Von FISH zu Flow-FISH

Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung mit Durchflusszytometrie verbinden

Die Probiotika-Industrie steht vor der Herausforderung, die genaue Anzahl lebensfähiger Zellen in ihren Produkten zu bestimmen. Die traditionelle "Goldstandard"-Methode, das Plattierungsverfahren, liefert nicht immer genaue Daten. Dies liegt vor allem daran, dass bei der Kultivierung davon ausgegangen wird, dass jede Kolonie von einer einzelnen Bakterienzelle abstammt, was nicht immer der Fall ist. Außerdem bilden lebensfähige, aber nicht kultivierbare Zellen (VBNC: viable but nonculturable) möglicherweise keine Kolonien auf Agarplatten, können sich aber im menschlichen Darm vermehren und ihre probiotische Wirkung entfalten [1]. Zudem stellt die Kultivierung eine künstliche Umgebung für die Bakterien dar und spiegelt daher nicht die mikrobielle Realität wider. Während diese Methode vor mehr als 100 Jahren bahnbrechend war, bieten moderne molekularmikrobiologische Methoden wesentlich genauere und zuverlässigere Analysemöglichkeiten. [1] Im Juni 2024 wurde eine Studie über die Flow-FISH-Methode im Einsatz für die Auszählung gram-positiver Bakterien in probiotischen Produkten veröffentlicht. Flow-FISH, eine Kombination aus der molekularbiologischen Methode Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) und der Durchflusszytometrie, kann gegenüber herkömmlichen Methoden erhebliche Vorteile bei der Zellzahlbestimmung und damit für die Qualitätskontrolle von probiotischen Produkten bieten, da lebende Bakterienzellen spezifisch identifiziert und quantifiziert werden können. [2]
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Die zwei Säulen von Flow-FISH

Flow-FISH basiert auf zwei wichtigen Säulen: Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) und Durchflusszytometrie. Grundlage der FISH sind spezifische, mit einem Fluoreszenzfarbstoff markierte DNA-Oligonukleotide (sog. Gensonden). Sobald sie durch einfache Diffusionsprozesse in die Bakterienzellen eingebracht sind, binden sie an ihre spezifischen rRNA-Zielorte innerhalb der Bakterienspezies. Diese Zielorte innerhalb der Ribosomen spiegeln die Phylogenie der Bakterien wider und ermöglichen eine spezifische Identifizierung, da die Sonden nur an die Bakterien binden, für die die Oligonukleotide entwickelt wurden. Nach Anregung mit Licht einer definierten Wellenlänge beginnen die Zellen zu leuchten und können identifiziert werden. Da die spezifischen Oligonukleotide an rRNA-Zielstellen binden, werden auch nur lebende Zellen detektiert, da nur diese genügend Ribosomen besitzen, um ein Fluoreszenzsignal abzugeben. [3], [4], [5], [6]

Die Durchflusszytometrie ist eine Analysetechnik, bei der bestimmte Eigenschaften von Zellen oder Partikeln gemessen werden, während diese in einem Flüssigkeitsstrom durch einen Laserstrahl geleitet werden. Das Grundprinzip der Durchflusszytometrie besteht darin, den Probenstrom hydrodynamisch so zu fokussieren, dass einzelne Zellen nacheinander einen fokussierten Laserstrahl passieren. Wenn eine Zelle den Laser passiert, streut sie Licht und kann, wenn sie mit Fluoreszenzmarkern markiert ist, Fluoreszenz emittieren. Das gestreute Licht und die Fluoreszenzsignale werden von Detektoren aufgenommen und in elektronische Signale umgewandelt, die von einem Computer analysiert werden. Dies ermöglicht eine schnelle und absolute Quantifizierung der Zellen. [7]

Bild 1: Funktionsprinzip von Flow-FISH. © vermicon

Durch die Kombination von FISH und Durchflusszytometrie (s. auch Bild 1) lassen sich nur lebende Zellen spezifisch identifizieren und zuverlässig quantifizieren.

In der aktuellen Studie wurde die entwickelte Flow-FISH-Methode mit herkömmlichen Plattierungs- und Lebend/tot-Färbungsmethoden zur Quantifizierung lebensfähiger Zellen in Probiotika-Produkten verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass Flow-FISH höhere lebensfähige Zellzahlen als die Plattierung lieferte und damit die Tendenz zum Unterschätzen der tatsächlichen lebensfähigen Zellzahlen bei der Plattierungsmethode bestätigte. Im Vergleich zu den Ergebnissen der Lebend/tot-Färbung lieferte Flow-FISH vergleichbare Ergebnisse in Bezug auf Genauigkeit und Zuverlässigkeit, jedoch mit dem großen Unterschied, dass zusätzlich spezifische Bakterienarten identifiziert und quantifiziert werden konnten ([2], s. auch Bild 2).

