Zweiter Advanced-Grant für Bor-Chemiker

Holger Braunschweig erneut ausgezeichnet

Der Chemiker Holger Braunschweig ist der erste Professor, der während seiner Zeit an der Uni Würzburg ein zweites Mal einen Advanced Grant vom Europäischen Forschungsrat (ERC) erhält. Braunschweig bekommt 2,5 Millionen Euro für seine Arbeiten rund um das Element Bor.

Prof. Dr. Holger Braunschweig ist der erste Wissenschaftler an der Universität Würzburg, der ein zweites Mal einen Advanced Grant vom Europäischen Forschungsrat ERC bekommt (Foto: Uni Würzburg).

Das Element Bor (B) ist im Periodensystem der Elemente ein direkter Nachbar des wohl am umfangreichsten erforschten Elements: Kohlenstoff (C). Im Vergleich zu Kohlenstoff ist Bor noch weitgehend unerforscht. Braunschweigs Entdeckungen der letzten zehn Jahre haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich diese Situation nach und nach verbessert.

Bor hat ein starkes Defizit an Elektronen, das es ausgleicht, indem es sich bereitwillig mit anderen Elementen verbindet. Dabei entstehen oft außergewöhnliche Moleküle, die zugrundeliegenden Prozesse sind jedoch schwer kontrollierbar. Als wegweisend gelten Braunschweigs Arbeiten, mit denen er dieses im Labor schwer zu handhabende Element durch die Verbindung mit Metallen gewissermaßen „gezähmt“ hat.

2012 machte eine Veröffentlichung Braunschweigs im Fachmagazin Science weltweit Schlagzeilen; seiner Arbeitsgruppe gelang die erste Bor-Bor-Dreifachbindung. Dieser Durchbruch und weitere Entdeckungen verstärkten in der Folge die Auffassung, dass die organische Chemie und die Chemie des anorganischen Elements Bor weit weniger unterschiedlich sind als zuvor angenommen.

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ERC-Grant ermöglicht Erforschung von Mehrfachbindungen
Braunschweigs zweiter ERC-Grant ermöglicht ein umfassendes Forschungsprogramm zu Bor-Bor-Mehrfachbindungen – „eine Substanzklasse, die bis vor kurzem sehr schwer im Labor zu realisieren war“, so Holger Braunschweig. Der Antrieb für ihn und seine Mitarbeiter sind die herausragenden physikalischen Eigenschaften der bereits im Labor entstandenen Mehrfachbindungen. Sie fanden bereits in Polymeren, leuchtenden Molekülen und in Reaktionen von industriell relevanten Gasen wie Kohlenmonoxid und Wasserstoff Verwendung. „Wir werden die ERC-Mittel einsetzen, um die ungewöhnliche Reaktivität und die besonderen Eigenschaften dieser Moleküle voll auszuschöpfen“, sagt Braunschweig. Mögliche Anwendungen sieht er in der Elektronik und Materialchemie.

Die ERC-Grants, vergeben vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC), sind die renommiertesten europäischen Wissenschaftspreise. Die Preise sind sehr hoch dotiert und ermöglichen es den Preisträgern, aufwendige Projekte anzugehen. Der Forschungsrat vergibt sie in verschiedenen Kategorien und orientiert sich dabei am Verlauf der wissenschaftlichen Karrieren: Für aussichtsreiche Nachwuchsforscher gibt es den Starting Grant, für besonders aussichtsreiche Forschungstalente den Consolidator Grant und für etablierte Spitzenwissenschaftler den Advanced Grant. Dieser ist mit 2,5 Millionen Euro Fördersumme am höchsten dotiert.

Seit 2008 wurden insgesamt fünf Wissenschaftler der Uni Würzburg mit einem ERC Advanced Grant ausgestattet. Braunschweig ist der erste, dem dies nun ein zweites Mal gelang.

ERC-Grant 2011 ermöglichte überraschende Entdeckungen
Die Fördersumme aus dem Jahr 2011, als Braunschweig den ersten ERC-Grant bekam, nutzte er zur Erforschung von Mehrfachverbindungen zwischen Bor und Metallen. Unter anderem fanden die Wissenschaftler Metall-Bor-Systeme, die eine vergleichsweise einfache und kontrollierte Bindung zwischen Bor und Kohlenstoff ermöglichten.

Die Entdeckung, dass sich kurze Bor-Ketten durch die Aneinanderreihung einzelner Bor-Atome konstruieren lassen, publizierten Braunschweig und seine Kollegen 2012 in der Fachzeitschrift Nature Chemistry. Die Arbeit gilt als Meilenstein in der Erforschung von vollkommen neuen Polymer-Arten, die alleine auf Bor basieren.

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