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Messtechnik und probenspezifische Messzellen

Zetapotenzial bestimmen

Das Zetapotenzial kann ein Schlüsselindikator für Dispersionsstabilität an Partikeln und Funktionalität an makroskopischen Oberflächen sein. Zum Bestimmen des Zetapotenzials beschreiben die Autoren anhand von Messbeispielen Techniken in der Zetapotenzialanalyse, die zu einer Erweiterung des Probenspektrums und der Messmöglichkeiten beitragen.

In den letzten Jahrzehnten hat das Zetapotenzial an Bedeutung gewonnen. Die Gründe dafür liegen in der zunehmenden Verwendung von Nanomaterialien, am wachsenden Interesse an der Charakterisierung von Grenzflächen und an der deutlichen Verbesserung der Messtechniken zur Bestimmung des Zetapotenzials. Im Folgenden werden anhand von Messbeispielen Techniken im Bereich der Zetapotenzialanalyse beschrieben, die zu einer Erweiterung des Probenspektrums und der Messmöglichkeiten beitragen.

Parameter Zetapotenzial

Das Zetapotenzial entsteht durch die Bildung einer elektrochemischen Doppelschicht an der Grenzfläche eines Materials zu einem flüssigen Medium, in Abhängigkeit der Funktionalität der Materialoberfläche und der Ionenstärke des Mediums [1]. Als ein Parameter für die Stabilität einer Dispersion spiegelt das Zetapotenzial die Fähigkeit von Partikeln wider, sich gegenseitig elektrostatisch abzustoßen. Der Betrag des Zetapotenzials bestimmt das Maß der Stabilität, während das Vorzeichen des Zetapotenzials zeigt, ob positive oder negative Ladungen an der Oberfläche dominieren. Für makroskopische Oberflächen wird das Zetapotenzial zur Beschreibung der Oberflächenchemie und deren Änderung durch physikalische und chemische Prozesse herangezogen. Diese Information wird z.B. für die Optimierung von Reinigungs-, Beschichtungs-und Adsorptionsprozessen genutzt. Um das Zetapotenzial zu bestimmen, wird ein elektrokinetischer Effekt gemessen, der dadurch hervorgerufen wird, dass sich eine Phase (Partikel in einer Flüssigkeit oder eine Flüssigkeit über eine Oberfläche) relativ zur anderen bewegt. Zwei Messmethoden sind im Folgenden beschrieben.

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Bild 1: Vergleich der Zetapotenzial-Messungen eines Latex-Standards in Wasser (zertifizierter Wert: –58 ± 5 mV; Konzentrationsbereich: 0,01 % bis 1 %) mit einem PALS-Messgerät und dem Litesizer 500 (cm PALS-Methode). Rechts: Messzelle: Die Omegaküvette hat eine Ω-förmige Kapillare. © Anton Paar

Elektrophoretische Lichtstreuung

In kolloidalen Dispersionen wird das Zetapotenzial mithilfe der elektrophoretischen Lichtstreuung (ELS) erfasst. Dabei wird die Beweglichkeit geladener Partikel in einem elektrischen Feld bestimmt (genauer: deren elektrophoretische Mobilität) und mittels Phasenanalyse (PALS) des Streulichts ausgewertet [2]. Neben der Standardmethode PALS (Phase Analysis Light Scattering) misst das Gerät Litesizer 500 von Anton Paar mit der patentierten cmPALS-Methode (cmPALS = continuously monitored PALS) [3]. Diese ermöglicht u.a. Zetapotenzialmessungen mit sehr geringen elektrischen Feldern. So sind schnelle und reproduzierbare Ergebnisse auch für sensible Proben (wie Proteine) möglich. Außerdem bewirkt die besondere Form der Omegaküvette (rechts in Bild 1) eine Homogenität des elektrischen Feldes. Als Konsequenz werden Alterungseffekte und Messfehler minimiert, da das Detektorsignal einzig und allein auf der Partikelbewegung beruht. [4]

In Bild 1 sind Zetapotenzialmessungen im Vergleich gezeigt (zwischen der klassischen PALS- und der weiterentwickelten cmPALS-Technik). Hier wurden Latexproben unterschiedlich stark verdünnt in Wasser analysiert. Während die Ergebnisse bei der PALS-Technik (in Grau) eine starke Konzentrationsabhängigkeit zeigten, mit zunehmenden Fehlerabweichungen, je trüber die Probe wird (Transmission 84% bis 14%), zeigten die Untersuchungen unter Verwendung der cmPALS-Technik (in Rot) selbst bei hohen (und auch bei sehr geringen) Konzentrationen stabile, reproduzierbare Ergebnisse. Auch bei hohen Leitfähigkeiten, kurzen Messzeiten und kleinen elektrischen Feldern lassen sich mit der cmPALS-Technik gute Ergebnisse erzielen – was den Horizont der Zetapotenzialanalyse deutlich erweitert.

