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Artikel und Hintergründe zum Thema

Grundsteinlegung für das Marburg Centre for Epidemic Preparedness

Barbara Schick,

Hochsicherheitslabor für die Marburger Virologie

Am 14. Oktober 2024 wurde bei der Philipps-Universität Marburg im Beisein des Hessischen Wissenschaftsministers Timon Gremmels der Grundstein für das „Marburg Centre for Epidemic Preparedness“ gelegt. Das neue Labor der höchsten Sicherheitsstufe, nämlich BSL-4 (BSL = biosafety level), soll bis Ende 2026 fertiggestellt werden.

Das neue Labor entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem bestehenden BSL-4-Labor auf dem Campus Lahnberge. Der Wissenschaftsrat hatte sich im April 2021 für das Projekt ausgesprochen und den Bau des MCEP zur Förderung empfohlen. Der Bund investiert etwa 19 Millionen Euro in den Forschungsbau, das Land Hessen fördert das Projekt mit rund 27 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für das neue Forschungslabor werden auf etwa 46 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen rund 4,6 Millionen Euro für Erstausstattung und Großgeräte.

Auf dem Campus Lahnberge der Philipps-Universität Marburg wurde der Grundstein für das neue Marburg Centre for Epidemic Preparedness gelegt. Mit dabei waren (von links) Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der Hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels, Thomas Platte (Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen) sowie Prof. Dr. Stephan Becker (Direktor des Instituts für Virologie) und Uni-Präsident Prof. Dr. Thomas Nauss. Sie legten eine Zeitkapsel in den Grundstein des Forschungsbaus. © Markus Farnung

Die Bedeutung dieser Investition in die Zukunft der virologischen Forschung betont Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels: „In einer Zeit, in der globale Gesundheitskrisen uns vor nie dagewesene Herausforderungen stellen, ist die Forschung zu Epidemien und deren Prävention von zentraler Bedeutung für uns alle. Das „Marburg Centre for Epidemic Preparedness“ wird als Zentrum für herausragende wissenschaftliche Arbeit und innovative Forschungslösungen dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft gegen zukünftige Epidemien zu erhöhen. Mit der heutigen Grundsteinlegung für das MCEP markieren wir nicht nur den Beginn eines neuen Bauprojekts, sondern symbolisieren auch den Aufbruch in eine neue Ära der Gesundheitsforschung, und schaffen für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre wichtige Arbeit den dringend benötigten Raum an Forschungsflächen mit den entsprechend modernen Technologien.“

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Epidemien vorbeugen und bewältigen

Universitäts-Präsident Prof. Dr. Thomas Nauss dankte dem Bund und dem Land Hessen für die großzügige Unterstützung. „Ich freue mich sehr, dass die Spitzenforschung an hochpathogenen Viren, die hier in Marburg seit vielen Jahren höchst erfolgreich geleistet wird, diese Anerkennung erhält. Die Förderung ermöglicht es der Marburger Virologie auch in den kommenden Jahren auf höchstem Niveau mit Grundlagenforschung und Transfer zur Bewältigung großer epidemischer Krisen beizutragen.“

70 Prozent der Baukosten für die technische Ausstattung

Der Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH), Thomas Platte betont: „Der anspruchsvolle Neubau des Hochsicherheitslabors stellt sozusagen eine ‚Haus-im-Haus-Bauweise‘ dar. Im geplanten Gebäude wird ein extra abgeschlossener Laborbereich realisiert, der für maximale Sicherheit ausgelegt ist – analog zur Konstruktion des seit fast zwei Jahrzehnten ohne Zwischenfälle betriebenen BSL-4-Labors in unmittelbarer Nachbarschaft. Dabei fließen etwa 70 Prozent der Gesamtbaukosten in die dafür erforderliche technische Ausstattung. Das Projekt ist für die Wissenschaft von großer Bedeutung. Besonderer Dank gilt daher allen Beteiligten, die den Bau mit ihrem Engagement und ihrer Expertise vorantreiben.“

Das bestehende Hochsicherheitslabor (BSL 4-Labor) erreichte besonders in Zeiten von Virusausbrüchen aufgrund einer drastisch gestiegenen Anzahl an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten seine räumlichen Kapazitäten. Neue Technologien erfordern zusätzlichen Raum und der wachsende Bedarf an Mitarbeitenden, die unter diesen Bedingungen arbeiten können, hat den Platzbedarf weiter erhöht.

