Palaeogenenetik

Skythen brachten ostasiatische Gene nach Europa

Im 1. Jahrtausend vor Christus war die Eurasische Steppe vom Karpatenbecken bis zum Altai-Gebirge von reiternomadischen Gruppen besiedelt. Die bekanntesten unter ihnen sind die Skythen, die im Bereich nördlich des Schwarzen Meeres zu finden waren.

Begräbnis skythenzeitlicher Reiternomaden aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., entdeckt im Kurgan Arzhan-2, in dem ein deutsch-russisches Forscherteam im Jahr 2001 einen spektakulären Goldschatz fand. (Foto/©: Hermann Parzinger)

Die skythische Kultur, zu der neben dem berittenen Bogenschießen auch eine besondere Kunstform, der „Tierstil“ gehört, findet sich allerdings nicht nur im nordpontischen Raum, sondern über die gesamte Eurasische Steppe bis ins Altai-Gebirge wieder. Tatsächlich finden sich die bislang ältesten Artefakte, die dem Tierstil zugeschrieben werden können, im Osten der Eurasischen Steppe.

Wissenschaftler der AG Palaeogenetik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) unter der Leitung von Prof. Dr. Joachim Burger haben sich mit einem internationalen Forscherteam und dem Skythen-Experten Prof. Dr. Hermann Parzinger zusammengetan, um der Frage nach der Verbreitung der skythischen Kultur und dem Ursprung ihrer Träger nachzugehen.

„Die archäologische Forschung enthüllt Verbindungen zwischen den eisenzeitlichen Nomaden-Gruppen über den gesamten Steppenraum, zu erkennen an Bestattungsriten, Kunstobjekten und Waffen. Ob sich die skythische Kultur allerdings nur durch einen Ideentransfer oder durch die Ausbreitung ihrer Träger so weit verbreiten konnte, ist allein aus den materiellen Hinterlassenschaften nicht ersichtlich, hier kann die Paläogenetik weiterhelfen“, erklärt Prof. Dr. Hermann Parzinger, Mitinitiator der Studie.

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Grabhügel der Pazyryk Kultur (Ukok, südliches Altai, Russland). (Foto/©: Vyacheslav Molodin)

„Die Ergebnisse der ersten Untersuchungen zeigen eine genetische Ähnlichkeit der Reiternomaden aus dem Osten und dem Westen der Eurasischen Steppe, die uns wirklich überrascht hat“, sagt Martina Unterländer, eine der Erstautoren der Studie, und fügt hinzu: „Immerhin liegen hier knapp 3000 Kilometer zwischen den untersuchten Populationen.“

Durch den Einsatz von Computersimulationen und die Analyse alter Genome aus Skeletten wollten die Wissenschaftler einen genaueren Blick auf die genetische Vorgeschichte der reiternomadischen Gruppen werfen. „Interessanterweise entstanden die skythischen Bevölkerungen im Osten vor der eigentlichen Skythenzeit aus einer Vermischung westlicher und ostasiatischer Bevölkerungen. Danach entwickelten sich die Skythen im Osten und Westen erst einmal unabhängig voneinander“, erläutert Prof. Dr. Joachim Burger. „Im Anschluss daran fand aber eine genetische Vermischung und auch ein kultureller Austausch über diese immens große Distanz statt.“ Besonders auffällig ist dies, wenn in der Mitte des 1. vorchristlichen Jahrtausends ostasiatische genetische Signaturen in der westlichen Steppe auftauchen.

Rekonstruktion eines skythenzeitlichen Reiters, basierend auf textilen Überresten aus Bestattungen des Ukok Plateaus. (Abb./©: Dimitri Pozdniakov)

Abschließend bemerkt Martina Unterländer: „Die archäologischen und genetischen Hinweise sprechen für eine extreme Mobilität der eisenzeitlichen Reiternomaden, durch die sich die weite Verbreitung der skythischen Kultur ausreichend erklären lässt.“

Veröffentlichung:
Martina Unterländer et al.: Ancestry, demography and descendants of Iron Age nomads of the Eurasian Steppe. Nature Communications, 3. März 2017. DOI: 10.1038/ncomms14615.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Joachim Burger
Institut für Organismische und Molekulare Evolutionsbiologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
E-Mail: jburger@uni-mainz.de
http://palaeogenetics-mainz.de

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