Biodiversität

Größere Artenvielfalt erhöht Produktivität

Forscher der Universität Göttingen haben in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universitäten Zürich, Bonn und Jena an Mikroalgen verschiedene Maße für Biodiversität verwendet und ihren Zusammenhang mit der Veränderung der Biomasseproduktion der Algen getestet.

Eine der in der Studie untersuchten Algenarten: Pseudochlorella pringsheimii.

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Produktivität mit steigender Diversität für alle Biodiversitätsmaße steigt, wenn alle verwendeten Artenzahlen zusammen betrachtet werden. Wenn die Daten aber in Gruppen nach ihrer Artenzahl getrennt untersucht werden, ergibt sich für die verschiedenen Diversitätsmaße ein anderes Bild. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift New Phytologist erschienen.

Bei steigender Biodiversität reagieren Ökosysteme robuster auf Störungen und produzieren mehr Biomasse. Allerdings kann die Biodiversität auf unterschiedliche Arten gemessen werden, was zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Außerdem sind Diversitätsmaße, die auf genetischen Daten basieren, leichter zu ermitteln, als diejenigen, die auf funktionellen Unterschieden wie Stoffwechselwegen oder Lebensweise beruhen. Daher werden genetische Maße vielfach als Näherung für funktionelle Diversität verwendet.

„Bei hohen Artenzahlen steigt zunächst die Biomasseproduktion mit höheren Diversitätsmaßen, die die Verwandtschaft der Artengemeinschaften reflektieren. Bei höheren genetischen Diversitäten fanden wir jedoch einen negativen Zusammenhang zur Biomasseproduktion. Ein solcher negativer Biodiversitätseffekt wurde bislang nur selten gefunden beziehungsweise nur theoretisch postuliert“, erläutert Hauptautor Dr. Bastian Steudel von der Universität Göttingen. „Der nun gefundene Effekt könnte auf einer Wachstumshemmung durch Inhaltsstoffe der Algen beruhen, die zum Teil ins Wasser abgegeben werden und stärker bei nicht verwandten Algenarten wirken, da sich sonst die Algen selbst hemmen würden.“

Anzeige
Eine weitere Algenart: Ankistrodesmus densus.

Bei den Diversitätsmaßen, die die funktionelle Diversität der Algen reflektieren, wurde allerdings die erwartete Zunahme der Biomasse gefunden. „Die durchgeführten Experimente zeigten daher, dass bei gleicher Artenzahl genetische Maße zu irreführenden Ergebnissen führen können und zudem die Aussagen von Diversitätsexperimenten bei Mikroalgen artenzahlabhängig sind“, so Dr. Steudel.

Originalveröffentlichung:
Bastian Steudel et al. Contrasting biodiversity – ecosystem functioning relationships in phylogenetic and functional diversity. New Phytologist. DOI: 10.1111/nph.14054.

Kontaktadresse:
Dr. Bastian Steudel
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Biologie und Psychologie
Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften
Abteilung Experimentelle Phykologie und Sammlung von Algenkulturen
37073 Göttingen
E-Mail: bastiansteudel@aol.com
Internet: www.uni-goettingen.de/de/45175.html

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Biodiversitätskrise

Artenvielfalt in der Krise

Der weltweite Verlust der Biodiversität, der Vielfalt an Arten und Lebensräumen, steigt dramatisch. Die Folgen von Umweltveränderungen wie Lebensraumzerschneidung und Klimawandel werden aber oft erst verspätet erkannt und unterschätzt – mit...

mehr...
Anzeige

Schnellster Feuchtebestimmer am Markt für Feuchte-/Feststoffgehalt

Der Feuchtebestimmer SMART 6 analysiert den Feuchtegehalt jeder Probe in nur 2 min. Ob nass oder trocken, Feststoff, Pulver oder Suspension – egal! Alle Probenarten werden dank der Kombination Mikrowelle/Halogen schnell und präzise bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Dank der Temperaturkontrolle sind die Messwerte vergleichbar zu den Standardmethoden.

mehr...

Angewandte Pflanzenwissenschaft

Zukunftsfabrik Mikroalge

Biologieprofessor Ralf Kaldenhoff macht Mikroalgen fit für die Industrie. Sie könnten vielfältige Produkte aus Kohlendioxid und Licht herstellen. Die leuchtend grüne Brühe mit den ebenso grünen Würfeln aus Gelee sieht aus wie ein futuristisches...

mehr...
Anzeige
Anzeige

Schnelle automatisierte Lösemittel Extraktion

Das EDGE Extraktionssystem ist ein sequentielles System für die schnelle automatisierte Lösemittel-Extraktion. Damit werden unterschiedliche Proben schnell in nur 5 min. extrahiert. Die Extraktionen im EDGE werden unter Druck und bei erhöhten Temperaturen durchgeführt, was zu einer starken Beschleunigung der Reaktionskinetik führt.

Zum Highlight der Woche...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem LABO Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite