Würdigung wissenschaftlicher Lebensleistung
Bundesverdienstkreuz für Bochumer Systembiochemiker
Prof. Dr. Ralf Erdmann ist mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Die Ehrung wurde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen und am 18. Mai 2026 im Historischen Rathaus der Stadt Bochum durch Oberbürgermeister Jörg Lukat im Rahmen einer Feierstunde überreicht.
Forschung, die Grundlagen schafft
Ralf Erdmann leitet seit 2002 die Abteilung für Systembiochemie an der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. In der Begründung für die Ordensverleihung heißt es, er habe durch seine wissenschaftliche Arbeit und sein gesellschaftliches Engagement die Entwicklung von Forschungs- und Ausbildungsstrukturen in Deutschland wie international nachhaltig geprägt. Seine Arbeiten dokumentierten die Leistungsfähigkeit der deutschen Grundlagenforschung und motivierten bis heute junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Entdeckung der Peroxine
Gemeinsam mit seinem Doktorvater Wolf-Hubert Kunau gilt Ralf Erdmann als Entdecker der Peroxine. Dabei handelt es sich um Proteine, die für die Bildung der Zellorganellen Peroxisomen essenziell sind und deren Defekte mit schweren Erkrankungen verbunden sein können.
Erdmann konnte die molekularen Ursachen dieser bislang unheilbaren Erkrankungen aufklären und damit Grundlagen für Diagnostik, mögliche Therapien und künftige Heilungsansätze schaffen. Zudem gelang es ihm, zentrale Mechanismen der Peroxisomen-Biogenese zu entschlüsseln, insbesondere den Proteintransport in diese Organellen.
Forschung zu globalen Infektionskrankheiten
Ein weiterer Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit sind Parasitenerkrankungen wie Schlafkrankheit, Chagas-Krankheit und Leishmaniose. Die Forschungsergebnisse von Ralf Erdmann gelten als wichtige Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente gegen diese Erkrankungen, von denen weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Für diese Arbeiten wurde er unter anderem mit dem Erwin-Schrödinger-Preis ausgezeichnet.
Internationale Sichtbarkeit und wissenschaftliche Vernetzung
Erdmanns Forschung hat auch international zur Sichtbarkeit des Forschungsstandorts Deutschland beigetragen. Als erster Professor der Ruhr-Universität Bochum wurde er in die European Molecular Biology Organization (EMBO) aufgenommen.
Von 2013 bis 2021 war er Sprecher der DFG-Forschungsgruppe „Struktur und Funktion des peroxisomalen Translokons“. Insgesamt veröffentlichte er mehr als 200 wissenschaftliche Arbeiten und hält regelmäßig Vorträge auf internationalen Konferenzen. Darüber hinaus organisierte er zahlreiche internationale Tagungen, unter anderem in Zusammenarbeit mit israelischen Kolleginnen und Kollegen.
Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Besonders hervorgehoben wird sein Engagement in der Nachwuchsförderung. Ralf Erdmann betreute mehr als 60 Doktorandinnen und Doktoranden aus dem In- und Ausland, von denen mehrere inzwischen selbst Professuren innehaben.
Er engagierte sich zudem über viele Jahre in wissenschaftlichen Gremien und trug so zur Internationalisierung der deutschen Wissenschaft bei. Acht Jahre lang war er Mitglied des Fachkollegiums „Biophysik und Biochemie und Bioinformatik“ der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Seit fast 20 Jahren ist er Mitglied des Fakultätsrats der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, war von 2018 bis 2025 Forschungsdekan und ist Gründungssprecher des 2025 gegründeten Medical Image Centers.
Quelle: Ruhr-Universität Bochum










