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Artikel und Hintergründe zum Thema

Umweltanalytik

Massenspektrometrische Detektion kurzkettiger PFAS

Das Autorenteam berichtet über eine Machbarkeitsstudie zur Identifizierung von kurzkettigen per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) in der analytischen Chromatographie über die massenspektrometrische Detektion anhand von Ionenverhältnissen mit Produkt-Ionen niedriger Masse.

Bild 1: „ACQUITY“-Chromatographie-System (links) in Verbindung mit dem Massenspektrometer „Xevo TQ Absolute“ (rechts) von Waters. © Waters

Als die Auswirkungen und Gesundheitsgefahren der seit langem eingesetzten perfluorierten Carbonsäuren (PFCA) mit Kettenlängen zwischen C9 und C14 bekannt wurden, wurde begonnen, sie durch Verbindungen mit kürzeren Kettenlängen zu ersetzen. Die Bestimmung der alternativ verwendeten kurzkettigen PFCA, wie z. B. Perfluorbutansäure (PFBA – C4) mittels LC-MS/MS stellt die Testlabore vor verschiedene Herausforderungen. Neben der Blindwertthematik, die insbesondere für das flüchtige PFBA nur schwer kontrollierbar ist, gibt es chromatographische Aspekte, die zu beachten sind. PFBA ist wesentlich polarer und reagiert, gerade bei der direkten Analyse von Wasserproben, empfindlicher auf den hohen Anteil von Methanol im Probenlösungsmittel, der für langkettige PFAS notwendig ist. Dies birgt die Gefahr einer Peakverbreiterung oder sogar des Peaksplittings, da größere Injektionsvolumina nötig sind, um beispielsweise die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung ohne Aufkonzentrierung der Probe einzuhalten. Hier können sich Testlabore mit analytischen Säulen behelfen, die eine bessere Retention für polare Verbindungen aufweisen.

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Kurzkettige PFAS

Im Folgenden geht es um einen Lösungsansatz für eine weitere Problematik der LC-MS/MS-Analyse kurzkettiger PFAS. Für die korrekte Identifizierung einer Verbindung ist neben dem sog. Quantifier- auch ein Qualifier-Massenübergang nötig – somit sind zwei Fragment-Ionen erforderlich. Aufgrund der starken C-F-Bindung ist die Fragmentierung der Molekül-Ionen von PFAS mit Kettenlänge C6 und kürzer stark eingeschränkt. Das Hauptfragment ergibt sich durch die Abspaltung der funktionellen Gruppe und wird aufgrund der guten Intensität für die Quantifizierung verwendet. Die Abspaltung einer CF2-Gruppe von der Kette wird abhängig von der Verbindung gar nicht (bei PFBA = Perfluorbutansäure) oder nur mit sehr geringer Intensität beobachtet (im Fall von PFPeA = Perfluorpentansäure). Es ist allerdings möglich, ein abgespaltenes Fluorid-Ion mit dem Masse-Ladungs-Verhältnis m/z 19 zu detektieren. Dessen Intensität ist jedoch im Vergleich zum sog. Quantifier-Ion wesentlich geringer, so dass das Qualifier-Ion (m/z 19) erst ab höheren Konzentrationsniveaus zuverlässig detektiert wird. Tandem-Massenspektrometer werden bisher nur für sehr wenige Applikationen in diesem m/z-Bereich betrieben. Ist also die Anwesenheit eines zweiten Fragment-Ions eine Voraussetzung für das erfolgreiche Bestimmen einer Substanz, kann ein großer Intensitätsunterschied zwischen Qualifier und Quantifier die Nachweisgrenze der Methode limitieren.

Noch kritischer wird es, wenn als Identifikationskriterium zusätzlich das Verhältnis der beiden Fragment-Ionen in einem entsprechenden Toleranzbereich verlangt ist, wie es im "EURL PFAS Guidance Document" für die Untersuchung von PFAS in Lebens- und Futtermitteln der Fall ist. Für Substanzen, die kein zweites Fragment-Ion haben, wird im PFAS Guidance Document alternativ zum Ionenverhältnis eine zweite LC-Methode mit anderen chromatographischen Bedingungen oder eine andere Art der Massendetektion, z. B. hochauflösende Massenspektrometrie zur Identifizierung, vorgeschrieben. Das bedeutet einen erheblichen Mehraufwand für die Testlabore. Wenn es folglich möglich wäre, die Intensität des Massenübergangs auf m/z 19 zu erhöhen, könnte das zum einen in den Testlaboren einen zweiten analytischen Lauf überflüssig machen und zum anderen mehr Sicherheit in die Befunde von z. B. PFBA bringen.

