Unternehmensgründung ist kein einfacher Weg

Versuch, Irrtum, Erfolg

Deutschland steht 2016 gut da: fast 43 Mio. Erwerbstätige, knapp 77000 neue Patentanmeldungen, steigende Exportzahlen, und die Wirtschaft soll weiter brummen. Aber wie so oft im Leben hat jede Medaille ihre zwei Seiten: In diesem Fall gibt es zu wenige Neugründungen.

Im Jahr 2015 wurden knapp 125 000 Betriebe neu gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen. In Zahlen sind das 0,6 % mehr als im Jahr 2014. Schlechter sieht es allerdings bei den neu gegründeten Kleinunternehmen aus: Deren Zahl ging um 5,8 % auf rund 198 000 zurück. Das passt zum bundesweiten Trend, denn insgesamt sank die Gesamtzahl der Gewerbeanmeldungen im Jahr 2015 auf knapp 707 000, was 2,1 % weniger als 2014 entspricht.

Auch die Zahl der gewerblichen Existenzgründungen ging zurück: So lag sie im Jahr 2015 bei etwa 298 500. Was einem Minus von rund 11 300 entspricht bzw. 3,7 % weniger als im Vorjahr und der fünfte Rückgang seit 2011 ist.

Weniger Neugründungen: ein Erklärungsversuch
Ist ein Volk (scheinbar) satt, wird der Einzelne bequem. Sucht sich einen sicheren und bequemen Hafen, also einen Arbeitsplatz mit festem Gehalt und bezahltem Urlaub. Im Umfeld von Unternehmensgründungen zeigt sich dann der Schatten, den die eigentlich wachsende Wirtschaft wirft: sinkende Gründerzahlen, kaum noch interessante Start-ups, dadurch weniger Innovationen und dadurch der drohende Effekt inklusive Angst, weltweit den Anschluss zu verlieren. In diesem Moment schweift der Blick meist gen USA, wo Internetunternehmen wie Google oder Einzelunternehmer wie Elon Musk zum Beispiel der deutschen Automobilindustrie nicht erst seit gestern das Leben schwer machen.

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Bild 1: Gewerbliche Existenzgründungen (Quelle: IfM Bonn).

Life Science braucht Wagemut
Günter Steffen, Fondsmanager beim Zukunftsfonds Heilbronn, sieht aber mehr als diese deutsche Vorzeigeindustrie. Er ist Experte für die zukunftsträchtige Life-Science-Branche, begleitet auch den zweiten Life Science Management Kongress im Oktober 2016 in Heilbronn (siehe auch http://www.lifescience-heilbronn.de) und freut sich auf viele neugierige Teilnehmer.

Worauf Neugründer in diesem hochspannenden Bereich der biomedizinischen Industrie achten sollten, fasst der Experte – selbst mit viel Erfahrung im Kontext Neugründung und Life Science ausgestattet – prägnant zusammen: „Überzeugt sein von der eigenen Idee. Bereit sein, Opfer zu bringen – privat, beruflich und finanziell. Den Bedarf ermitteln und den Markt gründlich erproben. Einen Partner mit einer anderen Sicht und Begabung an der Seite haben, denn ein wissenschaftliches und ein marktorientiertes Talent ergeben ein prima Paar. Und natürlich die Finanzierung sicherstellen – und zwar eine mit einem langen Atem.“ All diese Aspekte stehen aber immer in einem noch größeren Kontext, und der lautet: Ab wann ist das Produkt verkäuflich?

Groß, stark und finanzsicher werden
Das Thema Verkäuflichkeit interessiert natürlich auch potenzielle Investoren. Erfreulicherweise gibt es zum Top-oder-Flop-Kriterium „Finanzierung“ Fortschritte in Deutschland: Zum einen existiert nach wie vor der High-Tech-Gründer-Fonds als größter hiesiger Investor (siehe Bild 2). Zum anderen gibt es immer mehr Business-Angels-Netzwerke, genauso wie steigendes Venture Capital mit dem notwendigen langfristigen Horizont.

Bild 2: Der High-Tech-Gründer-Fonds ist der größte hiesige Venture-Capital-Investor (Grafik: PitchBook).

So beliefen sich die Risikokapital-Investitionen 2015 in Deutschland gegenüber 2014 immerhin auf 900 Mio. Dollar, was einem Plus von 30 % und einer Gesamtsumme von 3,9 Mrd. Euro entspricht. Ein Vergleich mit den USA zeigt Deutschland allerdings wieder seine Grenzen auf: Dort haben Investoren allein im Silicon Valley im vergangenen Jahr insgesamt knapp 34 Mrd. Dollar in fast 2000 Deals gesteckt.

Föderalistische Strukturen hemmen
Warum derartige Summen bzw. Förderun-gen hierzulande nicht in dem Umfang funktionieren wie jenseits des Atlantiks, ist auf unterschiedliche Strukturen und föderale Eigenarten zurückzuführen. „Bayern ist hier als Vorbild zu nennen, hat viele Milliarden zum Beispiel in Finanzierungsgesellschaften gesteckt, die nun von cleveren Unternehmensgründern zurückkommen. Baden-Württemberg ist eher im Mittelfeld, Thüringen und Brandenburg spielen in der unteren Liga – obwohl dort viele Menschen mit tollen Ideen sitzen“, berichtet Fondsmanager Günter Steffen aus seinem Alltag. Einen Anreiz für großzügigere und mehr Fördermittel wären an dieser Stelle steuerliche Erleichterungen für die Geldgeber. Eine Idee, um Risikobereitschaft zu unterstützen: Verluste von der Steuer absetzbar machen. Und mit dem eingesetzten Kapital lassen sich weitere Cluster mit sicherem Wachstum schaffen, die als Keimzellen überlebensfähig sind und Wirtschaftsregionen langfristig voranbringen.

Lang lebe das Disruptive!
Die Zeichen der Zeit erkannt haben auch die Unternehmen im Heilbronner Zukunftspark, wo z.B. unter dem Dach der Xenios AG mit der Entwicklung einer künstlichen Lunge ein weltweites Alleinstellungsmerkmal und eine echte Nachfrage geschaffen wurde – und das, obwohl die Region Heilbronn zuvor wenig medizintechnikaffin war. Es gilt also: Deutschland braucht Treiber. Keine Getriebenen. Denn der alte Weg ist tot. Es gibt so viele disruptive Innovationen, die alles auf den Kopf stellen und etablierte Produkte, Dienstleistungen und Unternehmen verdrängen werden. Genau jetzt. Und wer das erleben will, sollte mutig sein. Und Neues wagen.

Sarah Meixner

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