Biologisches Grundwissen fördern

VBIO bezieht Position zu Schulbiologie und Lehrkräftebildung

Dem Biologieunterricht kommt eine herausgehobene Bildungsverantwortung zu. Zu diesem Schluss kommt der Biologenverband VBIO, und er hat zu den Themen Schulbiologie und Lehrkräftebildung Biologie jetzt Positionspapiere erstellt.

Die Positionspapiere des VBIO e. V. richten sich an die Kultus- und Wissenschaftsministerien der Bundesländer sowie an die Hochschulen, die in der Biologielehrkräftebildung tätig sind. © Pixabay/DarkWorkX

Biowissenschaftliche Erkenntnisse liefern Grundlagen zur Beantwortung wesentlicher Zukunftsfragen für Gesundheit, Ernährung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit etc. Grundlegendes biowissenschaftliches Wissen wird so für die Gesellschaft wie für den Einzelnen immer bedeutsamer. Dabei bildet biologisch-naturwissenschaftliches Denken die Basis für rationale, wissensbasierte Entscheidungen. In diesem Kontext kommt dem Biologieunterricht eine herausgehobene Bildungsverantwortung zu. Lehrkräfte müssen daher sowohl über hohe fachwissenschaftliche als auch fachdidaktische Kompetenzen verfügen. Zu den Themen Schulbiologie und Lehrkräftebildung Biologie hat der Biologenverband VBIO nun Position bezogen.

Die Positionspapiere des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.) wurden vom Arbeitskreis Schulbiologie im VBIO erarbeitet und richten sich an die Kultus- und Wissenschaftsministerien der Bundesländer sowie an die Hochschulen, die in der Biologielehrkräftebildung tätig sind.

„Die Biologie mit ihren vielen Teildisziplinen gewinnt laufend neue Erkenntnisse, die unmittelbare Auswirkungen auf das Leben eines jeden Einzelnen, auf die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik haben. Biologische Paradigmen, Denkmuster und Erklärungsmodelle gewinnen zunehmend an Bedeutung und müssen fachdidaktisch reflektiert vermittelt werden“, so Ilka Gropengießer, Präsidiumsmitglied des VBIO und Co-Sprecherin des AK Schulbiologie im VBIO.

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Vor diesem Hintergrund kommt dem Biologieunterricht eine herausgehobene Bildungsverantwortung zu. Professionelle Anleitung zu biologisch-naturwissenschaftlichem Denken bildet die Basis für rationale, wissensbasierte Entscheidungen jenseits von Weltanschauungen und Slogans.

Gewachsene Bedeutung der Biowissenschaften hat sich nicht in Bildungsplänen niedergeschlagen

„Ein fachwissenschaftlich fundiertes Grundverständnis beugt Fake News ebenso vor wie unrealistischen Erwartungen an die Wissenschaft oder alarmistischen Befürchtungen“ erläutert Margarete Radermacher, Vizepräsidentin im VBIO.
Die gewachsene Bedeutung der Biowissenschaften hat sich bisher nicht in den Bildungsplänen und Stundentafeln niedergeschlagen. Auch in der Lehrkräftebildung sieht der VBIO Handlungsbedarf:
Es braucht Lehrkräfte, die sowohl über hohe fachwissenschaftliche als auch fachdidaktische Kompetenzen verfügen. „Ohne kompetente, gut ausgebildete Lehrkräfte wird es auch keinen angemessenen Biologieunterricht geben“, so Christian Rosar vom, Co-Sprecher des AK Schulbiologie im VBIO. „Die Positionspapiere zur Schulbiologie und zur Lehrkräftebildung stehen daher in enger Beziehung zueinander“.

Ziele eines zeitgemäßen Biologieunterrichts

Ein moderner und zukunftsorientierter Biologieunterricht muss aus Sicht des Biologenverbandes VBIO vor allem folgendes leisten:

  • Der Unterricht muss fachmethodisches und fachinhaltliches biologisches Grundwissen vermitteln (scientific literacy).

