Aktueller Stand

Unglück bei BASF

Am Montag, 17. Oktober 2016, kam es im Landeshafen Nord bei BASF in Ludwigshafen infolge eines Brandes zu einer Explosion. „Wir trauern um unsere beiden Kollegen von der Feuerwehr und um den Matrosen, die ums Leben gekommen sind. Unsere tiefe Anteilnahme gilt den Familien und Angehörigen der Verstorbenen. Mehrere Personen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Unsere Gedanken sind bei ihnen und ihren Familien und Freunden. Wir hoffen, dass sie auf dem Wege der Besserung sind“, sagte Dr. Kurt Bock, Vorstandsvorsitzender der BASF bei einer Pressekonferenz in Ludwigshafen.

Folgende Informationen liegen derzeit zu dem Unglück vor:

Opfer

Bei dem Unfall starben zwei Mitarbeiter der BASF-Werkfeuerwehr und ein Mitarbeiter eines Tankschiffs, das im Hafen vertäut war. Acht Personen wurden schwerverletzt, 22 weitere leicht. Einer der Schwerverletzten konnte inzwischen das Krankenhaus verlassen.

Unfallhergang

Der Unfallhergang wird weiterhin durch die Staatsanwaltschaft Frankenthal untersucht. Die Unfallstelle ist nach wie vor beschlagnahmt. Mehrere Tage vor dem Unglück hat eine Spezialfirma für Rohrleitungsbau planmäßig mit Reparaturarbeiten an einer entleerten und gesicherten Propylenleitung begonnen. Ziel war der Austausch mehrerer Rohrleitungsteilstücke als Maßnahme zur vorbeugenden Instandhaltung. Am 17. Oktober kam es gegen 11:30 Uhr zu einem Brand in unmittelbarer Nähe der Reparaturarbeiten. Werkfeuerwehr, Rettungsdienst und Umweltschutz trafen bereits wenige Minuten später ein und begannen umgehend mit Einsatzmaßnahmen.

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Noch währenddessen kam es zu einer Explosion, mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Ethylen-Ferngasleitung. Die Explosion löste Folgebrände an mehreren Stellen des Rohrleitungsgrabens aus, wodurch weitere Produkt- und Versorgungsleitungen beschädigt wurden. Weitere Einsatzkräfte begannen umgehend mit Rettungsmaßnahmen sowie Lösch- und Kühlmaßnahmen. „Die Einsatzkräfte haben in einer Extremsituation gearbeitet. Ihre Leistung kann man kaum in Worte fassen“, sagt Margret Suckale, Mitglied des Vorstands und Standortleiterin Ludwigshafen.

Entsprechend des Brandbekämpfungskonzepts für Druckgase ließen die Einsatzkräfte die ausgetretenen Produkte gezielt abbrennen. Dabei handelte es sich um Ethylen, Propylen, ein Buten-Produktgemisch (Raffinat), Pyrolysebenzin und Ethylhexanol. Gegen 21:30 Uhr am 17. Oktober war das Feuer gelöscht.

Umweltauswirkungen

Nach Beginn des Brandes erfolgten im Umfeld der Unfallstelle, am Werkszaun sowie in der Umgebung des Werks in Ludwigshafen und Mannheim flächendeckende Luftmessungen. Diese ergaben keine auffälligen Messwerte schädlicher Substanzen, wie auch das Umweltministerium Rheinland-Pfalz und die Stadt Ludwigshafen bestätigt haben. Auch Messdaten aus Speyer, Worms und Frankenthal zeigten keine Auffälligkeiten. Im unmittelbaren Bereich der Unfallstelle wurden lokal begrenzt erhöhte Werte festgestellt. Die Ergebnisse der Luftmessungen sowie eine Übersichtskarte mit den Standorten der Messeinrichtungen hat BASF im Internet veröffentlicht. Auffällige Messwerte schädlicher Substanzen wurden ebenfalls zu keiner Zeit in Wasserproben gefunden. Eine Belastung des Bodens an der Unfallstelle ist wahrscheinlich.