„Die neuen Räume und die bessere Geräteausstattung sind eine wesentliche Grundlage, um unsere Forschung weiter voranzubringen“, betont der Leiter des Marburger Instituts für Virologie, Prof. Dr. Stephan Becker. „Diese Investition in die Zukunft der virologischen Forschung ermöglicht es uns künftig auf dem neuesten technischen Stand und unter verbesserten Bedingungen an epidemischen und pandemischen Viren zu forschen. Das neue Labor wird auch dazu beitragen, dass wir besser auf gesundheitliche Notlagen vorbereitet sind.“

Zu Gebäudeplanung und -technik

Mit dem neuen Laborgebäude stehen den Forschenden künftig rund 400 Quadratmeter Laborfläche zur Verfügung. Das Labor selbst nimmt eine Etage ein, die weiteren Stockwerke sind den aufwendigen technischen Anlagen der Laborinfrastruktur vorbehalten. Photovoltaikmodule auf dem Dach und an den Ost- und Südfassaden tragen dazu bei, dass die Stromversorgung des Gebäudes in möglichst hohem Maß durch erneuerbare Energiequellen gesichert wird.

Das neue Laborgebäude wird zum Schutz von Beschäftigten und Umwelt nach den Anforderungen der geltenden Sicherheitsverordnungen und nach Universitätsangaben auch auf dem neuesten Stand der Technik ausgeführt. Sämtliche Arbeitsbereiche sind dann so konzipiert, dass bei etwaigen technischen Störungen alle wichtigen Systeme weiterlaufen können und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschützt sind. Die Arbeit der Forschenden findet im sog. Containment-Bereich in Vollschutzanzügen mit externer Luftversorgung statt.

Für den Entwurf zeichnet das Stuttgarter Büro HWP Planungsgesellschaft verantwortlich. Die Projektleitung und -steuerung übernimmt der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH). Das bestehende BSL-4-Labor soll nach der Fertigstellung des Neubaus nach langjährigem Betrieb generalüberholt und anschließend weiter für die Forschung genutzt werden.

Hintergrund: Erforschung hochpathogener Viren

Im Jahr 1967 führte der Ausbruch eines von Affen übertragenen und für den Menschen tödlichen Virus  (Marburg-Virus) dazu, die Erforschung von hochpathogenen Viren an der Universität Marburg fest zu etablieren und in den folgenden Jahrzehnten konsequent auszubauen.

Zahlreiche hochpathogene Viren haben ihren Ursprung häufig im Tierreich und können nach Übertragung auf Menschen (Zoonosen) schwere und auch tödlich endende Erkrankungen auslösen. In jüngster Zeit kommt es vermehrt zu Virusepidemien und -pandemien, die durch teilweise neuartige, zoonotische Viren ausgelöst werden (z.B. Ebola-Virus, Zika-Virus, MERS- und SARS-Coronavirus).

Hochpathogene Viren dürfen nur in Forschungsgebäuden der höchsten biologischen Sicherheitsstufe untersucht werden. In diesen Laboren wird unter Vollschutz mit von außen belüfteten Sicherheitsanzügen gearbeitet, so dass die Infektionsgefahr für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler minimiert wird. In solch einem Labor herrscht permanent ein Unterdruck, und es ist mit einem umfangreichen System der Abwasser- und Abluftdekontamination ausgestattet, damit von dort keine Gefahr für die Umwelt ausgeht. Nach Angaben der Universität Marburg sind von den insgesamt vier deutschen BSL-4-Laboratorien drei an Bundes- bzw. Landesministerien angesiedelt, nur das Marburger Labor wird von einer Universität betrieben.

Auf einen Blick: Das geplante MCEP in Zahlen

  • Baubeginn: 04/ 2024
  • Geplante Inbetriebnahme: Ende 2026
  • Baukosten: rund 46 Millionen Euro
  • Gerätekosten und Erstausstattung: rund 4,6 Millionen Euro
  • Laborfläche: rund 400 Quadratmeter
  • Nutzfläche: rund 830 Quadratmeter

Quelle: Philipps-Universität Marburg

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