" />

Der Qualitäts-Tipp im Juli

GMP-Awareness trainieren

Michael Klosky*)

„Stellen Sie sich vor, es wären Ihre Kinder gewesen, die gestorben sind!“ Betretenes Schweigen im Seminarraum. Gestandene Produktionskollegen, der überwiegende Teil von ihnen Eltern, schauen mich mit großen und entsetzten Augen an. Ich lasse das Schweigen wirken, bis die Stille fast unerträglich wird. Bei einem wiederholten Blick in die Runde sehe ich langsames Kopfnicken.

Es ist bekannt, dass in den Regularien die Schulung der Mitarbeiter im regulierten Umfeld zwingend vorgeschrieben ist. Viele Unternehmen schulen nicht einfach nur pflichtbewusst GMP-Regularien und SOPs. Eine Vielzahl von Unternehmen hat den Wert eines GMP-Awareness-Trainings entdeckt, bei dem es im Wesentlichen um die Sensibilisierung der Mannschaft für das Thema GMP geht. Man darf davon ausgehen, dass die täglich benötigten SOPs den Kollegen bekannt sind.


Sensibilisierung notwendig

Schwieriger wird es beim Verständnis, warum die GMP-Regeln sinnvoll sind und warum sich jeder einzelne an diese Regeln halten muss. Es gibt nicht wenige, die der Meinung sind, sie wüssten am besten, was die „richtige“ Arbeitsweise ist oder die vielleicht sogar der Auffassung sind, dass es auf sie nicht so darauf ankommt. Immerhin gibt es doch so viele Kontrollen, durch die ein Produkt vor der Freigabe laufen muss, dass doch irgendwo ein Fehler sicherlich bemerkt würde. Hier gilt es, die thematische Sensibilisierung der Mannschaft voranzutreiben, warum GMP eben doch jeden betrifft.

Anzeige

Bei dem einleitenden Beispiel handelte es sich um ein Seminar, in dem mir ein Teilnehmer sagte, er müsse sich doch nicht unbedingt an jede kleine Vorschrift halten. Er sei schon seit einigen Jahren an Bord und habe genug Erfahrung, um sagen zu können, welcher Prozessschritt kritisch sei und welcher nicht, wo er also sorgfältig sein müsse und wo nicht.

Gerade zu dieser Zeit waren drei Frühchen im Uniklinikum Mainz aufgrund von Hygienemängeln gestorben. Hier konnte nun der Bogen im Seminar geschlagen werden: „Stellen Sie sich vor, man könnte Ihnen persönlich nachweisen, bei der Sterilabfüllung geschlampt zu haben und Sie würden die Verantwortung für solch eine Tragödie tragen!“ Um dem noch „eins drauf zu setzen“, ließ ich mich zu dem einleitenden Satz verleiten: „Stellen Sie sich vor, es wären Ihre Kinder gewesen! ...“ Die Reaktion der Teilnehmer kennen Sie.

Das Problem ist oft, dass uns zwar bekannt ist, warum es die GMP-Regeln gibt. Ja, natürlich darf der Patient nicht zu Schaden kommen! Niemand wird dem widersprechen. Aber trotzdem sind diese Regeln eben in der Praxis oft lästig: zu viel Dokumentation, zu viel Regulierung und zu hohe Arbeitsbelastung, um all die Anforderungen zu erfüllen. Da ist man schnell verleitet, Abkürzungen und den einfacheren Weg zu wählen, zumal die Gefahr, erwischt zu werden, auch nicht immer gegeben ist.


Problem ist ähnlich wie bei Verkehrsregeln

Vergleichen Sie doch einmal die GMP-Regeln mit Verkehrsregeln. Sie wissen, dass in einer Spielstraße Schritttempo gefahren werden muss, was bedeutet, im ersten Gang – ohne Gas zu geben – das Auto rollen zu lassen. Selbst wenn die Spielstraße an einem Kindergarten gelegen ist, wo die Akzeptanz für Schrittgeschwindigkeit in der Regel gegeben ist, wage ich die Aussage, dass die meisten von uns dennoch abwägen, ob sie nicht vielleicht doch schneller fahren könnten. 30 Stundenkilometer kann man doch locker fahren?! Immerhin ist es ja schon 17:00 Uhr und der Kindergarten müsste jetzt eigentlich geschlossen sein. Und außerdem: Wer erwischt mich denn jetzt schon, oder? …

Ein „GMP-Awareness“-Training hat die Intention, bei der Mannschaft ein „GMP-Bewusstsein“ zu entwickeln, damit eben nicht nur das Verständnis und die Akzeptanz gegeben sind, sondern auch die nachhaltige Umsetzung in der Praxis tatsächlich erfolgt.

Zum Schluss lassen Sie mich den deutschen Philosophen Arthur Schopen- hauer (*1788, †1860) zitieren, der den „GMP-Awareness“-Gedanken trefflich formuliert hat:

„Beweis ist die Zurückführung des Zweifelhaften auf ein Anerkanntes”.

* Michael Klosky, NOVIA Chromatographie- und Messverfahren GmbH, Industriepark Höchst, 65926 Frankfurt am Main, E-Mail: Michael.Klosky@novia.de.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige