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Artikel und Hintergründe zum Thema

Dicke Luft in Kletterhallen

Barbara Schick,

Partikel aus Abrieb von Kletterschuhen untersucht

Forschende der Universität Wien und der EPFL Lausanne haben in einer aktuellen Studie nachgewiesen, dass sich in der Luft von Boulderhallen hohe Konzentrationen potenziell gesundheitsgefährdender Chemikalien aus Kletterschuhsohlen befinden, teilweise höhere als an einer stark befahrenen Straße. Die Schuhe enthalten ähnliche Gummimischungen wie Autoreifen – inklusive jener Zusatzstoffe (Additive), die in Verdacht stehen, Mensch und Umwelt zu schädigen. Der Gummiabrieb von Kletterschuhen kann in die Lungen der Sportlern und Sportlerinnen gelangen. "Die Sohlen von Kletterschuhen sind Hochleistungsprodukte, genau wie Autoreifen", erklärt Anya Sherman, Erstautorin der Studie und Umweltwissenschafterin am Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft (CeMESS) der Universität Wien. "Additive sind spezifische Chemikalien, die diese Materialien widerstandsfähiger und haltbarer machen, sie sind wesentlich für deren Funktion."
© Aaron Kintzi/CeMESS

Sherman und Thibault Masset von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), die beide gern in ihrer Freizeit klettern, hatten die Idee, das Gummi ihrer Kletterschuhe mit den wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen, die sie für die Analyse von Autoreifen verwenden. "Wir kannten die schwarzen Rückstände auf den Griffen in Kletterhallen, den Abrieb der Schuhsohlen. Kletterer wischen diesen für besseren Halt weg und wirbeln ihn dadurch in die Luft", fügt Sherman hinzu.

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Mit Hilfe eines sog. Impinger-Partikelmessgeräts sammelte Sherman in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe von Professor Lea Ann Daily Luftproben in fünf Boulderhallen in Wien. Das Impinger-System zieht Luft mit 60 Litern pro Minute ein und trennt die Partikel, wie sie auch in die menschliche Lunge gelangen würden. Weitere Proben für die Studie, die in Zusammenarbeit mit der EPFL Lausanne erfolgte, stammen aus Boulderhallen in Frankreich, Spanien und der Schweiz.

Hohe Luftbelastung

"Die Belastung in der Luft der Boulderhallen war höher, als wir erwartet hatten", sagt Studienleiter Thilo Hofmann, Professor für Umweltgeowissenschaften am Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft an der Universität Wien. Besonders auffällig: Wo viele Menschen auf engem Raum klettern, war die Konzentration an Gummiabrieb besonders hoch. Hofmanns Fazit: "Die Werte, die wir gemessen haben, gehören zu den höchsten, die bisher weltweit je dokumentiert wurden, vergleichbar mit mehrspurigen Straßen in Megastädten."

Das Team fand in 30 untersuchten Schuhpaaren teilweise dieselben Chemikalien wie in Autoreifen: Unter den 15 im Gummimaterial der Schuhe gefundenen Additiven befand sich auch 6PPD, ein Stabilisator, dessen Umwandlungsprodukt mit Lachssterben in Gewässern in Verbindung gebracht wird. Was das für die menschliche Gesundheit bedeutet, ist noch unklar. Doch: "Diese Stoffe gehören nicht in die Atemluft", so Hofmann. "Es ist sinnvoll zu handeln, schon bevor wir alle Risiken genau kennen, gerade mit Blick auf empfindliche Gruppen wie Kinder."

Sherman betonte hier die Bedeutung, eine möglichst gesunde Umgebung in der Kletterhalle zu schaffen, beispielweise durch bessere Lüftung, Reinigung, das Vermeiden von Stoßzeiten und den Einkauf von Kletterschuhen, die weniger Additive enthalten. "Essenziell ist ein Umstieg auf schadstoffärmere Sohlenmaterialien", so Hofmann. Die Hersteller seien sich derzeit der Problematik zu wenig bewusst. In ihren Sohlen, deren Gummi sie zukaufen, befindet sich ein Cocktail an unerwünschten Chemikalien. Die Forschung werde nun weiter klären, wie sich die Stoffe auf den menschlichen Körper auswirken.

Publikation:
Anya Sherman, Thibault Masset, Lukas Wimmer, Leah K. Maruschka, Lea Ann Dailey, Thorsten Huffer, Florian Breider, and Thilo Hofmann: The Invisible Footprint of Climbing Shoes: High Exposure to Rubber Additives in Indoor Facilities; ACS EST Air 2025, https://doi.org/10.1021/acsestair.5c00017

Quelle: Universität Wien

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