Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Wirtschaft + Wissenschaft> Archiv> Frontiers of Knowledge Award

Für Wegbereiter der ElektronenmikroskopieFrontiers of Knowledge Award

Für Wegbereiter der Elektronenmikroskopie: Frontiers of Knowledge Award

Prof. Maximilian Haider von der CEOS GmbH, Heidelberg, Prof. Harald Rose, Seniorprofessor an der Universität Ulm, und Prof. Knut Urban vom Forschungszentrum Jülich erhalten den diesjährigen "Frontiers of Knowledge Award" der BBVA-Stiftung in der Kategorie Grundlagenforschung. Der Preis der Stiftung des spanischen Finanzkonzerns "Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA" würdigt die von den drei Wissenschaftlern maßgeblich entwickelte neue Generation von aberrationskorrigierten Elektronenmikroskopen. Sie ermöglichen es erstmals, atomare Strukturen bis hin zu Lageverschiebungen im Pikometer-Bereich (ein Pikometer entspricht einem milliardstel Millimeter) abzubilden und revolutionierten damit die Materialwissenschaften. Die Auszeichnung ist mit 400000 Euro dotiert.

sep
sep
sep
sep

Die drei Physiker schlossen sich Anfang der 1990er Jahre zusammen mit dem Ziel, die seit der Erfindung der Elektronenmikroskopie bekannten Bildfehler elektronenoptischer Linsen zu korrigieren. Im Rahmen eines von der Volkswagen-Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projektes entwickelten sie einen Korrektor mit einer ähnlich kompensierenden Wirkung wie die Zerstreuungslinse in einem Lichtmikroskop und stellten 1997 den Prototypen eines fehlerkorrigierten Elektronenmikroskops fertig.

Anzeige

Wichtigstes Element des Korrektors, den Maximilian Haider auf der Grundlage eines von Harald Rose vorgeschlagenen Konzepts gebaut hat, sind sich überlagernde magnetische, später auch elektrostatische Multipole. Die mikroskopischen Bilder sind allerdings nicht ohne weiteres direkt deutbar. Sie zeigen die atomaren Strukturen nicht direkt und sind stark beeinflusst durch die Gesetze der Quantenphysik. Erst aufwändige, von Knut Urban und seinen Kollegen am Forschungszentrum Jülich entwickelte computergestützte quantenphysikalische Verfahren der Bildberechnung und -interpretation ermöglichte den Blick in die atomare Welt.

Der Prototyp des fehlerkorrigierten Elektronenmikroskops wurde zum Stammvater einer neuen Generation von kommerziellen Geräten, die ab 2004 auf den Markt kam. Heute produzieren alle großen Elektronenoptikunternehmen der Welt Mikroskope auf der Basis der neuen Elektronenoptik, die von CEOS geliefert bzw. in Lizenz gefertigt wird. Die Geräte sind ein Schlüsselinstrument in vielen Gebieten der modernen Wissenschaft und Technik. Die kurze Wellenlänge der Elektronenstrahlen erlaubt Auflösungen, die über zehntausend Mal größer sind als in Lichtmikroskopen. So ermöglicht es die Elektronenmikroskopie, die Funktion von Materialien und Bauelementen auf atomarer Ebene zu verstehen. Mit ihrer Hilfe gewinnen Forscher grundlegende Erkenntnisse über den Aufbau neuartiger Materialien für bessere Datenspeicher und Prozessoren, die Eigenschaften von Höchstleistungswerkstoffen für Brennstoffzellen, Batterien oder Solarzellen, aber auch über die Funktion biologischer Makromoleküle oder die Identifikation von Viren.

Die BBVA-Stiftung hat ihren Sitz in Bilbao. Seit 2008 vergibt sie in Partnerschaft mit dem Spanischen Forschungsrat (CSIC) den "Frontiers of Knowledge Award" in acht Kategorien, darunter auch in Biomedizin, Umweltforschung, Sozialwissenschaften und zeitgenössischer Musik. Die Preisgelder belaufen sich insgesamt auf 3,2 Mio. Euro.

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Mikroskop alpha300 Ri von Witec

Analytica 2018 – Halle A2, Stand 402Witec präsentiert neues invertiertes konfokales Raman-Mikroskop

Die innovative und leistungsstarke 3D-Raman-Imaging-Technologie von Witec ist jetzt in dem invertierten Mikroskop alpha300 Ri erhältlich.

…mehr
Mikroskopaufnahme von Staphylococcus aureus

BiohysikBeharrliche Winzlinge: Wie krankmachende Bakterien mit Proteinen an den Zielmolekülen ihres Wirtes "kleben"

LMU-Forscher haben den physikalischen Mechanismus entschlüsselt, mit dem sich ein weit verbreiteter Krankheitserreger an sein Zielmolekül im menschlichen Körper bindet. Damit legt die Studie Grundlagen z.B. für die Entwicklung neuartiger Therapien bei Infektionen mit Staphylokokken. 

…mehr
Mikroskopische Aufnahme einer Zelle mit Mitochondrien, Tubulin und Aktin

Wissenschaftliche MikroskopieNachweisgrenze der konfokalen Bildgebung neu definiert

Leica Microsystems stellt mit Lightning ein neues Detektionskonzept für die wissenschaftliche Bildgebung vor. Das TCS SP8 mit neuem "Lightning" extrahiert die maximale Informationen aus jeder Probe.

…mehr
atomaren Beugungsbilder

Sichtbare ElektronenbewegungGeschehnisse im Atom in Echtzeit beobachten

LMU-Physiker haben eine Art Elektronenmikroskop entwickelt, das die Ausbreitung von Licht durch Raum und Zeit sowie die dadurch ausgelösten Bewegungen von Elektronen in Atomen sichtbar macht.

…mehr
Darmkrebszellen

MultiphotonenmikroskopieTiefe Einsichten ins Leben

Das Multiphotonenmikroskop SP8 DIVE (Deep In Vivo Explorer) enthält einige Neuentwicklungen für nichtlineare Mikroskopie, mit denen insbesondere die spektrale Auswahl bei Mehrfach-Färbungen wesentlich einfacher und effizienter gelingt.

…mehr
Anzeige

Mediadaten 2018

LABO Einkaufsführer

Produktkataloge bei LABO

Produktkataloge zum Blättern


Hier finden Sie aktuelle Blätter-Kataloge von Herstellern aus der Branche. Einfach durchblättern oder gezielt nach Stichwort suchen!

Anzeige

LABO Web-Guide 2016 als E-Paper

LABO Web-Guide 2016

Web-Guide 2016


- Stichwortregister

- Firmenscreenshots

-Interessante Webadressen aus dem Labor

Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

LABO bei Facebook und Twitter