Mechanochemische Methoden für nachhaltigere Chemie

Barbara Schick,

Carl-Roth-Förderpreis 2025 für Maximilian Wohlgemuth

Maximilian Wohlgemuth aus der Arbeitsgruppe Mechanochemie der Ruhr-Universität Bochum um Prof. Dr. Lars Borchardt hat in verschiedenen Arbeiten dazu beigetragen, lösungsmittelfreie, mechanische Verfahren weiterzuentwickeln. Dafür wurde er in diesem Jahr mit dem Carl-Roth-Förderpreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker geehrt. Der Preis zeichnet junge Forschende aus, die besonders zur Nachhaltigkeit in der Chemie beitragen.
Dr. Maximilian Wohlgemuth © privat

Die Arbeitsgruppe von Professor Borchardt setzt auf Mechanochemie, in der mechanische Energie genutzt wird, um chemische Reaktionen anzutreiben. Konkret sieht das so aus, dass die Ausgangsstoffe in Pulverform zusammen mit Mahlkugeln in einen Becher gefüllt und einige Minuten gemahlen werden. Die Kugeln bewegen sich durch die Drehung des Mahlbehälters frei im Inneren und stoßen unzählige Male aneinander. Durch die Stoßenergie beim Zusammenprall zweier Kugeln können Stoffe miteinander in Reaktion gebracht werden.

Direkte Mechanokatalyse

Dr. Maximilian Wohlgemuth hat das Konzept der direkten Mechanokatalyse mitentwickelt und erweitert. Dabei funktioniert das Mahlwerkzeug selbst als Katalysator. "Normalerweise werden Katalysatoren als separate Reagenzien zu einer Reaktion hinzugegeben – bei der direkten Mechanokatalyse hingegen sind die katalytisch aktiven Metalle direkt auf die Mahlkugeln oder das Mahlgefäß aufgebracht", erklärt Wohlgemuth. "Dadurch entfällt die aufwendige Trennung des Katalysators nach der Reaktion, und der Materialverbrauch an teuren Metallen wie Palladium oder Gold kann drastisch reduziert werden." Ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit ist die Entwicklung einer sogenannten galvanostatischen Beschichtung von Mahlmedien mit katalytisch aktiven Metallen. Diese Technik kann es ermöglichen, den Einsatz wertvoller Edelmetalle erheblich zu reduzieren und gleichzeitig die Wiederverwendbarkeit der Katalysatoren zu verbessern.

Anzeige

Zudem hat er die Resonant-Akustische Mischtechnologie (RAM) eingesetzt, um mechanochemische Reaktionen ohne Mahlmedien wie etwa Kugeln zu ermöglichen. "Dadurch werden Reaktionen effizienter, besser skalierbar und wir vermeiden Abfall", sagt Maximilian Wohlgemuth. Darüber hinaus hat er an der Festkörperoxidation von Alkoholen in goldbeschichteten Mahlgefäßen gearbeitet. Dieses Verfahren ermöglicht die selektive Oxidation zu Aldehyden, ohne dass zusätzliche umweltschädliche Lösungsmittel oder weitere – ggf. toxische – Reagenzien erforderlich sind.

Zum Preis

Der Carl-Roth-Förderpreis, verliehen von der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Zusammenarbeit mit der Carl Roth GmbH & Co. KG, zeichnet junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, die mit ihren Arbeiten besonders zur nachhaltigen Chemie beitragen. Der Preis wird für ressourcenschonende Synthesewege und innovative Anwendungen von Chemikalien vergeben, wobei eine Verbesserung der Nachhaltigkeit klar belegt sein muss (zum Beispiel über quantitative Kennzahlen).

Quelle: Ruhr-Universität Bochum

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

GDCh-Statistik

Berufseinstieg in der Chemie schwieriger

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat Zahlen zum Chemiestudium und zum Berufseinstieg promovierter Chemiker und Chemikerinnen erhoben und ausgewertet. Sie stellt die Ergebnisse aktuell in ihrer „Statistik der Chemiestudiengänge 2025“ vor.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren