Herausforderung PFAS-Analytik
Für immer und ewig
In den letzten Jahren hat der Nachweis einiger Vertreter dieser Substanzklasse in allen Bereichen der Umwelt, in Tieren, Lebensmitteln und dem Menschen selbst zu einer Neubewertung geführt. Aktuelle toxikologische Untersuchungen und ihr Potenzial zur Bioakkumulation waren alarmierend und veranlassten Behörden weltweit, Regulierungen und Grenzwerte für bestimmte PFAS zu erlassen. In der EU sind mit der 2021 erschienenen EU-Trinkwasserrichtlinie (EU DWD) sowie dem 2022 veröffentlichten Vorschlag zur Erweiterung der EU-Wasserrahmenrichtlinie PFAS aufgenommen bzw. ergänzt und niedrige Grenzwerte für Trink-, Grund- und Oberflächenwasser festgesetzt worden. In der 2023 erlassenen Novelle der Trinkwasserverordnung wurden die Vorgaben der Europäischen Kommission aufgenommen und sogar noch verschärft. So gilt ab 2026 für zwanzig PFAS ein Summenparameter von 0,1 µg/l und ab 2028 speziell für die Substanzen PFHxS, PFOS, PFOA und PFNA ein Grenzwert von 0,02 µg/l für die Summe der vier Verbindungen. Nach dem Brexit hat das britische Drinking Water Inspectorate (DWI) in einem Schreiben an die Wasserversorger in England und Wales die Anforderungen an das Monitoring von 47 PFAS in Rohwasserquellen bestimmt, ohne sich derzeit auf Grenzwerte festzulegen.
Zielsetzung
Auf Grundlage der oben erwähnten Regulierungen wurde eine LC-MS/MS-Methode zu Bestimmung von 48 PFAS in wässrigen Proben ohne Aufkonzentrierung entwickelt und getestet [1]. Ziel war es, die 48 Substanzen in einem Konzentrationsbereich von 0,5 – 50 ng/l sicher zu quantifizieren und dabei das Injektionsvolumen so gering wie möglich zu halten. Für die Studie wurden Proben zweier verschiedener Trinkwässer (hart und weich) sowie zweier Rohwässer, die aus unterschiedlichen Orten in Großbritannien stammten, verwendet. Um die niedrigen Nachweisgrenzen ohne Anreicherung zu erreichen, wurde als Analysensystem ein "ACQUITY™ UPLC Premier"-System mit dem Triple-Quadrupole-Massenspektrometer "Xevo™ TQ Absolute" unter Verwendung einer "UniSpray™"-Ionenquelle eingesetzt.
Im Folgenden werden sowohl die Herausforderungen bei der Methodenentwicklung als auch die Testung der Methode mit realen Proben betrachtet.
Ubiquitär bedeutet überall
Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften werden fluorierte Verbindungen für Teile von HPLC-Systemen verwendet, z. B. Lösungsmittelleitungen, wodurch Kontaminationen in der Analytik möglich sind. Sie gelangen aber auf verschiedene Wege auch in die Lösungsmittel selbst oder in die für die Eluenten verwendeten Additive. Um sicherzustellen, dass dadurch keine falsch-positiven Befunde in den Proben detektiert werden, wird die Verwendung eines PFAS-Kits für die UPLC empfohlen. Neben dem Austausch verschiedener Systemkomponenten wird eine sogenannte Isolator-Säule zwischen den Mixer und dem Injektionsventil eingebaut. Diese Isolator-Säule sorgt für eine zusätzliche Retention der PFAS aus dem Blindwert der Anlage und trennt damit den analytischen Peak der Probe von der Hintergrundbelastung ab. Die stationäre Phase der Isolator-Säule spielt eine entscheidende Rolle, da auch die polaren kurzkettigen PFAS, wie Perfluorbutansäure (PFBA), ausreichend zurückgehalten werden müssen. Es zeigte sich, dass mit der Säule "Atlantis Premier BEH C18 AX", einer Mixed-Mode-Säule mit sowohl Reversed Phase als auch Anionen-Austausch-Wechselwirkung eine sichere Trennung zwischen Analytpeak und Kontamination für PFAS ab C2-Kettenlänge möglich ist.
