Newslettereditorial 08.01.2014

Carbondioxid as Chemical Feedstock – a Challenge for Sustainable Chemistry

Liebe Leserinnen und Leser,

knapp 140 Experten trafen sich im Oktober letzten Jahres in Essen zur Konferenz "CO2 as Chemical Feedstock - a Challenge for Sustainable Chemistry". Ziel dieser Veranstaltung war es, den Status quo in Sachen CO2-Nutzung als Chemierohstoff zu beleuchten. Dahinter steckt die Idee, den Klimakiller Kohlendioxid aus den Rauchgasen von Kraftwerken und Hochöfen sowie Gärprozessen wie der Bioethanolgewinnung abzutrennen und für chemische Synthesen zu nutzen. Auf diese Weise könnte man Energieträger wie Methan, Methanol, Synthesekraftstoffe, etc. herstellen, aber auch Basischemikalien - etwa für die Kunststofferzeugung. Man bräuchte kein Erdöl mehr und würde der Umwelt etwas Gutes tun. So jedenfalls die Theorie.

Dass diese Idee gar nicht so utopisch ist, zeigen bereits einige funktionsfähige Anlagen. Speziell im Bereich Power to Gas - hier wird Methan bzw. Methanol aus Wasserstoff und Kohlendioxid gewonnen - ist die Entwicklung relativ weit gediehen. So war auf dem Kongress in Essen zu erfahren, dass in Island das Unternehmen Carbon Recycling Methanol zur Kraftstoffbeimischung nach dieser Methode produziert. Und auch in Deutschland laufen bereits 20 Power-to-Gas-Demonstrationsanlagen. Bayer Material Science, um ein anderes Beispiel der CO2-Nutzung zu nennen -  synthetisiert im Rahmen der Initiative Dream Production Polyole aus Kohlendioxid, die wiederum als Basis für Schaumstoffe dienen. Mit der Herstellung im Produktionsmaßstab soll 2015 begonnen werden.

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Eine weitere Möglichkeit der CO2-Nutzung besteht darin, Algen oder bestimmte Mikroorganismen mit dem Klimagas zu füttern und zu vermehren. Aus der Biomasse lassen sich dann wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine oder Öle extrahieren.

Einige Probleme, die bei der Umsetzung der CCU-Technologien zu bedenken sind - CCU steht für Carbon Capture Utilisation - , sollen hier jedoch nicht verschwiegen werden. Zunächst einmal erfordern die meisten dieser Verfahren eine teure, energievebrauchende Abtrennung und Aufreinigung des CO2 und der anderen im Prozess eingesetzten Stoffe wie etwa H2. Energieverbrauchend ist in der Regel auch die chemische Umsetzung des CO2 zu den gewünschten Kohlenstoffverbindungen. In Bezug auf das Klima macht CCU also nur dann Sinn, wenn hier erneuerbare Energie zum Einsatz kommt. Ein weiteres Problem ist die Verfügbarkeit des Kohlendioxids. Optimal wäre natürlich, wenn man es direkt der umgebenden Luft entziehen könnte - zu tragbaren Kosten versteht sich. Doch auch daran wird längst gearbeitet, wie der Kongress in Essen zeigte.

Wie schnell sich die Nutzung von CO2 als Kohlenstoffträger etablieren wird, bleibt abzuwarten. Das BMBF jedenfalls investiert in die Forschungsförderung in diesem Bereich bis 2015 insgesamt 100 Mio. Euro.Begriffe wie Power to Gas und Carbon Capture Utilisation werden in nächster Zeit jedenfalls noch öfter von sich Reden machen. 

Alles Gute im neuen Jahr und angenehme Lektüre unseres Newsletters wünscht

 

Jürgen Wagner

Redakteur LABO

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