Interview

Von Software-Silos und Cloud-Phobien

Der Wechsel von Papierlaborbüchern und verstreuten Daten hin zu einer dezidierten Datenmanagementsoftware ist auch eine Herausforderung. Dr. Simon Bungers, Mitbegründer und CEO des Berliner Software-Unternehmens Labfolder, beschreibt diese im Interview und äußert sich zu Trends der Digitalisierung im Labor.

Dr. Simon Bungers © Labfolder

Er könnte so viel einfacher sein, der Laboralltag: mit leicht auffindbaren Daten, einem nach gängigen Standards und Laborregeln ausgerichteten Datenmanagement, einer gut funktionierenden digitalen (und analogen) Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe. Alles möglich mit elektronischen Labor-Notebooks (ELNs). Doch der Wechsel von Papierlaborbüchern und verstreuten Daten hin zu einer dezidierten Datenmanagementsoftware ist auch eine Herausforderung. Ein Interview mit Dr. Simon Bungers, Mitbegründer und CEO des Berliner Softwareunternehmens Labfolder.

LABO: Herr Dr. Bungers, was sind Ihrer Erfahrung nach für viele Labore die großen Herausforderungen, wenn sie eine spezialisierte Datenmanagementsoftware einführen?

Bungers: Es gibt sicher eine traditionelle Komponente, es wurden ja seit Jahrhunderten Papierlaborbücher verwendet, um Labordaten zu dokumentieren. Zugleich gibt es eine Vielzahl von Abkürzungen, denen Sie bei der Entscheidung für eine Software begegnen: ELN, LIMS, SDMS, um nur einige zu nennen. Da fühlt man sich ja bereits überfordert, bevor man überhaupt den ersten Schritt gemacht hat. Zusätzlich stellt man dann fest, dass einzelne Produktkategorien die Funktionalität einer jeweils anderen beinhalten können, z. B. ein LIMS mit einem ELN-Modul.

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LABO: Welche Stelle nimmt Labfolder in diesem vielfältigen Angebot ein?

Bungers: Labfolder ist ein ELN und darüber hinaus noch ein Kollaborations- und Produktivitätswerkzeug für Forschungsteams. Das bedeutet, dass wir nicht nur das Laborbuch eines einzelnen Forschers, sondern die eines ganzen Teams ersetzen. Projekte, Zugriffsverwaltung, Suchfunktionen, Kommentare, digitale Signaturen und viele andere Funktionen erleichtern dann die Zusammenarbeit, das Abrufen sowie die Validierung von Labordaten als Team. Aber es ist nicht nur ein Werkzeug, vielmehr dient es auch als eine Plattform, die den Zugang zur weiteren Digitalisierung der Laborumgebung ermöglicht.

LABO: Was meinen Sie genau mit einer „Plattform zur weiteren Digitalisierung“?

Bungers: Labfolder als ELN bietet einen guten Einstieg für jeden, der dazu übergehen möchte, einen Großteil der im Labor erzeugten Daten in einem strukturierten Format innerhalb eines einzigen Systems zu sammeln. Unsere umfangreichen Schnittstellen ermöglichen es, Schritt für Schritt die gesamte Laborumgebung einzubeziehen. Labfolder als Plattform vereinfacht außerdem die Einbindung von Partnern. 


LABO: Können Sie ein Beispiel nennen?

Bungers: Anfang des Jahres haben wir eine Partnerschaft mit NEC begonnen, die Forschungseinrichtungen einen effizienten Speicher für große Datensätze und Archivdaten bietet. Diese Kollaboration sichert das tägliche Forschungsdaten-Management sowie die Archivierung und langfristige Speicherung großer Datensätze ab. In diesem Fall hilft die Plattform, die Datenmanagementprozesse nicht nur für Forscher, sondern auch für IT-Mitarbeiter zu optimieren.

LABO: Welche Trends sehen Sie für die Zukunft?

Bungers: Wir glauben, dass in Zukunft mehr Software-Silos aufgebrochen werden. Das bedeutet, dass sich Inselsysteme sowohl in Hardware und Software für bessere Einbindung öffnen müssen. Ein Trend, der diese Entwicklung vorantreiben wird, ist die zunehmende Nutzung der Cloud im Laborbereich. Obwohl das Laborumfeld ja traditionell etwas Cloud-phobisch ist, haben wir im Vergleich zum Vorjahr beobachten können, dass nun mehr Kunden unsere Cloud-Lösung anstelle der lokalen Server wählen. Entscheidungsträger in der Pharma-, Biotech- und Chemiebranche scheinen zu verstehen, dass Anbieter von Cloud-Infrastrukturen wie beispielsweise AWS eine größere Sicherheit bieten als selbstverwaltete Server.

LABO: Was ist der Entwicklungsplan von Labfolder für 2019?

Bungers: Neben der kontinuierlichen Pflege und Verbesserung der generellen Nutzungserfahrung werden wir bei Labfolder definitiv daran arbeiten, unsere Schnittstellen noch weiter auszubauen, damit die Einbindung von Partnern und möglicherweise auch von nutzergenerierten Lösungen für beide Seiten einfacher wird. Wir werden uns im Rahmen des smartLAB auf der Labvolution Hannover im Mai präsentieren, welches ein großartiges Forum für die Zusammenarbeit im Laborbereich darstellt. Und natürlich können Sie von uns noch weitere Überraschungen erwarten, was Produkt und Plattform betrifft!

LABO: Herr Dr. Bungers, danke für das Gespräch!

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