Fachbeitrag

Kauf ohne Reue

Labormessgeräte richtig auswählen

Peter Greif*)

  1. Hufelandstr. 94, 51061 Köln, E-Mail: peter.greif.pg@web.de


Beim Kauf von Labormessgeräten steht der Anwender vor der Frage, welches Gerät für ihn das Richtige ist. Jeder Hersteller preist seine Geräte grundsätzlich als die Besten an. Wenn sich der Anwender über die messplatzspezifischen Wünsche im Klaren ist und die Produkteigenschaften kennt, kann er bei Beachtung einiger Grundsätze das richtige Labormessgerät auswählen.

Die angebotene Vielfalt an Labormessgeräten und Sensorelementen in den Bereichen Arbeits- und Umweltschutz (Gaswarngeräte), pH-Messung, Leitfähigkeits-Messung, Messung des Sauerstoffgehaltes, Titrationsanlagen usw. stellt den Anwender oftmals vor das Problem, das für ihn optimale Gerät auszuwählen. Glaubt man den Informationen der Hersteller, besitzen die Messgeräte und Sensorelemente jeweils die besten Eigenschaften für viele Anwendungsfälle im Laborbereich, und nur ihre Produkte sind die Besten. Hier fängt das Problem an, denn sehr schnell hat man ein Labormessgerät mit Sensorelementen gekauft, um es später zu bereuen.

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Oftmals werden die Möglichkeiten des Laborgerätes nicht ausgeschöpft, und mit der Bedienung ist man überfordert. In vielen Anwendungsfällen wären einfachere Geräte mit weniger Komfort die sinnvollere Lösung. Deshalb sollte jeder verantwortungsvolle Käufer von Gaswarn- und Labormessgeräten vor dem Kauf einige Punkte beachten, welche nicht nur Geld sparen helfen, sondern die Effektivität des Messplatzes deutlich steigern können

Der Beginn: Erstellen eines Lastenheftes

Labormessgeräte und Sensorelemente sollten auf die Anforderungen und Betriebsbedingungen eines jeden Anwendungsfalles abgestimmt werden. Vor dem Kauf sollte man sich darüber klar sein, was und wie man überhaupt messen möchte. Hilfreich ist es, alle diese Punkte aufzuschreiben. Dabei sind wichtige Kriterien:

  • Welches Produkt soll gemessen werden?
  • Vor Ort, im Becherglas oder im Durchfluss?
  • Probengröße?
  • Temperaturanforderung?

Von der Art des Einsatzes, ob ortsveränderlich (im Labor- und Prozessbereich) oder als Standgerät, ist die Wahl der Spannungsversorgung abhängig. Hierbei wird zwischen batterie- und netzbetriebenen Laborgeräten unterschieden. Für die Industrie ist auch der Ex-Schutz ein wichtiger Punkt. Hieran knüpft sogleich die Frage zur Ausgabe des Messergebnisses an:

  • Ist nur eine Anzeige nötig, soll registriert oder geregelt werden?
  • Welche Ausgangssignale werden benötigt?
  • Soll die Möglichkeit der PC- oder Drucker-Anbindung gewährleistet sein?
  • Anzeige: LCD-, LED-, IR- oder Analog-Anzeige?

Sollten zum Beispiel Tendenzen frühzeitig erkannt werden, ist eine Analog-Anzeige unbedingt zu empfehlen. Wird aufgrund häufiger Messungen eine Automatisierbarkeit der Messeinrichtung gewünscht, d.h. soll das Messgerät heute oder in Zukunft in eine Datenverwaltung eingebunden werden? Beachten Sie dabei die Kompatibilität der Software zur vorhandenen Labor-EDV. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage der Qualitätsrelevanz der Messung zu beachten. Bei Labormessgeräten mit Schnittstelle (etwa RS 232) sollte aus diesem Grund das Datenangebot umfassend und übersichtlich dargestellt sein. Die Kontaktierung und der Messaufbau der Sensorik sollten so ausgeführt sein, dass sich Sensoren unterschiedlichster Hersteller anschließen lassen. Eine Begrenzung der Sensorelemente nur auf den Hersteller des Labormessgerätes ist in vielen Fällen ungünstig, da für den einen oder anderen Messauftrag ein anderer Sensor besser wäre (beispielsweise bei der pH- und Leitfähigkeits-Messung). Bei der Kontaktierung am Messgerät sollte auf eine Steckverbindung Wert gelegt werden, welche einen guten Standard und der Norm im eigenen Betrieb entspricht.

Eine Vielzahl verschiedener Steckverbindungen bringt Probleme in der Ersatzteilhaltung (zu hohe Kosten) und der Austauschbarkeit mit sich. Eine Einigung der Messgeräte- und Sensorelemente-Hersteller zu gleichen Steckverbindungen wäre wünschenswert und hilfreich. Die Steckverbindung muss robust, dicht, beständig gegen äußere Einwirkungen und sicher in der Kontaktierung sein. Das Kontaktierungs-Material der Steckverbindungen sollte vorzugsweise hartvergoldet sein, um Korrosion auszuschließen.

Empfehlenswert: Geräteerprobung

Gute Bedienbarkeit (große Sensor-Tasten, übersichtliche Anordnung, vernünftige Anzeige), sicheres Gehäuse (dicht gegen Produkteintritt, Schutzartzulassung) und futuristisches Design sind auch nicht zu vernachlässigen. Bei der Kalibrierung von Labormessgeräten (Gaswarn-, pH-, konduktometrische Messgeräte, Sauerstoff-Messung usw.) ist die Unterstützung durch Mikroprozessoren heute selbstverständlich. Das Gerät sollte deshalb eine einfach zu handhabende Menüführung anbieten. Auch sollte eine kurze, sich auf die wesentlichen Dinge beschränkende Bedienungsanweisung vorhanden sein. Die problemlose Bedienung bei der Messung oder Kalibrierung ist eine grundsätzliche Anforderung. Um langes und mühsames Fehlersuchen zu vermeiden, sind klare Fehlermeldungen auf der Anzeige wünschenswert.

Bei der Kalibrierung sollte die Information der Daten vollständig sein, damit auch Informationen über die Sensordaten abgelesen werden können. Bei der pH-Messung zum Beispiel wären dies die Werte pH, mV und Temperatur, Messketten-Nullpunkt und Messkettensteilheit.

Hat man seine speziellen Anforderungen in einem Lastenheft zusammengestellt, ist man in der Lage, aus der Vielzahl des Angebotes die in Frage kommenden Geräte auszuwählen. Nach dieser Vorauswahl empfiehlt es sich, diese Geräte vom Hersteller leihweise zur Erprobung anzufordern, um sie zu testen.

Hilfreich ist es oft auch, mit den Informationen des Lastenheftes einen kompetenten Fachmann aufzusuchen. Hier bekommt man unabhängige, fachliche Auskunft über den Stand der Technik und die richtige Empfehlung für den Messaufbau. In der Industrie sind betriebsinterne Fachlabore der richtige Ansprechpartner. Sie informieren und beraten kundenspezifisch.

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