Meinung

Kleine Partikel ganz groß im Gespräch

Nanopartikel – liebe LABO-Leserinnen und -Leser – sind im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde, nämlich in Form von Zahncremes. In Sonnencremes dienen sie als UV-Schutz, sie machen Autoreifen haltbarer und weiße Wände selbstreinigend („Lotuseffekt“). In immer mehr Alltagsprodukten kommen sie zum Einsatz. Wie viel von diesen Nanomaterialien industriell hergestellt wird, weiß man genauso wenig, wie die Mengen, die nachträglich davon in die Luft, Böden und Gewässer gelangen. Denn ihr Nachweis ist sehr aufwändig, da es ja auch genügend natürlich vorkommende organische und mineralische Nanopartikel gibt, die sich nur sehr schwer von anthropogenen – wie beispielsweise Dieselruß – unterscheiden lassen.

Nach dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht“ fürchten sich viele Mitbürger vor diesen Teilchen. Denn aufgrund ihrer Winzigkeit könnten sie ja unerwartete Wirkungen entfalten. Um das zu erforschen hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vor drei Jahren das Projekt NanoGEM initiiert. Die Abkürzung steht für „Nanostrukturierte Materialien – Gesundheit, Exposition und Materialeigenschaften“. Das Institut für Energie- und Umwelttechnik (IUTA) in Duisburg leitete das Projekt, für das die Industrie und das BMBF gemeinsam rund 6,5 Millionen Euro zur Verfügung stellten.

19 Forschungseinrichtungen und Unternehmen beteiligten sich und untersuchten 16 verschiedene Materialien. Sie prüften unter anderem, was mit den Nanoteilchen passiert und wie sie sich im Körper verhalten, wenn sie verschluckt oder eingeatmet werden. Beispielsweise dienten Silicium- und Zirconiumdioxid, die in Farben zum Einsatz kommen, und Silberpartikel, die zur antimikrobiellen Imprägnierung von Textilien verwendet werden, als Testsubstanzen. Aber auch funktionalisierte Partikel, bei denen organische Moleküle auf deren Oberfläche gebunden sind, um die Stabilität, Löslichkeit oder Verarbeitbarkeit von Produkten zu erhöhen, wurden unter die Lupe genommen.

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Das - wie ich finde - wenig ergiebige Ergebnis in Kurzform: Nur die eigentlichen Materialeigenschaften eines Stoffes seien entscheidend für eine mögliche toxische Wirkung. Eine Giftwirkung, die allen Nanomaterialien gemeinsam wäre und allein auf der geringen Größe der Teilchen basiert, könne ausgeschlossen werden. Und damit sind wir wenigstens etwas schlauer als der alte Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim - besser bekannt als Paracelsus, der schon im 16. Jahrhundert formulierte: "Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht's, dass ein Ding kein Gift sei."

Dr. Hans-Jürgen Hundrieser, Chefredakteur LABO

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