Anwendung in der Qualitätskontrolle

Mit der Flow-FISH-Technologie können probiotische Produkte analysiert werden. Durch die parallele Analyse von Bakterienarten liefert sie ein detailliertes Bild davon, welche Arten in welchen Konzentrationen in dem Produkt lebensfähig sind. In Herstellung und Entwicklung von Probiotika erhält man Informationen:

  • Anzahl der lebenden und toten Bakterien insgesamt
  • Quantifizierung der einzelnen lebensfähigen Bakterienarten in dem Produkt
Bild 2: Ergebnisse aus einem Methodenvergleich an zwei Einsatzbeispielen. © vermicon

Diese Informationen sind äußerst wertvoll für die Beurteilung der Effizienz des Produktionsprozesses und der Qualität des probiotischen Produkts. Unternehmen können die Flow-FISH-Methode sowohl als Dienstleistung nutzen als auch mit kommerziellen Testkits, die auf bestimmte probiotische Bakterien abzielen, anwenden. Die hohe Empfindlichkeit und Spezifität der Methode ermöglichen eine präzise Überwachung der Bakterienpopulationen während des gesamten Produktionsprozesses, von den Rohstoffen bis zum Endprodukt. Herkömmliche Methoden der Plattenzählung können eine geringere Zahl an lebensfähigen Zellen ergeben als tatsächlich vorliegt, da lebensfähige, aber nicht kultivierbare Zellen vorhanden sind. Diese metabolisch aktiven Zellen können zur probiotischen Wirkung beitragen, bilden aber keine Kolonien auf Agarplatten. Flow-FISH erfasst auch diese, indem es auf ihre rRNA abzielt und eine Darstellung der lebensfähigen Zellzahlen liefert. [1], [2]

Und Probiotika-Produkte enthalten oft mehrere Bakterienarten, die jeweils einzigartig zu spezifischen gesundheitlichen Vorteilen beitragen. Flow-FISH ermöglicht die spezifische Identifizierung und Quantifizierung jeder Art innerhalb der Mischung, um sicherzustellen, dass das Produkt seinen Etikettenangaben entspricht.

In der veröffentlichten Validierungsstudie wurde Flow-FISH zur Analyse lyophilisierter Proben von Lacticaseibacillus rhamnosus, Lactiplantibacillus plantarum und Bifidobacterium animalis subsp. lactis sowie eines kommerziellen Probiotika-Produkts angewendet (siehe Bild 2).

Forschung und Entwicklung

Die Anwendung von Flow-FISH in der probiotischen Industrie kann für die Forschung und Produktentwicklung genutzt werden. Die Daten über Anzahl lebensfähiger Zellen und Artenzusammensetzung können verwendet werden, um probiotische Formulierungen zu verbessern bzw. zu optimieren.

Forschende im Bereich der Mikrobiologie und Probiotika können Flow-FISH für detaillierte Studien zur Lebensfähigkeit und zu den Wechselwirkungen probiotischer Bakterien nutzen. Die Fähigkeit der Methode, zwischen verschiedenen Arten innerhalb einer Mischung zu unterscheiden, kann tiefe Einblicke in mikrobielle Dynamiken und deren gesundheitliche Auswirkungen liefern.

Zusammenfassung

Die Entwicklung und Implementierung von Flow-FISH stellt einen großen Fortschritt im Bereich der Mikrobiologie und Probiotika dar, nicht nur in Bezug auf Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Zählung lebensfähiger Zellen, sondern auch in Bezug auf die gesamten Qualitätskontrollprozesse in der Probiotika-Industrie. Herstellern ermöglicht Flow-FISH die direkte Überwachung probiotischer Kulturen während der Produktion, um sicherzustellen, dass das Endprodukt den spezifizierten Qualitätsstandards entspricht. Forschende können die Methode zu Studien nutzen, z. B. für die Untersuchung des menschlichen Darmmikrobioms und seiner Wechselwirkungen mit probiotischen Produkten.

Literatur
[1] Davis, C. (2014). Enumeration of probiotic strains: review of culture-dependent and alternative techniques to quantify viable bacteria. Journal of Microbiological Methods, 103, 9–17.

[2] Snaidr L, Mühlhahn P, Beimfohr C, Kreuzer C, Richly C and Snaidr J (2024). Specific cultivation-independent enumeration of viable cells in probiotic products using a combination of fluorescence in situ hybridization and flow cytometry. Front. Microbiol. 15:1410709. doi:10.3389/fmicb.2024.1410709

[3] Amann, R., Binder, B., Olson, R., Chisholm, S., Devereux, R., and Stahl, D. (1990). Combination of 16S rRNA-targeted oligonucleotide probes with flow cytometry for analyzing mixed microbial populations. Applied and Environmental Microbiology, 56(6), 1919–1925.

[4] Amann, R., and Fuchs, B. M. (2008). Single-cell identification in microbial communities by improved fluorescence in situ hybridization techniques. Nature Reviews Microbiology, 6(5), 339–348.

[5] Snaidr, J., Fuchs, B., Wallner, G., Wagner, M., Schleifer, K., and Amann, R. (1999). Phylogeny and in situ identification of a morphologically conspicuous bacterium, Candidatus Magnospira bakii, present at very low frequency in activated sludge. Environ. Microbiol. 1, 125–135.

[6] Woese, C. R. (1987). Bacterial evolution. Microbiol. Rev. 51, 221–271.

[7] Adan, A., Alizada, G., Kiraz, Y., Baran, Y., and Nalbant, A. (2017). Flow cytometry: basic principles and applications. Critical Reviews in Biotechnology, 37(2), 163–176.

AUTORIN
Laura Snaidr
vermicon AG, Hallbergmoos
Tel.: 0811/12 44 94-0
[email protected]
www.vermicon.com

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