Interview

„Der Weg zum nachhaltigen Labor beginnt im Kopf“

Zum Thema Nachhaltigkeit beantwortete Klaus Ambos, Geschäftsführer von Starlab International GmbH, im LABO-Interview einige Fragen und gibt hier einige Tipps.

LABO: Herr Ambos, im Rahmen der Starlab-Nachhaltigkeitswoche und auf den Web-Seminaren, die Sie im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche durchgeführt haben, gab es auch einige Tipps. Zudem wurden auch drei Etappen zum grünen Labor angesprochen. Um welche handelt es sich?

Klaus Ambos: Im ersten Schritt müssen Labore „ihr Verhalten“ standardisiert kritisch hinterfragen, im zweiten Schritt eine nachhaltigere Materialbeschaffung im Einkauf anstreben und im dritten Schritt die ersten beiden Schritte habitualisieren. Doch wichtig ist: Der Weg zum nachhaltigen Labor beginnt im Kopf!

Klaus Ambos © Starlab International GmbH

So müssen Organisationen zunächst entscheiden, dass sie nachhaltiger agieren wollen. Sie müssen sich dafür ins Bewusstsein rufen, dass es für diese Verhaltensänderung eine neue Denkweise braucht. Aus dieser veränderten Einstellung ergeben sich z. B. für die Laboranten und Laborantinnen automatisch neue Fragestellungen: Ist das notwendig? Gibt es eine umweltfreundlichere Alternative? Habe ich das nicht mehr benötigte Gerät abgeschaltet? Kann ich etwas wiederverwenden? Gibt es Produkte mit umweltfreundlicheren Verpackungen?

Wie könnte in Laboren recht kurzfristig ein großer Effekt in puncto Nachhaltigkeit erreicht werden?

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Labore könnten beispielsweise das Thema Einkauf von nachhaltigen Produkten angehen. Gab es früher kaum umweltfreundlichere Alternativen, können Labore mittlerweile aus vielen umweltfreundlicheren Produkten wählen. Die Branche erlaubt durchaus Wahlmöglichkeiten, die bei der Herstellung weniger Ressourcen verbrauchen, die leichter und kompakter, wiederverwendbar oder recycelbar sind.

Nachhaltigkeit muss ja auch gelebt werden. Hier kommen viele Prozesse und Verhaltensweisen zum Tragen. Wie ließe sich dabei „nachhaltig“ etwas bewirken?

So wie die 3 Gs in der Corona-Pandemie als Erinnerungsstütze funktioniert haben, sollten sich Labormitarbeiter die 4 Rs merken: Reduce. Reuse. Refill. Recycle, also: Reduzieren. Wiederverwenden. Nachfüllen. Recyceln. Das ist in etwa wie ein Mantra, das sich langfristig auf das Verhalten auswirkt und letztendlich dazu führt, nachhaltig zu arbeiten und zu leben. Ich bin überzeugt, dass sich dieses Credo obendrein unbewusst auf viele Alltagshandlungen überträgt und damit positive Effekte im Privatleben hat.

Zum Beispiel sollten sich Wissenschaftler und Labormitarbeiter stets die Abfall-Pyramide vergegenwärtigen. An der Spitze der hierarchisch aufgebauten Pyramide steht das Ziel, Abfall von vornherein zu vermeiden oder zu reduzieren. Denn weniger Konsum führt zu weniger Müll. Wenn gekauft wird, dann sollten Labore und Wissenschaftler die umweltfreundlichsten Produkte wählen, die bei der Herstellung weniger Ressourcen verbrauchen. Labore können so ihren eigenen CO2-Fußabdruck verringern. Und wie gesagt: Was im Labor funktioniert, funktioniert ebenso außerhalb.

Ein anderer umsetzbarer Schritt ist das Wiederverwenden. Selbst in Laboren ist es trotz der strengen Vorschriften möglich, bestimmte Utensilien mehrfach zu verwenden. Und man sollte schon bei der Beschaffung das Ende der Lebensdauer eines Produktes im Blick haben. Labore könnten die Umweltverschmutzung durch die Beschaffung von Produkten aus recycelbarem Material verringern, oder bei der Lieferantenwahl darauf achten, ob diese Lieferanten ein Rücknahmesystem anbieten.

Was steckt hinter #EcolutionMovement?

Wir möchten den virtuellen Raum nutzen, um zu mehr Nachhaltigkeit in verschiedensten Bereichen zu motivieren. Natürlich möchten wir auch unser Bestreben, unseren Beitrag und unsere Aktivitäten in puncto Nachhaltigkeit zeigen. Wir bei Starlab begeben uns selbst auf eine Reise, um die Ökobilanz des Unternehmens zu verbessern. Warum #EcolutionMovement? Durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien sind wir miteinander vernetzt, und Hashtags sind Mottos, die uns gezielt mobilisieren und eine soziale Bewegung auslösen können. Sie sind Erinnerung und gleichzeitig ein Versprechen und dezentes Druckmittel für jeden, der sich öffentlich bekennt. Denn Nachhaltigkeit lebt vom öffentlichen Bekenntnis. Wenn man auf sozialen Medien #EcolutionMovement eingibt, wird man bereits fündig. Das sind die ersten Schritte einer Bewegung, in der eine nachhaltige Veränderung kollektiv angestrebt wird.

Dann wünsche ich Ihnen hierfür nachhaltigen Erfolg und bedanke mich für das Interview.

(Die Fragen stellte Dr. Barbara Schick.)

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