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Ergonomisches Pipettieren

Melanie Steinbeck,

Belastungen erkennen und vermeiden

Ergonomische Pipetten können helfen, repetitive Belastungen wie RSI zu vermeiden. Der Beitrag von INTEGRA Biosciences GmbH beleuchtet zentrale Risikofaktoren und stellt praxisnahe Lösungen vor.

© INTEGRA Biosciences

Studien zufolge klagen fast 90 % aller Personen, die täglich mehr als eine Stunde ununterbrochen mit Pipetten arbeiten, über Hand- und/oder Ellbogenbeschwerden. Manche Nutzer berichten sogar von Schmerzen in Schulter und Nacken. Die Belastung beim Pipettieren wird damit zu einem ernst zu nehmenden Thema für die Laborgesundheit.

Wiederholte Belastung: Wodurch RSIs entstehen

RSI steht für Repetitive-Strain-Injury-Syndrom – eine Verletzung durch wiederholte Belastung. Weitere Begriffe im selben Zusammenhang sind:

  • WRULD (Work Related Upper Limb Disorder): Arbeitsbedingte Erkrankung der oberen Gliedmaßen

  • MSD (Musculoskeletal Disorder): Erkrankung des Bewegungsapparats

  • CTD (Cumulative Trauma Disorder): Kumulative-Trauma-Erkrankung

Allen Begriffen gemeinsam ist, dass sie Schmerzen in Hand, Ellbogen, Schulter oder Nacken beschreiben, die durch sich wiederholende, lang andauernde Bewegungsabläufe verursacht werden. Drei zentrale Risikofaktoren spielen dabei eine Rolle: Haltung, Kraft und Wiederholung.

Haltung

Ob am Computer oder beim Pipettieren am Labortisch – eine ergonomisch sinnvolle Sitzposition ist entscheidend. Der Rücken sollte gerade sein, Kopf und Schultern möglichst in einer Linie, die Schultern entspannt. Die Beine gehören unter den Tisch, die Füße flach auf den Boden. Auch die Position der Arme ist wichtig: Sie sollten dicht am Körper bleiben. Ein gut organisierter Arbeitsplatz, bei dem alle Reagenzien und Laborgefäße in Reichweite sind, hilft, unnötiges Strecken zu vermeiden.

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Kraft

Wiederholte, kräftige Bewegungen fördern die Entstehung von RSIs. Daher empfiehlt es sich, sowohl den Kraftaufwand als auch die Häufigkeit dieser Bewegungen zu minimieren – im besten Fall beides. Zum Pipettieren ist Kraft notwendig: beim Anheben der Pipette, Halten während der Anwendung, beim Aufnehmen und Abgeben der Flüssigkeit sowie beim Aufstecken und Abwerfen der Spitzen. Welche Rolle die Wahl der Pipette dabei spielt, wird im Folgenden erläutert.

Wiederholung

Monotone, sich ständig wiederholende Bewegungsabläufe – über Stunden am Tag, mehrere Tage pro Woche – erhöhen das Risiko eines RSI-Syndroms. Deshalb lohnt es sich, Möglichkeiten zur Reduktion der Pipettierschritte im Arbeitsablauf zu prüfen.

Vorbeugung: Worauf bei Pipetten geachtet werden sollte

Wer bereits Beschwerden hat oder vorbeugen möchte, sollte prüfen, ob die eingesetzten Pipetten ergonomisch gestaltet sind. Folgende Aspekte beeinflussen, wie viel Kraft erforderlich ist und wie oft Bewegungen wiederholt werden müssen:

Griff und Fingerhaken

Pipetten mit leichtem, gut ausbalanciertem Design lassen sich einfacher halten. Fingerhaken verteilen das Gewicht teilweise auf den Zeigefinger und ermöglichen ein entspannteres Greifen. Ein drehbarer Griff hilft, das Handgelenk in neutraler Position zu halten, sodass jede Person ihre ideale Handhabung finden kann.

Kolbenkraft

Manuelle Pipetten werden über den Daumen bedient. Um Beschwerden wie Daumen-Tenosynovitis zu vermeiden, empfiehlt sich eine geringe Kolbenkraft und ein kurzer Hubweg. Alternativ kann der Einsatz elektronischer Pipetten die Belastung des Daumens minimieren – hier übernimmt ein Mikroprozessor die Steuerung der Flüssigkeitsabgabe.

Spitzenaufsteck- und Abwurfkräfte

Pipettenspitzen aus Polypropylen neigen dazu, in ihre ursprüngliche Form zurückzukehren. Universalspitzen lockern sich daher oft, werden undicht oder fallen ab – was dazu führt, dass sie „eingehämmert“ werden müssen. Das erhöht sowohl die Aufsteck- als auch die Abwurfkraft. Pipetten, die speziell für passgenaue, proprietäre Spitzen entwickelt wurden, reduzieren diese Kräfte und entlasten somit Hand und Daumen.

Volumeneinstellung

Bei klassischen manuellen Pipetten erfolgt die Volumeneinstellung über ein einzelnes Drehrad. Häufige Umstellungen, vor allem zwischen großen und kleinen Volumina, können für Handgelenk und Finger anstrengend sein. Alternativen mit mehreren Drehknöpfen – etwa wie bei Zahlenschlössern – reduzieren die Rotationsbewegungen und damit auch das RSI-Risiko.

