Diese Seite empfehlen:
An (E-Mail Adresse des Empfängers)
Ihr Name (Optional)
Von (Ihre E-Mail Adresse)
Nachricht (Optional)
Datenschutz-Hinweis: Die Mailadressen werden von uns weder gespeichert noch an Dritte weitergegeben. Sie werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet.

Forschung für technologische Souveränität

Melanie Steinbeck,

Fraunhofer IOSB entwickelt Alternativen zu importabhängigen Lasermaterialien

Von der industriellen Fertigung über die Medizin bis hin zur Quantentechnologie und Kernfusion – Laser sind unverzichtbare Werkzeuge in zahlreichen Schlüsselanwendungen. Doch die dafür benötigten Materialien, insbesondere seltene Erden und Kristalle aus Drittländern, werden zunehmend schwerer verfügbar. Politische Spannungen, Exportbeschränkungen und Handelskonflikte bedrohen nicht nur die Lieferketten, sondern auch die technologische Unabhängigkeit Deutschlands. Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB setzt daher gezielt auf Forschung in der Kristallzüchtung, -verarbeitung sowie der Entwicklung maßgeschneiderter Glasfasern. Seine neuesten Entwicklungen präsentiert das Institut vom 24. bis 27. Juni auf der Messe Laser World of Photonics in München (Halle A2, Stand 415).

Verschiedene oxidische Laserkristalle mit unterschiedlichen aktiven Dotierungen (Seltene Erden und Übergangsmetalle). © Fraunhofer IOSB/indigo

Lasertechnologie unter Druck

Die zunehmenden Handelskonflikte – wie zuletzt die Exportrestriktionen Chinas im April – haben gezeigt, wie stark die deutsche Laserindustrie von seltenen Rohstoffen abhängig ist. Diese werden unter anderem für Laserkristalle und aktive Laserfasern als Verstärkermedium benötigt. Ohne sie lässt sich Laserstrahlung nicht erzeugen. Es geht also um Materialien, die zwar nur einige hundert Euro kosten, aber über Systeme im Wert von hunderttausenden Euro entscheiden.

„Es ist nicht nur für die Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit der deutschen und europäischen Volkswirtschaften, sondern auch für unsere Sicherheit entscheidend, die Verfügbarkeit adäquater Laserkristalle und Fasern zu gewährleisten und die Prozesse ihrer Verarbeitung selbst in der Hand zu haben“, betont Prof. Dr. Marc Eichhorn, Direktor des Fraunhofer IOSB an den Standorten Ettlingen und Oberkochen.

Anzeige
Achteckige Faserpreform, Glastropfen vom Beginn des Faserziehprozesses und aktive Laserfaser auf Trägerrolle. © Fraunhofer IOSB/indigo

Am Fraunhofer IOSB forscht die Abteilung Lasertechnologie unter Leitung von Dr. Christelle Kieleck an neuen Laserquellen, verbesserten Kristallen und faseroptischen Komponenten. Der Forschungsansatz deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Simulation und dem Design neuer Materialien über die Züchtung bis hin zur Entwicklung von Demonstratoren.

Züchtung und Verarbeitung von Laser- und nichtlinearen Kristallen

Als Herzstück eines jeden Lasers verstärken Laserkristalle das Licht, indem sie optische Energie in höheren Energieniveaus speichern und – entsprechend ihrer Dotierung etwa mit bestimmten Seltenen Erden – in definierten Wellenlängen als Laserstrahlung freisetzen. Wenn für bestimmte Wellenlängen keine Laserkristalle verfügbar sind, ist eine Konversion mittels nichtlinearer optischer Materialien (NLO) möglich. Durch ihre optischen Eigenschaften können diese die Wellenlängen (und somit Farben) eines Laserstrahls umwandeln – etwa halbieren, dritteln oder auch mehrere Wellenlängen mischen. Damit lässt sich das Laserlicht über einen definierten Bereich hinweg kontrolliert verändern, sodass es stärker mit Materialien wechselwirkt, besondere Moleküle nachweisen kann oder höherauflösende Mikroskopie ermöglicht. Auch Anwendungen augenschädlicher Laserstrahlung, etwa bei Entfernungsmessungen, können durch NLO in unbedenkliche Wellenlängenbereiche verlagert werden. So ermöglichen diese Quellen neue Anwendungen in Medizintechnik, Umweltanalytik oder Verteidigung.