Stand der Ermittlungen zur Unfallursache

Die Staatsanwaltschaft Frankenthal und das Polizeipräsidium Rheinpfalz haben am Mittwoch, 26. Oktober, Informationen zum Stand der Ermittlungen bekanntgegeben: „Im Rahmen intensiver Ermittlungen im engeren Tatortbereich konnte ein Einschnitt an einer Rohrleitung festgestellt werden. Dieser wurde offensichtlich mit einer Trennscheibe vorgenommen. An einer benachbarten Leitung waren zu diesem Zeitpunkt Wartungsarbeiten im Gange, bei denen ein Winkelschleifer zum Einsatz kam. Die angeschnittene Rohrleitung war von diesen Arbeiten ausgenommen. In dieser floss brennbares Raffinat.“ (Auszug aus der Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Frankenthal und des Polizeipräsidiums Rheinpfalz)

Nach heutiger, vorläufiger Einschätzung ist folgende Ursachenkette möglich: Die angeschnittene Leitung enthielt ein Buten-Gemisch. BASF hält es für möglich, dass dieses Buten-Gemisch austrat und sich an von der Trennscheibe erzeugten Funken entzündete. Hierdurch könnte der Brand entstanden sein, der in der Folge die beschriebene Explosion auslöste. BASF unterstützt die zuständigen Behörden weiterhin bei der Aufklärung des Unfallhergangs.

Sicherheit am Standort Ludwigshafen

Sicherheit hat bei BASF, am Standort Ludwigshafen und weltweit, oberste Priorität. Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheit sind Teil der Unternehmenswerte und Ziele. Sowohl beim Betrieb bestehender Anlagen als auch bei der Planung und dem Bau neuer Anlagen handelt BASF stets verantwortungsvoll und gibt Sicherheit immer Vorrang. In den vergangenen zehn Jahren wurde in jedem Jahr deutlich mehr in den Standort Ludwigshafen investiert als abgeschrieben wurde. Dadurch hat das Unternehmen mehr als ein Drittel des Anlagevermögens am Standort erneuert und das Werk sicherer und zukunftsfähiger gemacht. Zusätzlich wurden jährlich steigend insgesamt etwa 10 Mrd. Euro in die Instandhaltung investiert.

Die Anlagen am Standort sind in einem zuverlässigen Zustand. Dies wird durch Inspektionen der verschiedenen zuständigen Behörden sowie durch interne Audits bestätigt. Pro Jahr finden in Ludwigshafen mehr als 300 Vor-Ort-Termine mit den Überwachungsbehörden statt, darunter rund 160 angekündigte und unangekündigte Inspektionen. Der Landeshafen Nord, und mit ihm die beschädigten Rohrleitungen, wurden zuletzt turnusmäßig im September 2012 inspiziert. Dabei gab es keine Beanstandung technischer oder organisatorischer Art.

Wirtschaftliche Auswirkung und nächste Schritte

Aufgrund des Brands wurde unter anderem die Rohstoffversorgung der Steamcracker am Standort unterbrochen; auch weitere Verbundbetriebe wurden abgestellt oder auf Teillast reduziert – insbesondere Verbundbetriebe der Ethylen- und Propylenwertschöpfungsketten. Einige Abnehmerbetriebe konnten durch die Nutzung von Vorräten den Betrieb aufrechterhalten. Inzwischen sind bereits viele Anlagen, wie zum Beispiel einer der Steamcracker, wieder in Betrieb gegangen. In den kommenden Wochen werden die übrigen Anlagen schrittweise wieder angefahren. BASF trifft verschiedene Maßnahmen, um den Einfluss auf Kundenlieferungen so gering wie möglich zu halten. Das Unternehmen hat die betroffenen Kunden direkt informiert und steht weiterhin in engem Kontakt mit ihnen, um sie über die aktuelle Verfügbarkeit von Produkten zu informieren.

Situation Logistik

Der Landeshafen Nord ist bis auf weiteres außer Betrieb. Der Stromhafen, der Hafen auf der Friesenheimer Insel und das Tanklager sind funktionsfähig. Im Hafen auf der Friesenheimer Insel können Flüssigkeiten umgeschlagen werden, im Stromhafen Flüssigkeiten und Feststoffe. Wegen Sicherungsmaßnahmen an der Schadenstelle bleibt die Zufahrt zu Tor 15 noch geschlossen. Voraussichtlich in der kommenden Woche (KW 44) wird die Einfahrt von LKW über das Tor 15 wieder möglich sein.

Allerdings wird die Voranmeldung von LKW für einige Tage weiterhin über den Parkplatz an der Kläranlage abgewickelt. LKW werden in diesem Übergangszeitraum über mehrere Tore in das Werk einfahren. Erst danach wird die komplette Abfertigung wieder über das Tor 15 laufen. Das Kombi-Verkehrsterminal ist aktuell noch gesperrt. Die Anlage ist nicht beschädigt und die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung in der kommenden Woche (KW 44) laufen. Die Bahnanlagen sind durch den Unfall ebenfalls nicht beschädigt. Der Zugverkehr auf dem Werksgelände findet statt.

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