PFBA

Bild 2: Vergleich der Peakflächen des Massenübergangs m/z 212,9> 19 (Qualifier-Übergang) aus der Messung am modifiziertem und am Standard-Xevo-TQ-Absolute-Gerät über einen Konzentrationsbereich von 1 bis 1000 ng/l (0,025 bis 25 pg on column [absolute Konzentration auf der Säule]). © Waters

Die hier beschriebene "Proof of Performance"-Studie befasst sich mit der Verwendung des Qualifier-Massenübergangs m/z 213 > 19 zur Berechnung von Ionenverhältnissen für die Identifizierung von PFBA. ( m/z #1 > #2 steht im Folgenden für "Massenübergang", d. h. m/z des aus dem Molekül-Ion 1 hervorgegangenen Fragment-Ions 2.) Wie bereits erwähnt, liegt der Arbeitsbereich der TQ (Tandem-Quadrupol)-Massenspektrometrie sehr selten in diesem unteren m/z-Bereich. Das "Xevo™ TQ Absolute"-MS-System (Bild 1) von Waters wurde deswegen modifiziert, indem die Signaldetektion der sehr kleinen Fragment-Ionen verbessert wurde. So konnte für PFBA eine Steigerung der Signalintensität von m/z 19 um 1 700 % erreicht werden. Dies wird in Bild 2 deutlich, in dem die Peakfläche von m/z 19 aus Messungen an einem Standard-TQ-Absolute-Gerät und an einem modifizierten TQ-Absolute-Gerät in Abhängigkeit zur Konzentration dargestellt ist.

Bild 3: Gegenüberstellung der Ionenverhältnisse des Quantifier- (m/z212,9> 169) und Qualifier-Übergangs (m/z212,9> 19) von PFBA aus Messungen mit dem Standard-Gerät (orange) und dem modifizierten TQ-Absolute-Gerät (blau) im Konzentrationsbereich 1 bis 20 ng/l (0,025 bis 0,5pg on column). © Waters

Durch die verbesserte Intensität des Fragment-Ions ist auch für einstellige ng/l-Konzentrationen die Absicherung des PFBA-Befundes durch das Ionenverhältnis möglich. Bild 3 zeigt am Beispiel von PFBA die Gegenüberstellung des Ionenverhältnisses von m/z 212,9 > 169 und m/z 212,9 > 19 auf dem Standard-Gerät und dem modifizierten Massenspektrometer. Bei der Standard-Version kann der vorgegebene Toleranzbereich des Ionenverhältnisses für Konzentrationen unter 20 ng/l nicht eingehalten werden. Dagegen sichert die zusätzliche Empfindlichkeit für m/z 19 am modifizierten "TQ Absolute"-Gerät die Identifizierung von PFBA bis 1 ng/l ab.

Bild 4: Chromatogramme des Quantifier- (m/z212,9> 169) und des Qualifier-Übergangs (m/z212,9> 19) von PFBA in einer Oberflächenwasser-Probe dotiert mit 2,9ng/l (0,15pg on column) PFBA. © Waters

Eine Bestätigung, dass die modifizierte Geräte-Variante auch in Realproben solche Ergebnisse für PFBA zeigt, verdeutlicht Bild 4. Hier sind die chromatographischen Peaks des Quantifier- und Qualifier-Massenübergangs von PFBA in einer Oberflächenwasserprobe bei 2,9 ng/l dargestellt. Auch wenn die Peakform nicht ideal ist, wird deutlich, dass mit dem modifiziertem TQ-Absolute-System die Steigerung der Qualifier-Intensität ganz neue Möglichkeiten für die Absicherung der Befunde von PFBA zulässt.

Zusammenfassung

Es zeigt sich im Experiment, dass die Detektion des Fluorid-Fragment-Ions (m/z 19) mit dem Gerät "Xevo TQ Absolute" eine Möglichkeit ist, kurzkettige PFAS über einen Qualifier-Massenübergang zu identifizieren. Dies ist für das Standard-Modell mit einer Einschränkung der Bestimmungsgrenze von PFBA bei ca. 20 ng/l oder 0,5 pg on column verbunden. Untersuchungen mit dem modifizierten TQ-Absolute-System zeigten eine Steigerung der Intensität des Übergangs m/z 213 > 19 um 1 700 %, was damit gut integrierbare chromatographische Peaks und stabile Ionenverhältnisse für Konzentrationslevel bis zu 1 ng/l oder 0,025 pg on column ermöglicht. Mit dieser Entwicklung kann es für Testlabore möglich werden, PFBA-Analysen mit einem Qualifier und einem entsprechenden Ionenverhältnis abzusichern. Die Bestimmungsgrenzen nach der Trinkwasserverordnung können mit Direktinjektion eingehalten werden, und für die Analytik von Lebens- und Futtermitteln ist keine zweite Methode für die Identifizierung notwendig. Damit wird der Arbeitsaufwand für die Testlabore wesentlich reduziert. Der Zugewinn an Intensität für m/z 19 wurde neben PFBA auch bei weiteren PFAS beobachtet.

AUTOREN
Dr. Claudia Rathmann, Dr. Lars Sattler
Waters GmbH
Dr. Stuart Adams
Waters Corporation, GB-York
[email protected]
www.waters.com

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