Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Analytik> Analyseninstrumente>

Wasserdatierung - neue Methode für die Altersbestimmung

Atomfalle für die WasserdatierungNeue Methode für die Altersbestimmung

Eine neuartige Datierungsmethode für die Erd- und Umweltwissenschaften steht im Mittelpunkt eines Projekts in der Heidelberger Physik, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Dabei geht es um den Einsatz eines speziellen radioaktiven Isotopes des Edelgases Argon (Ar).

sep
sep
sep
sep
Atomfalle, in der 39Ar-Atome gefangen und nachgewiesen werden. (Foto: Florian Freundt, Institut für Umweltphysik, Universität Heidelberg)

Dieses Isotop ist für die Altersbestimmung in der Zeitspanne von 50 bis 1000 Jahren von Bedeutung und soll für die Wasserdatierung genutzt werden. Das dreijährige Vorhaben wird von Prof. Dr. Markus Oberthaler am Kirchhoff-Institut für Physik und Prof. Dr. Werner Aeschbach am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg durchgeführt. Die DFG hat dafür Mittel in Höhe von rund 1 Mio. Euro bewilligt. Die Arbeiten werden im März 2017 beginnen.

Das Projekt „ArTTA-10mL: An instrument for 39Ar-dating of small ice and water samples“ wurde im Rahmen der erstmaligen DFG-Ausschreibung „Neue Geräte für die Forschung“ zur Förderung ausgewählt. Das Vorhaben basiert auf einer langjährigen Zusammenarbeit der Arbeitsgruppen von Prof. Oberthaler und Prof. Aeschbach, die die Datierungsmethode mithilfe des Edelgasradioisotopes 39Ar bereits erfolgreich eingesetzt und den Prototypen eines Messgeräts entwickelt haben. Das neue Gerät, das die Heidelberger Forscher nun realisieren wollen, soll weltweit einmalig für den Routinebetrieb mit kleinen Proben ausgelegt und dann auch anderen Forschern zugänglich gemacht werden.

Anzeige

Die Altersbestimmung in den Erd- und Umweltwissenschaften basiert zumeist auf radioaktiven Isotopen, deren allmählicher Zerfall Zeitinformation liefert. Dabei ist das Edelgasradioisotop 39Ar von großem Interesse für die Datierung in Grundwasserforschung, Ozeanographie und Gletscherforschung, da es als einziges Isotop den wichtigen Altersbereich von etwa 50 bis 1000 Jahren abdeckt.

Eine besondere Herausforderung stellt allerdings seine extreme Seltenheit dar. Wie Messungen in den 1960er Jahren gezeigt haben, befindet sich unter einer Billiarde Argon-Atomen in der Luft nur ein einziges 39Ar. Um über den Nachweis des radioaktiven Zerfalls von 39Ar das Alter von Grund- oder Ozeanwasser bestimmen zu können, werden Proben von mindestens einer Tonne Wasser benötigt.

Das Heidelberger Messverfahren basiert auf der fundamental neuen Messmethode der Atom Trap Trace Analysis (ATTA), bei der die 39Ar-Atome in einer Atomfalle gefangen und nachgewiesen werden. Diese Technologie der „Manipulation“ von Atomen wurde in den vergangenen Jahren in Heidelberg perfektioniert. Damit ist es möglich, die benötigte Probengröße um den Faktor 100 bis 1000 zu reduzieren, wie Prof. Oberthaler erläutert.

In einem Vorgängerprojekt konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Messung von 39Ar mit diesem Verfahren generell möglich ist. Nun haben sie anhand von Ozeanwasser und alpinem Eis den Nachweis erbracht, dass die 39Ar-ATTA-Messung auch mit kleinen Proben von lediglich 25 l Wasser oder einem Argon-Volumen von 10 ml und weniger realisiert werden kann. „Das eröffnet komplett neue Perspektiven für die Anwendung. Der Bedarf für solche Analysen, insbesondere auf dem Gebiet der Spurenstoff-Ozeanographie, ist groß“, so Prof. Aeschbach.

Markus Oberthaler forscht am Kirchhoff-Institut für Physik, Werner Aeschbach am Institut für Umweltphysik. Prof. Aeschbach ist zudem Direktor des Heidelberg Center for the Environment (HCE).

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Nevado Illimani in Bolivien

ArchäometallurgieHistorisches Kupfer in Gletschereis

Der Bergbau Südamerikas versorgt den halben Globus mit Kupfer. In den Anden liegen die weltgrößten Minen. Doch wann die Kupferproduktion dort begann, blieb bislang unklar. Von den frühen Hochkulturen sind kaum Überlieferungen und Artefakte erhalten.

…mehr
Zoolithenhöhle

Einfluss der NAO aufs Wetter in...Stalagmiten liefern Paläo-Klimadaten

Die Nordatlantische Oszillation (NAO) ist der vorherrschende Luftdruckmodus über dem Nordatlantik, der vor allem das Winterklima in Europa wesentlich beeinflusst. Je nach Ausprägung der NAO kann es zu milden oder sehr kalten Wintern kommen.

…mehr
40 Jahre Abwasserabgabengesetz: Wie die Flüsse wieder sauber wurden

40 Jahre AbwasserabgabengesetzWie die Flüsse wieder sauber wurden

Im Kampf gegen die Gewässerverschmutzung erwies sich das „Gesetz über Abgaben für das Einleiten von Abwasser in Gewässer“ (Abwasserabgabengesetz – AbwAG) vom 13. September 1976 als hilfreiches Mittel. 

…mehr
Re-Injektionsanalytik

Umweltkontaminante TFATrifluoracetat in Wasserproben

Die Belastung der Umwelt durch perfluorierte und polyfluorierte Chemikalien (PFC) und die damit verbundenen Risiken werden schon seit Jahren diskutiert [1].

…mehr
Wasserqualitäts-Datenlogger der Serie Hobo von CiK Solutions

Ressource WasserDatenlogger für die präzise Erfassung der Wasserqualität

Wasserqualitäts-Datenlogger geben Aufschluss über Wasserbelastungen.

…mehr
Anzeige

Bildergalerien bei LABO online

Anzeige

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

Anzeige
Anzeige

Mediaberatung