Qualitäts-Tipp

Ticken wir eigentlich noch sauber? -1-

Teil 1: Von der Antike bis heute
Kennen Sie sich mit griechischer Mythologie aus? Kennen Sie zufällig Asklepios? Er ist der Sohn des großen Apollon, u.a. griechischer Gott der Heilkünste. Asklepios selbst ist Gott der Heilkunde und hat zwei Töchter: Hygeia, Göttin der Gesundheit, und Panakeia, Göttin der Medizin und Zauberei. Beide Töchter stehen für das medizinische Grundverständnis der alten Griechen und das damit verbundene Zusammenwirken der göttlichen Kräfte. 

Michael Baldus, B.Sc., Novia Chromatographie und Messverfahren GmbH, Frankfurt am Main

Während Hygeia eher mittels Prävention Krankheiten zu verhindern sucht, z.B. durch eine richtige Lebensweise und gesunder Ernährung, spielt bei Panakeia eben auch die Zauberei eine Rolle. Von Letzterer leitet sich übrigens auch das Wort „Pharmakon“ ab, was nicht nur Heil- oder Zaubermittel, sondern auch Gift bedeuten kann [1].

Hygeia ist uns auch heute noch gegenwärtig, nicht nur, weil sie als Schutzpatronin der Apotheker/innen gilt, sondern sich auch im Wort „Hygiene“ wiederfindet. „Hygienisch“ heißt also nicht nur das Freisein von Krankheiten bzw. Krankheitserregern, sondern auch seelisches und körperliches Wohlbefinden.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind gerade in einem Restaurant und setzen sich an einen Tisch. Auf der Tischdecke entdecken Sie noch einen Soßenspritzer vom Vorgast. Auch wenn dieser wahrscheinlich keine Krankheiten erregt, werden Sie sich womöglich nicht wohl fühlen – die Umgebung wirkt nicht hygienisch.

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Ein hygienebewusstes Verhalten schadet im Privatleben sicherlich nicht, in pharmazeutischen Unternehmen gehört es zur Selbstverständlichkeit und wird von jedem Mitarbeiter erwartet und vorausgesetzt. Immerhin tragen Sie nicht nur die Verantwortung für Ihre eigene Gesundheit, sondern auch für die der Patienten. Daher werden gerade im Hinblick auf die Betriebs- und Personalhygiene hohe Anforderungen gestellt. Hierbei gilt: Sauberkeit in Produktions- und Laborbereichen ist nur möglich, wenn von allen betroffenen Personen drei Voraussetungen verstanden und erfüllt sind:

  • Das Wissen über Hygienefragen und die Gefahren von Kreuzkontaminationen.
  • Das Wissen über die eigene Verantwortung.
  • Die gute innere Einstellung für das Umsetzen des Wissens in die tägliche Praxis.

Auch im EU-GMP-Leitfaden finden sich hierzu im Anhang 1 „Herstellung steriler Arzneimittel“ zwei wesentliche Textstellen [2]:

37. Das gesamte in reinen Bereichen tätige Personal (einschließlich des Reinigungs- und Wartungspersonals) sollte regelmäßig in den für die sachgemäße Herstellung steriler Produkte wichtigen Disziplinen geschult werden. Die Schu- lung sollte auch Hygiene und Grundlagen der Mikrobiologie umfassen.

39. Ein hoher Standard an persönlicher Hygiene und Sauberkeit ist unerlässlich. (…) Regelmäßige Gesundheitskontrollen in dieser Hinsicht sind wünschenswert.

Prinzipiell unterscheidet man Maßnahmen zur Personal- und zur Betriebshygiene, wobei zur Personalhygiene alle auf das Personal bezogenen Prozesse, die das Personal zur Vermeidung einer mikrobiellen Kontamination umsetzt, und zur Betriebshygiene alle nicht auf Personen bezogene Prozesse, die ein Betrieb zur Vermeidung einer mikrobiellen Kontamination umsetzt, versteht.

Maßnahmen der Personalhygiene sind beispielsweise Bekleidungskonzepte für reine bzw. hygienekontrollierte Bereiche. Maßnahmen der Betriebshygiene sind beispielsweise Monitoring von Räumen, Versorgungssystemen oder Ausrüstungen.

Welche mikrobiologischen Aspekte bei der Personal- und Betriebshygiene wichtig sind und wie Bekleidungsvorschriften aussehen können, erfahren Sie im nächsten Qualitätstipp.

Lassen Sie mich zum Schluss den deutschen Immunbiologen Gerhard Uhlenbruck (*1929) zitieren:

„Krankheit spürt man, Gesundheit nicht.“

Internet-Links
[1] www.hygeia.de/goettin_hygeia und http://www.artedea.net/hygieiadie-vorbeugende/
[2] www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/redaktion/pdf_gesetze/bekanntmachungen/Anhang-1-GMP-Leitfaden.pdf

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