Vegetarisches Menü

Spinnen bringen Abwechslung in ihren Speiseplan

Spinnen werden traditionell als klassische Insektenfresser angesehen. Eine neue Studie von Zoologen aus der Schweiz, den USA und Grossbritannien zeigt nun: die Tiere ergänzen ihren Speiseplan gerne auch mal mit vegetarischer Kost.

Springspinne Cosmophasis micarioides und Ameisen der Art Polyrhachis ammon in Queensland, Australien: Nektar zieht nicht nur Spinnen sondern auch Ameisen an. Die Tiere verteidigen die Nahrungsquelle aggressiv gegen Eindringlinge. Um ebenfalls an den Nektar zu gelangen, muss die Spinne zuerst durch die Verteidigungslinie der Ameisen brechen. Normalerweise wartet die Springspinne in etwas Entfernung ab und nutzt kurze Momente der Unachtsamkeit, um sich schnell am Nektar zu laben. (Foto: Andrea Lim, James Cook University).

Obwohl traditionell als Jäger von Insekten eingestuft, wird immer deutlicher, dass Spinnen sich vielseitiger ernähren als bisher angenommen. Für manche Arten konnte bereits nachgewiesen werden, dass sie ihren Speiseplan mit Beutetieren wie Fischen, Fröschen oder gar Fledermäusen erweitern. Zoologen der Universität Basel sowie der Brandeis University (USA) und der Cardiff University (GB) zeigen nun: Spinnen essen auch Pflanzen.

Pflanzenkost als Nahrungsergänzung
Für die Studie sammelten und dokumentierten die Forscher zahlreiche Fälle von pflanzenfressenden Spinnen. In einer sogenannten „Systematic Review“ zeigen sie, dass sich Vertreter aus zehn verschiedenen Familien von einer breiten Auswahl an Pflanzen wie Bäumen, Büschen, Gräsern, Farnen oder Orchideen ernähren. Die Tiere beweisen ebenfalls einen abwechslungsreichen Geschmack bezüglich der Art der Pflanzenkost: Nektar, Pflanzensaft, Honigtau, Blattgewebe, Pollen und Samen stehen auf dem Menüplan.

Springspinne Baheera kiplingi: Jungtier beim Verzehr eines sogenannten „Beltian body“ einer Akazie in Akumal, Mexico. Dabei handelt es sich um fett- und proteinreiche Absonderungen auf den Blättern der Akazien. (Foto: Eric J. Scully, Harvard University)

Pflanzenfressende Spinnen scheinen am häufigsten in der Gruppe der Salticidae vorzukommen – eine tagaktive Familie mit charakteristisch großen vorderen Mittelaugen. Die Studie ordnet bis zu 60 % der verzeichneten Vorfälle diesen sogenannten Springspinnen zu.

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Weltweit verbreitetes Fressverhalten
Dabei handelt es sich um ein globales Phänomen. So zeigten die Forscher auf, dass dieses Fressverhalten auf allen Kontinent mit Ausnahme der Antarktis vorkommt, wenngleich es deutlich häufiger in wärmeren Regionen aufzutreten scheint. Erklärung hierfür könnte sein, dass es sich bei vielen der dokumentierten Fälle um den Verzehr von Nektar handelt. Pflanzen mit hoher Nektarproduktion kommen hauptsächlich in den wärmeren Regionen der Erde vor.

Springspinne Plexippus sp. bedeckt mit Hibiskus-Pollen, augenommen in Kinshasa, Kongo. (Foto: Nick Hobgood, University of South Pacific)

„Die Fähigkeit, Nährstoffe aus Pflanzen zu beziehen, erweitert die Nahrungsgrundlage dieser Tiere. Dies könnte einer ihrer Überlebensmechanismen sein, um Zeiten zu überstehen, in denen Insekten rar sind“, sagt Erstautor Martin Nyffeler von der Universität Basel. „Außerdem diversifizieren sie dadurch ihren Speiseplan und optimieren die Nährstoffaufnahme – was im Kampf ums Überleben von Vorteil sein dürfte.“ In welchem quantitativen Ausmaß die Pflanzenkost Teil der Ernährung der Spinnen bildet, ist jedoch noch weitgehend unerforscht.

Originalbeitrag:
Martin Nyffeler, Eric J. Olson, William O.C. Symondson: Plant-eating by spiders. Journal of Arachnology (2016) 44: 15-27, DOI: 10.1636/P15-45.1.

Weitere Auskünfte:
PD Dr. Martin Nyffeler
Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften
E-Mail: martin.nyffeler@unibas.ch

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