Die Anfänge der LABO – als Kennziffer-Zeitschrift

Dr. Stephanie Konle,

Paris war eine Reise wert

Zur Entwicklung der instrumentellen Analytik und Labortechnik, den Anfängen der Laborfachzeitschrift LABO und unserem Jubiläums-Special.

LABO-Ausgaben der Jahre 2018 und 2019 © WBM/SKO

Was Roland Hoppenstedt, Leiter des gleichnamigen Verlags, im Jahr 1969 bewogen hat eine „Kennziffer-Zeitschrift Labortechnik“* auf den Markt zu bringen, kann ich heute, 50 Jahre später, nur mutmaßen. War es die erste Ausgabe der Messe Analytika im gleichen Jahr oder spürte Hoppenstedt auch aus anderen Dunstkreisen den Entwicklungsschub in der instrumentellen Analytik und Labortechnik?

Sicher hat auch der Bericht eines Mitarbeiters nach dessen Besuch der französischen Labormesse „Exposition du Laboratoire“ im Winter 1969 in Paris den Verlagsleiter in seinem Tun bestärkt. Der abgesandte Redakteur schrieb damals in der Januar-Ausgabe im Jahr 1970: „Auch in die Laborgeräte ist Bewegung gekommen. Die Laboratorien stecken, begünstigt durch eine gute Konjunktur, in einem Evolutionsprozeß. Rationalisieren, automatisieren heißt die Lösung. Sicher: die traditionellen Glasgeräte haben nach wie vor ihre Berechtigung, auch wenn man erkennen muß, daß mit simplem Nachbau hundertjähriger Konstruktionen kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist.  Funktionelle und qualitative Verbesserungen werden verlangt und honoriert.

Der namentlich unbekannte Redakteur befand insgesamt, dass die Messe bzw. Paris eine Reise wert war.

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Anfänge der instrumentellen Analytik und fördernde Faktoren

Die Geschichte der instrumentellen Analytik beginnt ja eigentlich schon Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Entdeckung der entsprechenden physikalischen Grundlagen. Bis zu ersten Anwendungen, z.B. dem Einsatz der IR-Spektrometrie in der Grundlagenforschung, vergingen jedoch noch ein paar Jahrzehnte und die Ära der kommerziellen Nutzung begann ungefähr zeitgleich mit dem Zweiten Weltkrieg. Warum? Weil Kunststoff benötigt wurde und Chemieunternehmen u.a. ihren synthetisch hergestellten Kautschuk damit überprüften [1].

Die Anfänge der Massenspektrometrie sind ebenfalls im frühen 19. Jahrhundert datiert: Damals entwickelte der englische Physiker und spätere Physik-Nobelpreisträger Sir Joseph John Thomson ein Parabel-Massenspektrometer als ersten Prototyp eines Massenspektrometers. Auch hier spielte der Zweite Weltkrieg in eine der frühen Anwendungen mit hinein, wenn auch eher umrühmlich: Die präparative MS wurde bei der Entwicklung der Atombombe zur Trennung von Uran 235 und Uran 238 eingesetzt.

Dem Einsatz der MS in der anorganischen Analyse folgte in den Fünfzigerjahren der Einsatz in der organischen Analyse. Der US-Forscher William E. Stephens entwarf schon 1946 das Konzept des Time-of-Flight (TOF) MS, bei dem Ionen erstmals durch Unterschiede in ihren Driftgeschwindigkeiten in Richtung Kollektor getrennt werden konnten.

In den 1950er Jahren erfand Wolfgang Paul, Physiker an der Universität Bonn, sowohl Quadrupol als auch Ionenfalle  – beides die am häufigsten verwendeten nichtmagnetischen Massenanalysatoren [2].

Als Entdecker der Chromatographie gilt der russische Botaniker Michael S. Tswett (auch die Schreibweise „Zwet“ findet sich im Internet): Er hielt im März 1903 vor der Biologischen Sektion der Warschauer Naturforschenden Gesellschaft den Vortrag „Über eine neue Kategorie von Adsorptionserscheinungen und ihre Anwendung in der biochemischen Analyse“. Konkrete Anwendungen der Chromatographie beschrieben andere Wissenschaftler erst rund 30 Jahre später [3, 4].

