Bioverfahrenstechnik

Von der Wursthülle zum Medizinprodukt

Viscofan BioEngineering, ein Geschäftsbereich der Naturin Viscofan GmbH für biomedizinische Forschung und Entwicklung hat eine Produktionsstätte für Medizinprodukte aus Kollagen eingeweiht und damit den Ausbau seiner Aktivitäten in der Medizintechnik ermöglicht.

Eröffnung der neuen Produktionsanlage am 30. Mai. V. l. n. r.: Dr. Lluis Quintana, Corporate Manager Viscofan BioEngineering, José Antonio Canales, CEO Viscofan S.A., Bertram Trauth, Geschäftsführer der Naturin Viscofan GmbH (Bild: Viscofan BioEngineering)

Das Weinheimer Traditionsunternehmen Naturin Viscofan GmbH stellt seit über 80 Jahren Wursthüllen her. Die jahrzehntelange Erfahrung in der Kollagenverarbeitung aus Rinderhaut nutzt der Geschäftsbereich Viscofan BioEngineering, um neuartige Produkte für die zellbiologische Forschung und die regenerative Medizin zu entwickeln. Das Produktportfolio basiert auf ultra-reinen, nativen Kollagen-Typ-I-Fasern, die als Membranen unterschiedlicher Größe, Form und Dicke oder als viskose Masse angeboten werden.

Kollagenfasern sind ein wesentlicher struktureller Bestandteil der extrazellulären Matrix, wo sie Zelladhäsion, -wachstum und -differenzierung fördern und somit die Entstehung von Geweben und Organen ermöglichen.

Kollagen als mobiler Träger

Dr. Lluis Quintana, Bereichsleiter von Viscofan BioEngineering erläutert die Vorteile der kollagenen Membranen in der regenerativen Medizin: „Das verwendete natürliche, nicht chemisch-vernetzte Kollagen ist besonders gut verträglich und vom Körper wieder abbaubar. Die Membranen sind in mehrfacher Hinsicht äußerst nützliche Hilfsmittel für die Chirurgie: Sie dienen als mobile Träger, mit denen die therapeutischen Zellen zum beeinträchtigten Organ des Patienten transportiert und dort fixiert werden können. Außerdem bieten sie den implantierten Zellen eine natürliche Umgebung und maximieren damit deren Überlebenschance und Funktionalität. Zusammen mit ihren besonderen mechanischen Eigenschaften – dünn, elastisch und dabei sehr stabil – stellen sie eine einzigartige Kombination dar, die ein ideales Material für die regenerative Medizin ist. Wir sind überzeugt, dass unsere vielseitig verwendbaren, neuartigen Produkte aktiv zum medizinischen Fortschritt beitragen können.“

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Entwicklung vielfältiger Anwendungen

Aktuell wird die Entwicklung einer therapeutisch einsetzbaren Kollagenmembran in Kombination mit Zellen als Arzneimittel für neuartige Therapien (auch ATMP für Advanced Therapy Medicinal Products) in Kooperation mit der Universität von Navarra (Spanien) durchgeführt. Mit Stammzellen besiedelte Kollagenmembranen konnten im Tierversuch Herzfunktion und Bluttransport verbessern. Eine für 2017 geplante klinische Phase-I-Studie zu Wirkung und Verträglichkeit des Kollagen-Implantats bei Patienten mit Herzmuskelerkrankung (Cardiomyopathie) wird mit 1,26 Millionen Euro von der spanischen Regierung gefördert.

An der Universität Tübingen wurden präklinische Experimente mit kollagenen Zellträgern zur Behandlung von Harnröhrenverengung erfolgreich abgeschlossen; eine klinische Studie ist ebenfalls in Vorbereitung. Gemeinsam mit Industriepartnern entwickelt Viscofan BioEngineering weiterhin ein stabiles Kollagennetz für die Operation von Hernien sowie eine Membran, die in der Zahnheilkunde zum Einsatz kommen soll. Die viskose Kollagenmasse, die ebenfalls in der neuen Anlage hergestellt wird, dient der biokompatiblen Beschichtung von Implantaten und Medizingeräten. Viscofan BioEngineering will in den kommenden Jahren weitere Kooperationen mit Partnern aus Forschung, Medizin und Industrie zur Entwicklung innovativer Medizinprodukte eingehen.

Maßgeschneiderte Produktionsstätte mit firmeneigener Technologie

Bei der Konstruktion der neuen Produktionsanlage wurden einzelne Arbeitsschritte wie Anlieferung, Rohwarenaufbereitung, Masseherstellung, Extrusion und Konfektionierung aus der Lebensmittelindustrie übernommen und auf den wesentlich kleineren Maßstab der Medizintechnik-Herstellung übertragen. Dieses „Down-Scaling“ erforderte die individuelle Anfertigung einzelner

Maschinen und Infrastrukturen sowie ein eigenes IT-System. Weiterhin wurden alle Prozesse nach den Richtlinien der guten Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice, GMP) standardisiert und optimiert, um den hohen Qualitätsstandard der Medizinprodukteherstellung zu gewährleisten.

José Antonio Canales, CEO des Mutterkonzerns und Weltmarktführers Viscofan aus Spanien übernahm die offizielle Eröffnung der GMP Anlage am 30. Mai: „Wir sind vom Erfolg der innovativen Produkte für Medizin und Forschung überzeugt und freuen uns auf das Wachstum im Medizintechnikmarkt.“ Bertram Trauth, Geschäftsführer der Naturin

Viscofan GmbH ist überzeugt: „Unser Engagement und unsere Erfahrung als Kompetenzzentrum Kollagen zahlen sich jetzt aus. Wir haben hier in Weinheim eine hochmoderne Anlage für Medizinprodukte und damit ein weiteres Standbein geschaffen.“

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