Strömungspotenzial

Der experimentelle Zugang zum Zetapotenzial makroskopischer Festkörperoberflächen erfolgt durch Messen des Strömungspotenzials. Für die Messung wird ein Elektrolyt durch einen schmalen Kanal (z.B. gebildet durch zwei gegenüberliegende Probenflächen) geströmt und erzeugt dabei ein Druckgefälle. Als elektrische Antwort auf die Ladungsverschiebung an der Grenzfläche zwischen Feststoff und Flüssigkeit entsteht das Strömungspotenzial. Der Zusammenhang zwischen Druckdifferenz und Strömungspotenzial ist linear und proportional dem Zetapotenzial. [1]

Komplexe Proben untersuchen

Bild 2: pH-Abhängigkeit des Zetapotenzials eines Silikonschlauchs vor und nach Adsorption von Fibrinogen. Rechts: „SurPASS 3“-Messzelle für flexible Schläuche. © Anton Paar

War ursprünglich die Untersuchung des Zetapotenzials an faser- und plattenförmigen Proben der Schwerpunkt für die Anwendung der Strömungspotenzialmethode, so können mit geeigneten Messgeräten auch komplexe Geometrien untersucht werden. Beispiele für komplexe Probengeometrien sind Kapillarmembrane, Kontaktlinsen oder medizinische Schläuche und Spritzen. Anders als mit der ELS werden zur Messung des Strömungspotenzials Festkörperprobe und Testflüssigkeit getrennt vorgelegt. Daher ist es möglich, durch Zugabe von Additiven in die wässrige Lösung weitere anwendungsspezifische Aussagen über deren selektive Wechselwirkung zu gewinnen. Bild 2 zeigt das pH-Wert-abhängige Zetapotenzial an der Grenzfläche zwischen Silikonschlauch und biologischer Pufferlösung vor und nach Adsorption von Fibrinogen (FGN) im Vergleich, gemessen mit Gerät „SurPASS 3“. Aus dieser mit der Strömungspotenzialmethode erfolgten Messung wird der isoelektrische Punkt (IEP) als weiterer Grenzflächenparameter erhalten. Nach Adsorption von FGN an der Schlauchinnenfläche verschiebt sich der IEP von pH 4 (unbehandelt) zu pH 6, d.h. in Richtung des charakteristischen IEPs des Proteins. Bild 2 (rechts) zeigt die hier für die Strömungspotenzialmessung an Schlauchproben verwendete Messzelle.

Zusammenfassung

Das Zetapotenzial informiert über den Ladungszustand an einer Grenzfläche. Die Beiträge sowohl der Partikel- oder Festkörperoberfläche als auch der Flüssigkeit zum Zetapotenzial erhöhen die Komplexität dieses Grenzflächenparameters. Eine zuverlässige Messtechnik ist daher Grundlage für die Akzeptanz des Zetapotenzials als Indikator von Dispersionsstabilität und Oberflächenfunktionalität. Die hier vorgestellte Methode CmPALS und die Vielseitigkeit probenspezifischer Messzellen tragen zu einer weitreichenden Anwendbarkeit der Zetapotenzialanalyse bei.

Literatur
[1] T. Luxbacher, The Zeta Guide, 2014.
[2] C. Bellmann, A. Caspari, C. Moitzi und F. Babick, Dynamische und elektrophoretische Lichtstreuung – Leitfaden zur Partikelgrößenanalyse und Zetapotenzialbestimmung, 2018.
[3] H. Noack und C. Moitzi, „Modulator monitoring during measuring electromobility“. Patent EP 2 735 870 A1, 28 05 2014.
[4] Anton Paar GmbH, „Faster, more Sensitive Zeta-Potential Measurements with cmPALS and the Litesizer™ 500“, 2019.

AUTOREN
Vanessa Fronk, M.Sc.
Anton Paar Germany GmbH, Ostfildern
Tel. 0711/72091-0
[email protected]

Dr. Thomas Luxbacher
Anton Paar GmbH, A-Graz
Tel.: 0043 (0) 316-257-0
[email protected]
www.anton-paar.com

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