im Anschluss an die Sitzung per Livestream, durch den Vorsitzenden des Wissenschaftsrat, Wolfgang Wick, die Präsidentin der Deutsche Forschungsgemeinschaft, Katja Becker, die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, sowie Falko Mohrs, stellvertretender Vorsitzender der Gemeinsame Wissenschaftskonferenz und Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur.

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Sie würdigten das Engagement der Universitäten, die ihre im Rahmen der Förderung gesetzten Ziele erreicht und ihre Einrichtungen strategisch weiterentwickelt hätten. Zugleich unterstrichen sie die Bedeutung der wissenschaftlichen Begutachtung durch das Committee of Experts als Grundlage der Entscheidung.

Was die Förderung verändert hat

Das internationale Gutachtergremium hebt vor allem hervor, was sich an den Universitäten selbst verändert hat.

Die Standorte hatten ihre Ergebnisse in ausführlichen Selbstberichten dokumentiert. Bei Ortsbesuchen zwischen September und Dezember 2025 verschafften sich die Gutachtenden ein Bild vor Ort. Dabei wurde sichtbar, dass die Förderung weit mehr war als eine zusätzliche Finanzquelle.

Die gesamtuniversitäre Exzellenzförderung sei von den Einrichtungen gezielt als Hebel für institutionellen Wandel genutzt worden. Strategische Prioritäten wurden neu gesetzt, Ressourcen neu gebündelt. In vielen Fällen seien die gesetzten Ziele nicht nur erreicht, sondern übertroffen worden.

Das zeigt sich messbar:

  • größere internationale Sichtbarkeit,
  • erfolgreiche Rekrutierung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem globalen Talentpool,
  • mehr renommierte internationale Fördermittel,
  • stärkere nationale und internationale Partnerschaften.

Nach Einschätzung des Committee of Experts profitieren davon nicht nur die einzelnen Standorte. Auch das deutsche Wissenschaftssystem insgesamt könne aus diesen Erfahrungen lernen.

Die Exzellenzuniversitäten dienen damit gewissermaßen als Reallabor für institutionelle Entwicklung. Dort lässt sich beobachten, welche Bedingungen nötig sind, damit wissenschaftliche Organisationen sich nachhaltig erneuern.

Neue Formen der Zusammenarbeit

Ein besonders häufig genannter Punkt ist die Interdisziplinarität.

Viele der geförderten Universitäten haben ihre Forschung stärker fachübergreifend organisiert. Gleichzeitig wurden junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stärker eingebunden. Sie übernehmen früh Verantwortung, bringen neue Ideen ein und stärken so die Innovationsfähigkeit der Institutionen.

Begleitet wird diese Entwicklung von neuen Governance-Strukturen. Entscheidungsprozesse sind partizipativer geworden, Strategien werden breiter abgestimmt. Dadurch lassen sich Veränderungen nicht nur beschließen, sondern auch institutionell verankern.

Mehr Fokus auf Diversität und Transfer

Auch gesellschaftliche Fragen spielen inzwischen eine größere Rolle.

Die Förderung habe dazu beigetragen, Themen wie Chancengleichheit und Diversität stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Ebenso sei der Wissenstransfer aus der Forschung heraus intensiviert worden.

Darüber hinaus betonen die Gutachtenden die Rolle der Exzellenzuniversitäten bei der Bearbeitung gesellschaftlicher Herausforderungen. Dazu gehört etwa der Ausbau von Kompetenzen im Bereich Forschungssicherheit oder verantwortungsbewusster Innovationen.

Empfehlungen für die nächste Phase

Ganz ohne Hinweise für Verbesserungen kommt die Evaluation nicht aus.

Das Committee of Experts empfiehlt unter anderem, Monitoring und strategische Planung enger miteinander zu verbinden. Ziel ist eine datenbasierte Weiterentwicklung der Maßnahmen.

Zudem sollten Universitäten ihre Strategien für Diversität und Chancengerechtigkeit noch stärker an den Bedürfnissen verschiedener Personengruppen orientieren. Auch die Verzahnung von forschungsorientierter und praxisnaher Lehre soll weiter ausgebaut werden.

Und: Gerade in technologienahen Bereichen müsse die Vermittlung ethischer Kompetenzen systematischer erfolgen.

Dennoch zeigt sich das Gremium überzeugt, dass die geförderten Standorte die kommenden Jahre nutzen werden, um ihre strategischen Ziele konsequent weiterzuverfolgen. Regelmäßige Evaluationen sorgen dabei für einen Rahmen, der zugleich Planungssicherheit und Qualitätskontrolle bietet.

Ein Blick auf das System dahinter

Die Exzellenzstrategie selbst ist langfristig angelegt.

In der ersten Wettbewerbsrunde 2019 wurden zehn Einzeluniversitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzuniversitäten ausgewählt. Voraussetzung für die Weiterförderung ist neben einer positiven Evaluation der Nachweis von mindestens zwei Exzellenzclustern – im Fall von Verbünden sogar drei.

Im Mai 2025 hatte die Exzellenzkommission bereits 70 Exzellenzcluster für eine Förderung ab 2026 ausgewählt. Damit war klar: Zehn der elf bisherigen Standorte erfüllen weiterhin die strukturellen Voraussetzungen.

Für die Evaluation reichten die Universitäten im Sommer 2025 Selbstberichte ein. Darin beschrieben sie, welche Ziele sie erreicht haben und welche Wirkungen darüber hinaus entstanden sind. Anschließend folgten Ortsbesuche internationaler Gutachtendengruppen.

Mehr Geld – und neue Bewerber

Für den Förderzeitraum 2027 bis 2033 könnte die Zahl der Exzellenzuniversitäten sogar wachsen.

Neben den zehn bestätigten Standorten können bis zu fünf weitere Universitäten oder Verbünde neu aufgenommen werden. Insgesamt lagen dem Wissenschaftsrat zum Stichtag im November 2025 elf Anträge vor – sieben von Einzeluniversitäten und vier von Universitätsverbünden.

In der ersten Förderphase standen jährlich rund 148 Millionen Euro für elf Exzellenzuniversitäten zur Verfügung. Für die kommende Phase sollen zusätzlich bis zu 60 Millionen Euro bereitgestellt werden.

Die jährlichen Fördersummen liegen, abhängig vom Antrag, zwischen 10 und 15 Millionen Euro für Einzeluniversitäten und zwischen 15 und 28 Millionen Euro für Universitätsverbünde.

Zwischen April und Juni 2026 folgen die nächsten Ortsbesuche der internationalen Gutachtendengruppen. Am 2. Oktober 2026 entscheidet die Exzellenzkommission über die neuen Exzellenzuniversitäten.

Der Start der nächsten Förderphase: 1. Januar 2027.

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