Sowohl bei Laser- als auch NLO-Kristallen ist die Qualität der erhältlichen Kristalle bisher oft ein limitierender Faktor. Denn Kristall ist nicht gleich Kristall: „Neben der Dotierung sind die optische Qualität und Absorption sowie die Wärmeleitfähigkeit und Polarisationseigenschaften der Kristalle entscheidend für deren Leistungsfähigkeit", so Prof. Marc Eichhorn. So kann es bei höherer Leistung zu Temperaturunterschieden innerhalb des Kristalls kommen – mit negativen Effekten auf Effizienz und Strahlqualität. Deshalb ist die Züchtung und Verarbeitung von Laserkristallen im wahrsten Sinne des Wortes eine Wissenschaft für sich. „Es ist sehr viel spezielles Know-how nötig. Zahlreiche Prozesse sind nicht automatisierbar", ergänzt Dr. Christelle Kieleck. „Rohkristalle müssen geschnitten, geschliffen, poliert, beschichtet oder mikrostrukturiert werden. Diese spezielle Verarbeitung entscheidet über Effizienz und Belastbarkeit. Deshalb müssen wir dieses Prozesswissen erhalten und ausbauen, um die Weiterentwicklung der Technologie nicht aus der Hand zu geben."

Die Forschenden simulieren zunächst die Zusammensetzung der Kristalle, etwa mit abgestuften Dotierungsgraden und variierten Züchtungsbedingungen, um ihre Eigenschaften zu verbessern. In speziellen Öfen werden sie anschließend gezüchtet und mithilfe von Röntgenbeugung untersucht. Hohe Drücke und Sicherheitsanforderungen machen die Herstellung komplex. Im Labor werden anschließend die optischen Bauteile aus den Kristallen gesägt, mit spezifischen Verfahren weiterbearbeitet und poliert. Ein Ziel ist dabei, durch bestimmte Verfahren die sogenannte Zerstörschwelle zu erhöhen, also die Robustheit des Kristalls bei Belastung durch die Laserstrahlung. Dazu haben die Forschenden des Fraunhofer IOSB einen neuen Teststand realisiert, der optische Zerstörschwellen mit neuesten Messtechniken ermittelt. Schließlich werden die Quellen in Laseraufbauten getestet, die wiederum je nach Kristallgüte und -geometrie optimiert werden.

Glasfaserforschung für maßgeschneiderte optische Fasern

Neben Kristallen und NLO-Materialien entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch aktive Laserfasern und neue Faserkomponenten für spezifische Anwendungen – von der Materialbearbeitung bis hin zur Laserchirurgie. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem kurzwelligen und mittleren Infrarotspektrum. Um Laserstrahlung in Faserlasern zu erzeugen, bei denen der dotierte Kern einer Glasfaser das aktive Medium ist, erforschen sie derzeit vor allem Seltenerd-dotierte Quarzglasfasern und fluoridische Laserfasern. „An unserem neuen Standort in Oberkochen werden wir maßgeschneiderte und robuste Hochleistungsfasern für Laser mit geringem Volumen, Gewicht und Energiebedarf hausintern fertigen", freut sich Christelle Kieleck.

Quelle: Fraunhofer IOSB

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Projekt

Praxistests zur Laborlüftung

Siemens hat die Ergebnisse einer umfassenden unabhängigen Studie zur Laborlüftung im Bereich Life Sciences vorgestellt. Die Studie vergleicht Laborlüftungssysteme unter kontrollierten, realen Bedingungen. 

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren