Deutscher Kongress für Laboratoriumsmedizin
Entwicklungen in der Labormedizin
Anlässlich der 18. Jahrestagung der DGKL (Deutsche Gesellschaft für klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e.V.) im Rahmen des Deutschen Kongresses für Laboratoriumsmedizin in Mannheim präsentierten der Präsident der DGKL, Prof. Harald Renz sowie Prof. Bernd Luppa, Dr. Jakob Adler und Prof. Stefan Holdenrieder am 12.10.2023 im Rahmen einer Pressekonferenz spannende und innovative Einblicke in die Entwicklungen des Fachgebietes. Sie verdeutlichen die zentrale Bedeutung der klinischen Chemie und Laboratoriumsmedizin für den Fortschritt der Medizin und damit die Verbesserung der Patientenversorgung.
„Für die Weiterentwicklung der Medizin ist eine präzise Diagnostik unerlässlich, denn sie bildet die Basis für weiterführende Therapien“, so Professor Renz. „Rund zwei Drittel aller klinischen Entscheidungen beruhen auf Ergebnissen von In-vitro-Tests“, verdeutlicht Renz. Mit der Vorstellung des 5-Punkte-Papiers der DGKL hob er die Labormedizin als eine ärztliche Disziplin hervor. Besonders bei der Entwicklung der individualisierten Präzisionsmedizin zeigt sich die Bedeutung der modernen Diagnostik. Renz: „Prävention und Vorsorge stehen zunehmend auch aus sozioökonomischen Notwendigkeiten mehr und mehr im Fokus der Politik“. Ein gegenwärtiger Schub an neuen Methoden und Verfahren, wie die zelluläre und molekularbiologische Diagnostik, sowie neue Ansätze in der patientennahen Labordiagnostik zeigt die Aktualität der Thematik. Zudem spielt die rasante Entwicklung der Digitalisierung, das Fortschreiten der Künstlichen Intelligenz und der Ausbau von Algorithmen eine herausragende und wegweisende Rolle.
Prof. Dr. med. Peter Luppa (leitender Oberarzt am Institut für Klinische Chemie und Pathochemie am Klinikum rechts der Isar der TU München) stellte die rapide Entwicklung der patientennahen Labordiagnostik (Point-of-care-testing, POCT) vor. Neben den bekannten und weit verbreiteten PCR-Schnelltests sind die PoC-NAT-Tests hervorzuheben. Diese Tests basieren ebenfalls auf Nukleinsäure-Amplifikations-Technik (NAT) und können patientennah vor Ort in kurzer Zeit durchgeführt werden. Auch im klinischen Umfeld ist der molekulare Nachweis von verschiedenen Infektionserregern von erheblicher Bedeutung. Deshalb befürworten auch führende Fachgesellschaften die Implementierung von PoC-NAT-Verfahren im Klinikbereich. Professor Luppa hob hervor, dass dabei die medizinisch valide Ergebnisinterpretation und die Qualitätssicherung im interdisziplinären Kontext im Vordergrund stehen. Es sei von entscheidender Bedeutung, sinnvolle von nicht sinnvollen POCT-Verfahren zu unterscheiden und zu definieren, damit die Patientensicherheit an erster Stelle steht.
Einem weiteren topaktuellen Themengebiet widmete sich Dr. Jakob Adler (Facharzt für Laboratoriumsmedizin am Institut für Hämostaseologie und Pharmakologie und am Institut für Medizinische Diagnostik in Berlin): Den vielfältigen und imposanten Einsatzmöglichkeiten von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz in der Labormedizin. Bei bildgebenden Verfahren, Auswertungen von Blutausstrichen oder der Urindiagnostik tragen KI-gestützte Lösungen bereits jetzt dazu bei, Arbeitsabläufe und komplexe Diagnosen zu automatisieren und standardisieren. Aber auch neuere Sprachmodelle wie Chat-GPT könnten zur Auswertung von Datenquellen und der Befundgenerierung eingesetzt werden. Die Herausforderung laut Adler dabei sei, aus den Daten(mengen) neues Wissen zu generieren, neue Erkenntnisse zu Erkrankungen und bisher unbekannte Zusammenhänge im menschlichen Organismus aufzudecken. „Zweifelsohne wird Künstliche Intelligenz die Medizin in Richtung personalisierter Medizin weiter stark befördern“ ist sich Adler sicher. Zu diesem Zweck hat sich die DGKL zum Ziel gesetzt, labormedizinischen Nachwuchs in KI auszubilden. „Nur wenn die Anwender den der KI zugrunde liegenden Algorithmus verstehen, können sie die KI sicher anwenden und die Ergebnisse bewerten“ so Adler.
Prof. Dr. Stefan Holdenrieder (Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Deutschen Herzzentrum München) knüpfte an die stetig wachsenden Anforderungen und damit auch Möglichkeiten der Analysemethoden an und präsentierte Innovationen in der Diagnostik onkologischer und kardiologischer Erkrankungen. Als Begleitdiagnostika sind klinische In-vitro-Labortests zu nennen, die durch die Bestimmung von ein oder mehreren Biomarkern dazu beitragen, die Wirksamkeit beispielsweise einer gezielten Krebstherapie vorherzusagen. „Durch genetische Marker kann der Tumor identifiziert und so das passende Medikament eingesetzt bzw. ungeeignete/unnötige Medikamente weggelassen werden“, so Holdenrieder. Eine wesentliche Neuerung in der Begleitdiagnostik onkologischer Erkrankungen bedeutet nach Auffassung von Holdenrieder das Liquid Profiling – die Diagnostik im Blut zirkulierender Nukleinsäuren (CNAPS). Er ist sich sicher, dass diese Diagnosetechnik schnell den Sprung von einer wissenschaftlichen Forschungsmethode in die klinische Praxis schafft - from bench to bedside.
Ebenso unerlässlich zur schnellen und verlässlichen Interpretation von Biomarkeranalysen sind gültige Referenzwerte. Im Herzzentrum München wurde ein standardisiertes Modell für den Biomarker NT-proBNP entwickelt, welches anhand altersabhängiger Referenzwerte eine bessere Therapiesteuerung bei Kindern mit Herzfehlern ermöglicht. Die vielfältigen Einsatzgebiete der Laboratoriumsmedizin, die durch die Experten der DGKL eindrucksvoll präsentiert wurden, verdeutlichen die Zielsetzung der Fachgesellschaft, die Weiterentwicklung der Laboratoriumsmedizin auf breiter Ebene voranzutreiben.
Quelle: DGKL