Die oben beschriebenen Maßnahmen dienen dazu, die Chromatographie hinsichtlich einer PFAS-Hintergrundbelastung abzusichern, können aber Kontaminationen, die möglicherweise während der Vorbereitung der Proben oder durch das Vial eingetragen werden, nicht verhindern.
Die neuen Regulierungen für PFAS geben Grenzwerte im einstelligen ng/l-Bereich für Trinkwasser vor und liegen für Oberflächen- und Grundwässer sogar darunter. Damit werden auch kleinste Kontaminationen, die über die Probenvorbereitung eingetragen werden, zum Problem. Das Umgehen von Kontaminationsquellen sowie die Einsparungen bei den Kosten pro Probe und der Zeit sind Vorteile der Direktinjektion. Diese ist mit wässrigen Proben möglich und wird von Testlaboren bevorzugt. Anders als in der Pestizid-Analytik, bei der die Wasserprobe direkt injiziert wird, bedürfen Wasserproben, die auf PFAS untersucht werden, einer kleinen Vorbehandlung. Zur vollständigen Erfassung der unpolaren langkettigen PFAS, die nur gering in Wasser löslich sind, wird die Probe in der Regel 1:1 (vol%) mit Methanol verdünnt. In unserer Studie zeigte sich, dass eine Mischung aus 25 : 25 : 50 (vol%) Methanol : Acetonitril : Probe mit 0,1 % Ameisensäure und die direkte Behandlung der Probe im Probennahmebehältnis ohne zusätzliche Überführung in ein weiteres Gefäß Wiederfindungsraten von um die 100 % selbst für Perfluoroctadecansäure (PFODA) liefert. (Bild 1)
Der Organikanteil im Probenlösungsmittel kann sich in Abhängigkeit vom Injektionsvolumen negativ auf die Peakform der früh eluierenden Peaks auswirken und limitiert u. U. das Injektionsvolumen. Es ist bekannt, dass kurzkettige und polare PFAS, wie PFBA, nur geringe Retention auf klassischen C18-Phasen aufweisen. Dadurch reagieren diese Analyte besonders sensitiv auf das Verhältnis von Organikgehalt im Probenlösungsmittel und Injektionsvolumen. In unserer Methode kam die "ACQUITY CSH C18"-Säule zum Einsatz, auf der auch mit einem Injektionsvolumen von 50 µl und einem Organikanteil von 50 % in der Probe scharfe Peaks für polare PFAS erzielt wurden.
Eine weitere Besonderheit in der PFAS-Analytik ist die Verwendung von isotopenmarkierten internen Standards zur Korrektur von Matrixeinflüssen. Die Methode wurde für 48 PFAS entwickelt und nur für 25 davon waren interne Standards verfügbar, so dass einige Analyte mit dem internen Standard eines anderen PFAS ähnlicher Retentionszeit korrigiert wurden. Für die meisten PFAS ohne eigenen internen Standard ist dieses Verfahren gerade in Wasserproben gut anwendbar. Für PFODA z. B. zeigt die Verwendung des internen Standards von Perfluorhexadecansäure (PFHxDA) die Grenzen auf, da das Response-Verhalten der Substanzen zu unterschiedlich ist.
Sensitivität
Der Wunsch der Testlabore, die Probenvorbereitung gering zu halten und Wasserproben möglichst direkt zu injizieren, stellt höchste Ansprüche an Sensitivität und Robustheit der Messtechnik. Bei der Methodenentwicklung in der PFAS-Analytik ist die Feinabstimmung zwischen Chromatographie und Detektion besonders wichtig. Sowohl der Detektor als auch die Ionenquelle haben einen großen Einfluss auf die Performance des Massenspektrometers. Das Xevo TQ Absolute ist mit einem Detektor ausgestattet, der weiterentwickelt wurde, so dass er sowohl im ESI-negativen Modus als auch auf Fragmentionen < m/z 200 deutlich verbesserte Signalstärken zeigt. Dadurch erzielt er auch speziell für PFAS eine besonders hohe Empfindlichkeit. Dies wird durch die von Waters entwickelte "UniSpray"-Ionenquelle zusätzlich noch unterstützt. Durch eine optimierte Desolvatisierung bei der Ionisierung wird die Ausbeute an Gasphasenionen erhöht. Das Mehr an Gasphasenionen vergrößert für PFAS nicht nur die Peakfläche, sondern verbessert auch das Signal-Rausch-Verhältnis und damit die finale Empfindlichkeit um bis zu Faktor 5 (Bild 2).
