Innovationspreis Mitteldeutschland

Vom Reagenzglas in die Parfümflasche

Rostocker Chemiker unter Leitung von Prof. Ralf Ludwig sind am Innovationspreis Mitteldeutschland beteiligt, den das Unternehmen Miltitz Aromatics GmbH aus Bitterfeld-Wolfen erhielt. Gewürdigt wurde mit der Auszeichnung die Herstellung von Duft-und Riechstoffen.

Prof. Ludwig weiß: Vom Reagenzglas in die Parfümflasche ist es ein langer Weg. (Foto: Thomas Rahr / Uni Rostock)

Das Unternehmen produziert bereits seit 1992 Grundstoffe für die Parfüm-, Kosmetik- und Waschmittelindustrie. Innerhalb von zwei Jahren ist es nun mit Hilfe der Chemiker von der Universität Rostock gelungen, einen kontrollierten chemischen Prozess zu etablieren, der auf dem Einsatz geeigneter Katalysatoren beruht.

Vor etwa zwei Jahren hatte die Firma in der Physikalischen Chemie und beim Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT) in Rostock angeklopft und um Unterstützung bei der Herstellung von Riech-und Duftstoffen gebeten. „Wir haben einen besonderen Spektralbereich für die Edukte und Produkte analysiert, der für die Grundlagenforschung langweilig, aber in der Anwendung von großem Interesse ist. Mit Hilfe einer Sonde können wir nun Start und Ende einer Reaktion zeitgenau erfassen“, erklärt Prof. Ludwig.

„Das wichtige Vorprodukt für die besonderen Duftnoten entsteht durch die dreifache Verkettung des Kohlenwasserstoffs Isopren“, sagt Prof. Ludwig. Und genau an dieser Stelle kamen die Rostocker Chemiker ins Spiel. „Es gab bislang keine zuverlässige Kontrolle über den Beginn und den Abbruch der Reaktion“, erklärt Prof. Ludwig. Doch mit spektroskopischen Methoden lasse sich die einsetzende Reaktion beobachten. So sei es auch klar geworden, zu welchem Zeitpunkt das Produkt entnommen werden müsse, damit es nicht zu unbrauchbaren großen Molekülen weiterreagiert.

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So konnten die Rostocker Chemiker bei der Miniaturisierung des anspruchsvollen Verfahrens der so genannten Ziegler-Natta-Katalyse auf einen mittelständischen Maßstab bei gleichen Marktpreisen mithelfen. Aus dem Forschungslabor also direkt in die Anwendung. „Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen hat Freude gemacht“, sagt Prof. Ludwig. „Vom Vorprodukt bis zu Chanel No 5 ist es aber noch ein weiter Weg“.

Gewöhnlich blicken die Rostocker Chemiker in ihrer Grundlagenforschung mit der spektroskopischen Methode auf die Struktur und Dynamik von Flüssigkeiten und Materialien. Auf die neuen etwas anders gelagerten Forschungsergebnisse sind sie nicht minder stolz. Synthetisch hergestellte Riechstoffe sind ein wichtiger Bestandteil von Parfümen, Waschmitteln und Haushaltschemikalien. Dazu gehören so weltbekannte Düfte wie der Klassiker Chanel No.5 und die anderen Düfte dieser Welt.

Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Prof. Dr. Ralf Ludwig
Professor für Physikalische und Theoretische Chemie
Universität Rostock
E-Mail: [email protected]

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