Effizienteres Arbeiten durch passende Pipetten

Weniger Wiederholungen – das bedeutet weniger Belastung. Folgende Pipettentypen können helfen:

  • Mehrkanalpipetten: Eine 8-Kanal-Pipette reduziert die Zahl der Transfers bei einer 96-Well-Platte von 96 auf 12.

  • Pipetten mit einstellbarem Spitzenabstand: Sie ermöglichen parallelen Transfer von Proben zwischen unterschiedlich angeordneten Laborgefäßen, z. B. von Röhrchen zu 384-Well-Platten.

  • Elektronische Pipetten: Sie entlasten den Daumen und ermöglichen durch Funktionen wie den Wiederholungsmodus eine geringere Zahl an Pipettierschritten.

Checkliste: Ergonomiekriterien bei Pipetten

Bei der Auswahl einer ergonomischen Pipette lohnt sich ein kritischer Blick auf folgende Fragen:

  • Liegt die Pipette gut in der Hand
  • Muss sie fest gehalten werden, oder besitzt sie einen Fingerhaken?
  • Ist der Griff drehbar?
  • Wie hoch sind die Aufsteck- und Abwurfkräfte?
  • Passen die Spitzen exakt, oder müssen sie eingehämmert werden?

Zusätzlich für Handpipetten:

  • Wie schwer ist die Pipette?
  • Wie groß sind Kolbenkraft und Hubweg?
  • Wie viele Drehbewegungen sind zur Volumeneinstellung nötig?
  • Ist eine Mehrkanalpipette, ein verstellbarer Spitzenabstand oder eine elektronische Alternative sinnvoll?

Fokus auf Ergonomie

Der Anbieter Integra legt bei der Produktentwicklung besonderen Wert auf ergonomische Aspekte, um Belastungen beim Pipettieren zu verringern. So wurden die "GRIPTIPS®"-Pipettenspitzen speziell dafür konzipiert, ein müheloses Aufstecken ohne hohen Kraftaufwand zu ermöglichen. Ein Einhämmern der Spitzen soll dadurch vermieden werden, ebenso wie unnötige Belastungen von Hand und Daumen beim Abwurf der Spitzen.

EVOLVE-Pipette © INTEGRA Biosciences

Auch bei den manuellen "EVOLVE"-Pipetten wurde auf eine ergonomische Gestaltung geachtet: Geringe Kolbenkräfte, ein Fingerhaken zur Entlastung der Hand und drei separate Schnelleinstellräder zur Volumeneinstellung tragen dazu bei, repetitive Belastungen zu reduzieren. Die Einstellung erfolgt dadurch schneller und mit weniger Drehbewegungen. Um Pipettiervorgänge weiter zu optimieren, bietet Integra neben Einkanal- auch Mehrkanalvarianten mit 8, 12 oder 16 Kanälen an, die jeweils mit einem Drehgriff ausgestattet sind.

Neben mechanischen Pipetten können auch elektronische Systeme dazu beitragen, Pipettiervorgänge körperlich weniger belastend zu gestalten. Elektronische Modelle wie die "VIAFLO"-Pipetten zeichnen sich durch ein ausgewogenes Design, geringes Gewicht und bedienfreundliche Elemente wie Fingerhaken und ergonomische Einstellrädchen aus. Die voreingestellten Pipettiermodi unterstützen standardisierte Anwendungen, während sich bei komplexeren Aufgaben individuelle Programme konfigurieren lassen. Mehrkanalvarianten und ein drehbarer Griff können die Effizienz zusätzlich steigern und die Belastung reduzieren.

Für Transfers zwischen unterschiedlichen Laborgefäßformaten bieten Systeme mit anpassbarem Spitzenabstand, wie bei den "VOYAGER"-Pipetten, eine Möglichkeit, mehrere Proben gleichzeitig zu handhaben – ohne auf Einkanalpipetten zurückgreifen zu müssen. Die Einstellung erfolgt automatisch, was repetitive Bewegungen weiter verringert.

Die Pipettierhilfe "PIPETBOY GENIUS" © INTEGRA Biosciences

Auch bei der Handhabung größerer Volumina lässt sich auf ergonomische Lösungen zurückgreifen. Serologische Pipettierhilfen wie der "PIPETBOY" ermöglichen das Dispensieren mehrerer Aliquots aus einer einzigen Aspiration. Das entlastet nicht nur die Hände, sondern kann auch eine unbequeme Körperhaltung und visuelle Anstrengung durch ständiges Ablesen vermeiden.

Die Pipetten "MINI 96", "VIAFLO 96" und "VIAFLO 384" © INTEGRA Biosciences

Ein weiterer Ansatz zur Minimierung körperlicher Belastung sind Mehrkanalgeräte mit 96 oder 384 Kanälen. Diese lassen sich über einen Griff und motorisierte Unterstützung ohne Anheben bedienen. Funktionen wie elektronische Spitzenaufnahme und -abwurf sowie die intuitive Steuerung über ein Daumenrad tragen zur Entlastung von Handgelenken und Fingern bei – insbesondere bei hohem Probenaufkommen.

Für vollständig automatisierte Pipettierprozesse stehen kompakte Pipettierroboter zur Verfügung, die sich auf einfache Weise programmieren lassen. Durch die Automatisierung repetitiver Abläufe können manuelle Eingriffe reduziert und körperliche Belastungen langfristig vermieden werden.

Quelle: INTEGRA Biosciences

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