Das Porträt

Das Porträt

9 Fragen an Martin Schyga, Sartorius AG

Was reizt Sie (besonders) an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Sich in einem kaum wachsenden Markt mit einem starken Wettbewerber zu messen und Konzepte zu entwickeln, um die Herausforderungen der Zukunft besser zu meistern als dieser. Dabei ist es besonders reizvoll, in einem global aufgestellten Unternehmen und mit einem internationalen Team die Balance zu finden zwischen möglichst viel globalen Gemeinsamkeiten und dem unbedingt nötigen Maß an regionaler Adaption.

Welche Ziele haben Sie sich in nächster Zeit und für die weitere Zukunft gesetzt?

Ziel ist es, schneller zu wachsen als der Wettbewerb und dabei die notwendige Profitabilität zu erwirtschaften, die uns den Spielraum zu aktivem Handeln gibt. Wir möchten Know-how so in technologischen Vorsprung umzusetzen, dass wir langfristig unsere Arbeitsplätze in Deutschland sichern. Ferner ist es unabdingbar, mit unseren Produkten ganz nah am Kunden zu sein, die Zusammenarbeit mit ihnen zu intensivieren und ihre Gesamtprozesse zu analysieren (vor und nach der Waage) und ganzheitliche Problemlösungen für das Labor zu entwickeln.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Sie?

Laborwaagen sind heute nicht mehr das sorgsam und pfleglich gehütete Schätzchen früherer Jahre, sondern ein Werkzeug, dessen Höchstleistungen gar nicht mehr als solche wahrgenommen werden. Hieraus ergeben sich für uns 2 Herausforderungen:

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Zum einen ist es mir wichtig, Trends und Kundenbedürfnisse von morgen zu erkennen und durch die Entwicklung interessanter Produkte neues Marktpotenzial zu erschließen.

Zum anderen liegt eine Herausforderung im Vertrieb: Auch Lieferzeit ist heute beispielsweise ein entscheidender Erfolgsfaktor geworden. Der Kunde wartet nicht unbedingt (wie früher einmal) auf sein Produkt, sondern möchte es nach seiner Kaufentscheidung am liebsten schon am nächsten Tag geliefert sehen. Deshalb geht es zum anderen auch darum, gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern die Vertriebswege für diese Produkte zu optimieren.

Insgesamt betrachtet, sind wir hier auf gutem Wege: Über die Auszeichnung des „Best Innovator“, die Sartorius kürzlich in der Kategorie „Time to Profit“, zugesprochen wurde, dürfen wir deshalb auch ein wenig stolz sein.

Was halten Sie für Ihre größten Stärken und Schwächen?

Ich hatte das Glück immer Vorgesetzte zu haben, die mir beigebracht haben, mich in die Situation des Kunden zu versetzen und all unsere Angebote aus seiner Sicht zu sehen. Sich aus den eigenen Lösungsansätzen zu befreien und das Kundenproblem „lösungsneutral“ zu beschreiben, halte ich für meine Stärke. Dies ist – in Verbindung mit dem spezifischen technologischen Know-how des eigenen Unternehmens – die Basis innovativer Produkte und Problemlösungen. Meine nicht sehr stark ausgeprägte Detailverliebtheit ist sicher eine Schwäche, allerdings hatte ich auch immer Mitarbeiter im Team, die dieses kompensiert haben.

Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Deutschland?

Insgesamt ist die Stimmung schlechter als sie sein müsste. Statt zu versuchen, Tatsachen zu negieren und sich diesen entgegenzustellen, ist es nötig auch die Chancen zu erkennen, die Deutschland selbst als Hochlohnland hat. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine so gut ausgebildete Menge von Arbeitnehmern – und wenn wir dieses Potenzial richtig nutzen, können wir mit neuen Technologien und in anderen Stammmärkten als früher zu alter Stärke zurückfinden.

Wie wird sich die Wirtschaft in Deutschland entwickeln?

Da bin ich sehr zuversichtlich. Die Bereitschaft der Arbeitnehmer sich zu verändern ist mittlerweile durchaus gegeben; der größte Teil der Manager ist nicht mehr geprägt von Aufbaujahren mit stetigem Nachholbedarf, sondern durch die stetige Bereitschaft flexibel auf Marktgegebenheiten zu reagieren, zu verändern und neue Konzepte zu entwickeln. Wenn dann auch in der Politik die Bereitschaft zu Veränderungen erkennbar ist, diese sehe ich durchaus, sollte uns um die deutsche Wirtschaft nicht bange sein.

Was sind die größten Risiken/Risikofaktoren?

Trägheit und Beharrungsvermögen – in der Politik, im ­Management und der Arbeitnehmerschaft.

Wo liegen die Märkte der Zukunft?

Neben China sehe ich die größten mittelfristigen Wachstumspotenziale derzeit in Indien. Aber auch in der Erweiterung der EU nach Osten sehe ich erhebliches Potenzial.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie unseren Lesern mitteilen möchten?

Als Hobbymusiker möchte ich mit einem Song von Jimmy Cliff antworten: „You can get it if you really want, but you must try, try and try!“

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