  • Er fokussiert auf grundlegende biologische Prinzipien und Konzepte sowie Kompetenzen, die einen reflektierten Umgang mit erworbenem Fachwissen, aber auch völlig neuen Erkenntnissen ermöglichen. Ziel ist dabei das Verständnis der spezifischen Denk- und Arbeitsweisen der Biologie als Naturwissenschaft sowie deren Nutzung im Zuge von Problemlösungen und der Erweiterung des eigenen Wissens.

  • Zeitgemäßer Biologieunterricht vermittelt biologisches Fachwissen unter Einbezug von Kompetenzen aus den Bereichen „Umgang mit Fachwissen“, „Erkenntnisgewinnung“, Kommunikation und „Bewertung“.

  • Biologieunterricht trägt zum Bildungsziel der Demokratiefähigkeit bei, indem er Schülerinnen und Schüler befähigt, auf der Basis gesicherter biowissenschaftlicher Erkenntnisse und unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ethischer Aspekte zu einer begründeten, eigenständigen Bewertung zu kommen. Erst dadurch ist eine aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen unter bioethischer, ökonomischer und umweltpolitischer Perspektive möglich.

Um den genannten Anforderungen gerecht werden zu können, müssen Lehrkräfte in Studium, Vorbereitungsdienst und berufsbegleitender Fortbildung entsprechende Kenntnisse und Kompetenzen erwerben und vertiefen.

Forderungen des VBIO

  • Der VBIO mahnt die kontinuierliche Weiterentwicklung der Bildungspläne der Länder unter Berücksichtigung aktueller biowissenschaftlicher Erkenntnisse an. Die Überlegungen der Positionspapiere „Schulbiologie“ und „Lehrkräftebildung“ sollten in die in Diskussion befindlichen KMK-Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife für das Fach Biologie eingehen.

  • In Hinblick auf die Stundentafel bedarf es einen hohen Anteils biologischer Themen im Sachunterricht der Primarstufe, eines durchgängigen, mindestens zweistündigen Biologieunterrichts in der Sekundarstufe I, und einer Belegverpflichtung von zwei naturwissenschaftlichen Kursen in der Oberstufe, (darunter ein mindestens dreistündiger Biologiekurs).

  • Um den biologischen Fachunterricht qualitativ und quantitativ zu gewährleisten, müssen Ausbildungskapazitäten bedarfsgerecht sichergestellt und ausreichend fachkundiges Lehrpersonal an allen Schulen zur Verfügung gestellt werden.

  • Die Struktur des Lehramtsstudiums muss bundesweit harmonisiert werden. An allen Standorten müssen gestufte akademische Abschlüsse (Bachelor/Master of Education) angeboten werden.

  • Unterrichtsrelevante Inhalte aus den für die Biologieausbildung wichtigen Bezugswissenschaften Chemie, Physik und Mathematik müssen in ausreichendem Umfang in das Biologiestudium integriert gelehrt werden.

  • Ein Bachelor-Abschluss sollte in verschiedenen biologischen Berufs- und Bildungszusammenhängen verwendbar sein und einen Wechsel vom Lehramtsstudium in ein fachwissenschaftliches Masterstudium ermöglichen (Polyvalenz).

  • Ein mindestens 18-monatiger Vorbereitungsdienst sollte bei Bedarf auch für Quereinsteiger aus einem 1-Fach-Studiengang (z.B. Master of Science, Biologie) zugänglich sein, um eine hochwertige fachliche und fachdidaktische und kompetenzorientierte Lehramtsausbildung zu gewährleisten.

  • Um mit dem rasanten Fortschritt der biowissenschaftlichen Erkenntnisse Schritt halten zu können, sind qualitativ gesicherte, systematische und verpflichtende Lehrkräftefortbildungen zu schulrelevanten Gegenständen der Fachwissenschaft und Fachdidaktik sowie des Lehrens und Lernens in einer digitalen Lernumgebung absolut essentiell (lifelong learning).

  • Ein zukunftsfähiger, auch praxisorientierter Unterricht in Biologie kann nur gelingen, wenn die finanzielle und personelle Sicherstellung der schulischen Ressourcen Priorität bekommt.

Volltext der Positionspapiere unter:
Positionspapier Schulbiologie -https://www.vbio.de/schule/schule/rahmenplan-biologie

Positionspapier Lehrkräftebildung -https://www.vbio.de/schule/schule/lehrkraeftebildung

Quelle: VBIO

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