Editorial
Treibstoffe der Bioökonomie
Bioethanol und -diesel sind – liebe LABO-Leserinnen und -Leser – nach wie vor die eigentlichen „Treibstoffe“ der Bioökonomie. So macht allein Ethanol rund 90 % der in Bioraffinerien durch Fermentation erzeugten Produkte aus. Weltweit wurden davon 2013 etwa 100 Billionen Liter destilliert (USA: 50, Brasilien: 25, Europa: 5, Deutschland: 0,85). Da meistens Mais als Rohstoff eingesetzt wird, gibt es bis heute die „Teller-oder-Tank“-Debatte, denn Mais ist für viele Menschen ein Grundnahrungsmittel.
Etwas entschärfen lässt sich die Diskussion vielleicht durch folgende Zahlen: Von den rund 1500 Millionen Hektar urbaren Landes weltweit werden nur 1,7 % für die Ethanolgewinnung verwendet. Bis 2020 sollen es 4,4 % werden. Doch diese Prognose ist ziemlich wackelig. Denn inzwischen werden Bioraffinerien der 2. Generation gebaut, die als Substrate Reststoffe aus der Land- und Forstwirtschaft wie Stroh und Holz, also Cellulose, nutzen. Die großen Anlagen wurden und werden aber nicht in Deutschland gebaut.
Wie übrigens gerade der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft mitteilte, ist der Absatz von Super E10 im Jahr 2014 um 2,9 % gestiegen und hat einen Anteil von 15,1 % am Benzinmarkt erreicht. Insgesamt wurden davon 2,84 Millionen Tonnen verkauft.
Ethanol wird allerdings nicht nur für den Tank produziert – zum Verbrennen ist es eigentlich auch zu schade. Denn aus ihm lassen sich viele andere Grundchemikalien synthetisieren – eine mögliche Basis für den Ausstieg aus der erdölabhängigen Wirtschaft. Während die Bioethanolproduktion also weltweit weiterhin boomen wird, sieht es beim Biodiesel etwas anders aus.
2013 betrug die Weltjahresproduktion rund 18 Milliarden Liter (die sechs größten Produktionsländer waren Amerika: 4,8, Deutschland: 3,1, Brasilien: 2,9, Argentinien: 2,3, Frankreich: 2, Indonesien: 2). Durch den Rückgang der steuerlichen Förderung seit Januar 2013 sank allerdings sein Einsatz als Reinkraftstoff in Deutschland erheblich. Hierzulande wird Biodiesel zumeist aus Raps hergestellt, der auf etwa einer Million Hektar Ackerfläche wächst. In Südostasien dagegen wird er hauptsächlich aus Palmöl gewonnen und das in zunehmendem Maße, weshalb Tropenwälder sterben, was berechtigterweise zu Protesten von Naturschützern führt.
Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: Denn an der nächsten Generation von Biotreibstoffen wird schon weltweit mit Hochdruck gearbeitet. Algen heißt das Zauberwort. Sie brauchen zum Wachsen fast nur Luft und Licht, verbrauchen keine Ackerflächen, sondern werden in Bioreaktoren gezüchtet, und sie lassen sich auf die Produktion bestimmter Öle genetisch optimieren. Erste Flüge mit Kerosin aus Algen gab es ja schon!
Was bei Flugzeugen nicht gelingen kann, ist beim Auto längst Stand der Technik. Und wenn Elektroautos ihren Strom hauptsächlich aus erneuerbaren Energien wie Windkraft- oder Photovoltaik-Anlagen beziehen, dann ist die „Tank-oder-Teller“-Diskussion endgültig beendet.
Dr. Hans-Jürgen Hundrieser, Chefredakteur LABO