Doch nicht nur im 19. Jahrhundert, auch im 20. Jahrhundert fand eine enorme Weiterentwicklung von Geräten und Instrumenten für die Arbeit im Labor statt: Jetzt ging es häufig darum die Empfindlichkeit der Messmethoden zu verfeinern, aber auch darum die Geräte in kleineren und damit besser verkäuflichen Versionen anzubieten.

Anzeigenmotive vor 50 Jahren - hat sich so viel gar nicht verändert?

In den ersten Ausgaben der LABO waren übrigens diese Produkte Themen in Anzeigen: Volumeter, Mischer, Prüfsiebmaschine, Lackschichtschleuder, Tablettenprüfer, Kryostate, Waagen, Laboreinrichtung, Schreiber, Messgerät zur Wasserbestimmung, Ultraschall-Materialprüfgerät, Apparatur zur Differenzial-Thermo-Analyse, automatischer Gefriertrockner, Küvetten, Mühlen, Thermometer, Wärmeaustauscher, Chemikalien, Armaturen, Fraktionssammler, Polarimeter, Refraktometer, Laborrührer, Erdgasbrenner, Heißlaugen-Pipettenspüler etc. Klingt doch alles recht vertraut – hat sich so viel gar nicht verändert?

Was sich wesentlich geändert hat, sind Empfindlichkeit, Größe und Automatisierungsgrad der Geräte. Und natürlich sind komplett neue Verfahren hinzugekommen, die der Forschung ganz neue Möglichkeiten boten.

Der langjährige Redakteur und Chefredakteur der LABO, Dr. Hans-Jürgen Hundrieser, schrieb 2017 in einem Editorial über seinen ersten Besuch der Biotechnica im Jahr 1985: „Massenspektrometer waren noch so groß und schwer wie ein Auto, heute passen sie in einen Umzugskarton; die Rasterkraftmikroskopie war gerade erfunden, die PCR-Technik noch unbekannt und das menschliche Genom noch nicht entschlüsselt.

Wenn Sie einen Eindruck über die Entwicklung von Entwickler- und Herstellerfirmen gewinnen möchten, empfehle ich Ihnen unsere Timeline – 50 Jahre Analytik und Labortechnik in Deutschland: Hier sind Unternehmen in chronologischer Reihenfolge ihrer Gründung angeordnet – Sie können bequem von Jahr zu Jahr oder von Firma zu Firma clicken.

Unter Wegbegleiter lesen Sie von Unternehmen und Lesern, die uns zum LABO-Jubiläum etwas geschrieben haben.

Und wenn Sie Ihr Wissen in Bezug auf die LABO testen möchten, können Sie dies in unserem LABO-Quiz tun.

Last but not least finden Sie die erste gedruckte Ausgabe einer LABO (Nullnummer), Seite für Seite komplett abgebildet in einer Bildergalerie

Mir hat es großen Spaß gemacht in der Historie zu kramen und aus dem Entdeckten ein kleines Potpurri an Information und Unterhaltung für Sie zu gestalten!

Es grüßt herzlich aus der Redaktion

Dr. Stephanie Konle
Chefredakteurin LABO

* Kennziffer-Zeitschrift: Jungen LeserInnen eher nicht mehr bekannt: In sogenannten Kennziffer-Zeitschriften wurden in der vordigitalen Ära Artikel und Produktinformationen mit Kennziffern versehen. Deren Ankreuzen auf einer Antwortkarte (Leser­dienstkarte) ermöglichte das bequeme Anfordern näherer Informationen. Dazu wurden die Antwortkarten über einen Kenn­zifferndienst der Zeitschrift an die Anbieter weitergeleitet. 

Referenzen:

[1] http://www.iaac.tu-clausthal.de/fileadmin/sammlung/ (abgerufen am 25.2.2019)

[2] https://www.200jahre.uni-bonn.de/de/geschichte/wolfgang-paul-physiker (abgerufen am 25.2.2019)

[3] https://www.chemie-biologie.uni-siegen.de/chemiedidaktik/service/fundgrube/chrom2.html?lang=de (abgerufen am 25.2.2019)

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Chromatographie (abgerufen am 25.2.2019)

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