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Artikel und Hintergründe zum Thema

Glykolat aus Mikroalgen

Melanie Steinbeck,

Zellfabriken wandeln CO2 in Basischemikalien um

Statt Glykolat noch aus teils giftigen fossilen Ausgangsstoffen zu gewinnen, setzen sächsische Forschende auf Mikroalgen und Sonnenlicht. In einem gemeinsamen Projekt der TU Chemnitz, der Universität Leipzig und des Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP entsteht so eine biotechnologische Zellfabrik, die Kohlendioxid direkt in die wichtige Grundchemikalie Glykolat umwandelt. Glykolat ist ein zentraler Baustein für Medikamente, Konservierungsstoffe und Polymere – und könnte künftig nachhaltiger produziert werden, ohne Ackerflächen zu beanspruchen oder fossile Rohstoffe zu verwenden.

Flüssigkultur von Chlamydomonas reinhardtii © Fraunhofer FEP, Finn Hoyer

Beitrag zur regionalen Bioökonomie

Das interdisziplinäre Kooperationsprojekt PhotoKon könnte einen wichtigen Beitrag zur regionalen Bioökonomie leisten: Statt auf knappe Agrarflächen oder fossile Rohstoffe angewiesen zu sein, entstehen wertvolle Chemikalien direkt aus CO2 und Licht. Um Chlamydomonas reinhardtii für die industrielle Nutzung zu optimieren, setzen die Forschenden auf neuartige Mutationsmethoden und KI-basiertes Screening.

Mutationsmethoden und Strahlung

Am Fraunhofer FEP in Dresden wurde eine neuartige Mutationsmethode auf Basis niederenergetischer Elektronenstrahlung (< 300 keV) entwickelt.

Lichtmikroskopische Aufnahme von Chlamydomonas reinhardtii © Fraunhofer FEP

„Begleitende Dosimetrie-Experimente mit kommerziellen Filmdosimetern und hauseigenen Dosismessverfahren ermöglichen uns dabei die präzise Kontrolle der mutagenen Wirkung”, betont Prof. Simone Schopf vom Fraunhofer FEP.

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Photokatalytische Glykolatproduktion und pH-basiertes Screening

Die Universität Leipzig konnte bereits die grundsätzliche Machbarkeit zur photokatalytischen Glykolatproduktion demonstrieren. Dort wurde ein innovatives pH-basiertes Screening-Verfahren entwickelt, das Farbindikatoren auf Agarplatten nutzt. Diese Indikatoren verändern sich durch die Glykolatausscheidung der Algenzellen. Diese Vorgehensweise basiert auf der experimentellen Beobachtung, dass die Anreicherung des Glykolats im umgebenden Medium mit einer Verringerung des pH-Wertes korreliert.

Robotikgestütztes KI-Screening

Die TU Chemnitz erzielte bedeutende Fortschritte bei einem robotikgestützten Mutantenscreening mit KI-basierter Bildanalyse. Das Team entwickelt automatisierte Screening-Routinen, die eigenständig tausende von Algenkolonien analysieren und vielversprechende Mutanten identifizieren können.

Nutzung der natürlichen Photorespiration

„Diese interdisziplinäre Herangehensweise ermöglicht es uns, die natürliche Photorespiration der Algen – normalerweise ein unerwünschter Nebeneffekt – gezielt für die Glykolatproduktion zu nutzen”, erläutert Prof. Severin Sasso von der Universität Leipzig.

KI-basierte Technologie und intelligente Prozesssteuerung

Das Screening und die Isolation positiver Mutanten erfolgt durch ein KI-basiertes Bilderkennungsverfahren mit Transfer Learning-Ansätzen. Durch die Isolation vielversprechender Zellfabriken können sowohl die biologischen Grundlagen zur Wirkung ionisierender Strahlung auf die Zellen untersucht als auch die Skalierung in technischen Bioprozessen umgesetzt werden.

„Dabei streben wir einen sowohl biologisch als auch technologisch verbesserten Prozess an, der im Labormaßstab des neuen Controlled Environment Agriculture Labs der TU Chemnitz validiert werden soll”, berichtet Dr. Felix Krujatz. Durch eine intelligente Regelungstechnik zur effizienten Produktion von Glykolat im Labormaßstab eröffnet die PhotoKon-Technologie eine Möglichkeit zur nachhaltigen und biobasierten Konversion von CO2 in die Basischemikalie.

Über das Projekt

Das Projekt PhotoKon, das die photokatalytische Konversion von CO2 in Glykolat durch mikrobielle Zellfabriken unter Nutzung von Zufallsmutagenese und künstlicher Intelligenz untersucht, wird mit Steuermitteln gefördert, die auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts bereitgestellt werden. Der Förderzeitraum erstreckt sich vom 1. Juni 2024 bis zum 31. Mai 2027.

Quelle: Fraunhofer FEP

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