Ergebnisse der Untersuchungen
Die Method Detection Limits (MDL) wurden bestimmt, um die Empfindlichkeit der Methode abzuschätzen. Zur Berechnung der MDL dienten 20 Wiederholinjektionen eines mit 2 ng/l dotierten Reinstwassers nach der EPA 821-R-16-006 Richtlinie. Die berechneten MDL betrugen bei 44 der 48 untersuchten PFAS 0,2 ng/l. Die theoretischen Werte wurden in Oberflächenwasserproben verifiziert, indem diese mit eben jener berechneten Konzentration dotiert wurden. In Bild 3 sind beispielhaft Oberflächenwasserproben undotiert sowie dotiert mit jeweils 0,2 ng/l für FOSA, PFNA, PFUnDA und PFTreDS dargestellt. Die S/N-Verhältnisse liegen zwischen 10 für PFUnDA und 65 für FOSA und demonstrieren damit die Anwendbarkeit der Methode zur direkten Bestimmung von PFAS im oberen pg/l-Bereich.
Neben der Empfindlichkeit wurden weitere Kenndaten der Methode, wie Linearität, Stabilität der Retentionszeit und Wiederholbarkeit bestimmt. Die Kalibriergeraden wurden für alle 48 PFAS zwischen 0,5 und 50 ng/l in Reinstwasser aufgenommen und ergaben für alle Analyte Bestimmtheitsmaße > 0,99 sowie eine Abweichung der Residuen < 20 %. In einem Experiment zur Testung der Stabilität wurden sechs Wiederholproben von zwei verschiedenen Trinkwässern und zwei Oberflächenwässern mit 10 ng/l des PFAS-Mixes dotiert und an drei Folgetagen vermessen. Alle Verbindungen zeigten über die drei Tage stabile Retentionszeiten mit einer Standardabweichung ≤ 0,03 min. Die relative Standardabweichung der Peakflächen lag für die überwiegende Zahl der untersuchten PFAS in allen vier Wässern unter 7 %. Ausnahmen davon waren vor allem bei den langkettigen PFAS speziell PFODA mit mehr als 25 % in hartem Trinkwasser zu finden.
Zusammenfassung
Neue Regulierungen für PFAS erfordern hochempfindliche Bestimmungsmethoden. Für eine effiziente und zeitsparende Analytik können Wasserlabore den Vorteil der direkten Injektion nutzen, ohne die Probe anreichern zu müssen. Mit der vorgestellten Methode und Gerätekombination werden Bestimmungsgrenzen im sub-ng/l-Bereich für 48 PFAS erzielt. Zudem wurde ein spezielles PFAS-Kit genutzt, um Kontaminationen aus dem Analysesystem (Hardware oder Eluenten) vom analytischen Peak abzutrennen. Das Verfahren zeigt sich als geeignet, um die in der Trinkwasserverordnung festgesetzten Grenzwerte zu bestimmen. Die Empfindlichkeit wurde an Proben sowohl von Trinkwasser als auch von Oberflächenwasser demonstriert.
Literatur
[1] Extending PFAS Coverage and Sensitivity in a Direct Injection UPLC-MS/MS Method for Water Matrices Based on EU and UK Drinking Water Regulations, Application Note 720008137, 2024 Waters Corporation
AUTOREN
Dr. Claudia Rathmann, Dr. Gunnar Weibchen
Waters GmbH, Eschborn
[email protected]
www.waters.com
Analytica 2024: Halle A1, Stand 328















