Stabilisierung – aber kein Wachstumsschub

Barbara Schick,

VDGH zieht Jahresbilanz und wirft einen Blick auf 2025

Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) hat im April die Marktergebnisse für das Jahr 2024 vorgestellt und die Erwartungen der Branche für das laufende Jahr formuliert. Bei einem stabilen Umsatzniveau blieb die wirtschaftliche Dynamik im zurückliegenden Jahr verhalten. Die jüngste Branchenumfrage zeigt, dass die Diagnostikindustrie ein herausforderndes Jahr 2025 erwartet. Angesichts schwieriger Rahmenbedingungen fordert der VDGH-Vorstandsvorsitzende Ulrich Schmid entschlossene politische Weichenstellungen, die den Standort Deutschland stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der Medizintechnik sichern.

Geplante Forschungsinvestitionen im Jahr 2025 im Vergleich zur Vorjahresplanung. © VDGH

Der deutsche Markt für In-vitro-Diagnostika (IVD) verzeichnete im Jahr 2024 ein Umsatzvolumen von 2,37 Milliarden Euro und damit ein leichtes Wachstum von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Life-Science-Research-Markt erreichte in Deutschland einen Umsatz von 3,07 Milliarden Euro, blieb aber 0,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. "Die Märkte stabilisieren sich über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Es fehlt jedoch an Wachstumsimpulsen in beiden Branchen", so VDGH-Vorsitzender Ulrich Schmid zu dieser Entwicklung.

Die wirtschaftliche Lage wird von der Branche zunehmend zurückhaltend eingeschätzt: Nur noch gut ein Drittel der Unternehmen bewertet die eigene Situation als gut oder sehr gut – das Stimmungsbarometer verzeichnet einen Rückgang von vier Punkten gegenüber dem Vorjahr. Zwar rechnen 53 Prozent der Unternehmen mit steigenden Umsätzen, die Wachstumserwartungen lassen jedoch nach. Deutliche Zurückhaltung zeigt sich bei den Forschungsinvestitionen: Der Anteil der Unternehmen, die ihre F&E-Ausgaben steigern wollen, hat sich nahezu halbiert. "Stark gestiegener Aufwand bei der Zulassung von Produkten einerseits und restriktive Marktkonditionen andererseits stehen der Innovationskraft der IVD-Unternehmen entgegen", sagt Schmid.

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Die Bewertung des Heimatmarktes Deutschland im Vergleich zu den Auslandsmärkten fällt deutlich aus: Neun von zehn Unternehmen erwarten inzwischen eine bessere Marktentwicklung im Ausland.

Herausforderung IVDR 2.0

Die europäische In-vitro-Diagnostika-Verordnung (IVDR) bleibt eines der zentralen Themen für die Branche. Nach VDGH-Angaben gefährden fehlende Systemreife und ein Übermaß an Bürokratie die Versorgungssicherheit und die Innovationskraft der Industrie. Hierzu habe der Verband konkrete Vorschläge für eine grundlegende Überarbeitung der Verordnung bereits adressiert. Auf EU-Ebene deutet sich inzwischen ein politisches Umdenken zugunsten einer verschlankten IVDR 2.0 an.

Für die großen Themen der zukünftigen Gesundheitsversorgung – Fachkräftemangel, alternde Bevölkerung, starre Versorgungsstrukturen – bietet die Labordiagnostikbranche gezielte Lösungsbeiträge an. Eine richtungsweisende Entwicklung ist die patientennahe Sofortdiagnostik (Point-of-Care-Testing) mit ihren Einsatzmöglichkeiten. VDGH-Geschäftsführer Dr. Martin Walger: "Point-of-Care-Testing bringt Diagnostik zum Patienten – ob in der Arztpraxis, im Rettungsdienst, im Pflegeheim oder im ländlichen Raum. Schnelle Entscheidungen und effiziente Behandlungsabläufe werden dadurch unterstützt."

Gesamte Medizintechnik

Der VDGH wirbt für eine nationale Medizintechnik-Strategie, die als gemeinsames Projekt von Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik angelegt ist. Ziel ist ein koordinierter Maßnahmenkatalog zur Stärkung der Versorgungssicherheit und des Standortes Deutschland. "Mit 212 000 Beschäftigten und einer Bruttowertschöpfung von 19,6 Milliarden Euro ist die Medizintechnik der größte Bereich der industriellen Gesundheitswirtschaft", sagt Walger. "Die MedTech-Branche, und mit ihr die IVD-Industrie, ist unentbehrlich für die Gesundheitsversorgung. Sie steht für medizinische Innovation, hochqualifizierte Arbeitsplätze und internationale Wettbewerbsfähigkeit."

Quelle: VDGH – Verband der Diagnostica-Industrie

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