Interview

Dr. Stavros Kromidas

Der promovierte Chemiker Stavros Kromidas arbeitet seit den 1980er Jahren auf dem Gebiet der Analytik mit Schwerpunkt HPLC und Validierung und hat zahlreiche Trainingskurse und Workshops geleitet. Er ist Autor unserer regelmäßigen HPLC-Tipps sowie einer Reihe außerordentlich erfolgreicher Bücher.

Dr. Stavros Kromidas

LABO-Redaktion:
Herr Dr. Kromidas, dem- nächst werden Sie 60 Jahre jung, sicher ein guter Anlass, etwas zurück zu blicken. Wie und wann kamen Sie denn auf die Idee, sich mit der Firma Novia als Seminaranbieter selbstständig zu machen und sich auf die HPLC zu spezialisieren?

Dr. Kromidas:
Ich war Verkaufsleiter bei Waters. Man lernte viel dabei, der Erfolg trat ein, und es machte auch richtig Spaß. Management ist jedoch de facto fremdgesteuert, letztendlich gilt es lediglich, Zahlen zu liefern. Und das befriedigte mich auf die Dauer nicht. Für die Freiheit, das zu machen, was ich möchte, und was ich als sinnvoll erachte, war ich bereit, Risiken einzugehen. Also wählte ich die Selbstständigkeit, das war vor 25 Jahren. HPLC war naheliegend, ich verstand etwas davon. Den HPLC-Vertrieb kannte ich ja, Wissensvermittlung war mir jedoch wesentlich lieber als Verkaufsoptimierung. Trainings und größere Veranstaltungen anbieten, ohne dabei bestimmte Produkte zu bewerben, war mein „Produkt“ – damals ein Novum für einen selbstständigen Chemiker. Und ein wenig Forschung darf´s auch sein. Diese Flexibilität und Unabhängigkeit habe ich genossen und tue es weiterhin.

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LABO-Redaktion:
Was waren seitdem die Ihrer Meinung nach wichtigsten Entwicklungen auf dem Gebiet der HPLC und wie hat sich die HPLC-Anwenderschaft entwickelt?

Dr. Kromidas:
Die wichtigsten Entwicklungen aus meiner Sicht würde ich in folgende drei Punkte zusammenfassen wollen:

1. Die letzten Dekaden haben eine enorme technische Verbesserung der Geräte hervorgebracht, die heutigen Spezifikationen sind beeindruckend. Nur: Die Wenigsten brauchen ein Rennpferd – obschon ein solches ein tolles Tier ist. Ein Arbeitspferd – lieb, robust, zuverlässig, anspruchslos und nicht zuletzt „Kosten-sympathisch“ – mag oft die bessere Alternative sein. Es sei denn, ich will ein Rennen gewinnen: Das enorme Potenzial und die Flexibilität von modernen UHPLC- bzw. UHPLC-MS/MS-Geräten wird eher von wenigen Anwendern genutzt. Das sind solche, die mehr als 60…80 recht ähnliche Komponenten trennen müssen.

2. Wirtschaftlicher Druck bedingt sehr kurze Lebenszyklen von Säulenmaterialien und Geräten: Nach Einführung eines Produktes vor zwei Jahren spricht einerseits der Hersteller bereits heute vom „alten“ Produkt, welches alsbald von dem neuen der „nächsten Generation“ abgelöst wird, andererseits freut sich ein Laborleiter just jenes „neue“ Produkt bald kaufen zu können, was er vor knapp zwei Jahren auf der Analytica gesehen hat.

3. Die HPLC-Anwenderschaft hat sich merklich geändert: Früher war es das Ziel, Zusammenhänge zu verstehen, um mit dem erlangten Wissen eine „bessere“ HPLC machen zu können. Man ist heute sehr stark Ergebnis-orientiert – ich erlebe eine Verschiebung des „Warum“ zu „Wie“ nach dem Motto: „Zeig´ mir genau, wie ich eine Methode „schreiben“ kann, um schnell reproduzierbare Ergebnisse zu bekommen“. Daher versuche ich, Aspekte des „Warum“ in konkrete Empfehlungen für die Praxis einfließen zu lassen. Ferner arbeite ich an neuen Konzepten der Wissensvermittlung.

LABO-Redaktion:
Wo sehen Sie noch die größten „Hausaufgaben“ für die Geräte- und Säulenhersteller, und wohin gehen die Trends in der HPLC?

Dr. Kromidas:
Die Hausaufgaben der Hersteller liegen darin, weiterhin flexible und auch robuste Geräte zu entwickeln. Zum einen geht es um die Steigerung der Produktivität und um Automatisierung. In Routinebereichen sind sehr leistungsfähige, automatisierte und robuste „Black-Boxes“ gefragt, an denen Tausende Proben abgearbeitet werden, ferner sollen auch möglichst viele Schritte der Probenvorbereitung integriert sein. Zum anderen sind Flexibilität sowie das Erzeugen umfassender Information in kurzer Zeit gefragt. Das bedeutet unter anderem: Fluidisch unabhängige Pfade in einem System, automatische Methodenentwicklung inklusive Säulenauswahl, universelle Detektoren, automatische Überprüfung der Ergebnisse mithilfe interner Datenbanken oder entsprechender Suchalgorithmen im Netz.

LABO-Redaktion:
Schon seit rund 20 Jahren schreiben Sie unseren monatlichen HPLC-Tipp, woraus ja auch zwei Bücher entstanden sind. Geht Ihnen da nicht langsam die Luft aus, was wir natürlich nicht hoffen?

Dr. Kromidas:
Nein, im Gegenteil: Wenn ich auch nur einen Teil von dem umsetze, was ich im Kopf habe, habe ich für Jahre genug zu tun und zu schreiben. Zu den HPLC-Tipps: Im Moment beschäftige ich mich zwar mit zwei anderen Buchprojekten, dennoch hoffe ich sehr, dass 2015 „HPLC-Tipps Band 3“ erscheinen kann.

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