Nachweis in nur einer Stunde

Schnelltest auf multiresistente Keime

Ein Forschungsprojekt der Innovationsallianz Baden-Württemberg will ein handliches Analysengerät entwickeln, das multiresistente Keime innerhalb einer Stunde nachweisen kann. So könnten Therapien schneller begonnen und unnötige Isolationszeiten verringert werden.

Ein handlicher Lab-Disk-Player soll Ergebnisse beim Nachweis multiresistenter Keime bereits nach 1 h liefern (Foto: Hahn-Schickard-Institut).

Derzeit dauern Testverfahren für den Nachweis multiresistenter Keime selbst in größeren Kliniken mehrere Stunden, bei kleineren Krankenhäusern sogar bis zu einem Tag. Denn dort muss die Probe zunächst an ein Labor verschickt werden. Der Patient weiß dann frühestens am nächsten Vormittag, ob er einen Infektionserreger mit einer Resistenz trägt. Erst dann stellt sich heraus, ob eine Isolierung wieder aufgehoben werden kann oder ob beispielsweise spezifischere Antibiotikakombinationen zum Einsatz kommen müssen.

Der raschere Nachweis könnte künftig eine beschleunigte Identifikation infizierter Patienten und sofortige medizinische Gegenmaßnahmen ohne unnötige Wartezeit ermöglichen. Die Chance auf eine baldige Gesundung stiege deutlich. Im Fall eines negativen Schnelltest-Ergebnisses würden die zur Sicherheit eingeführten Isolationszeiten überflüssig, da das Testergebnis schnell vorliegt. Das ist angenehmer für den Patienten und spart Kosten für das Gesundheitssystem.

Transfer aus der Forschung in die Wirtschaft

Initiiert hat das Projekt die innBW, ein Bündnis zwölf wirtschaftsnaher Forschungsinstitute, das in wichtigen Zukunftsfeldern eng und interdisziplinär zusammenarbeitet. Das ermöglicht die Kombination mehrerer Hochtechnologien und erfüllt eine der wichtigsten Voraus-setzungen für die vom Land erhofften Sprunginnovationen. Durch die Kombination von wissenschaftlichen und technologischen Innovationen soll das zu entwickelnde Analysengerät deutlich mehr leisten als herkömmliche Systeme: Auf dem Entwicklungsplan steht unter anderem ein digitaler Einzel-Bakterien-Test. Das erlaubt eine Zuordnung der Resistenzen zu den jeweiligen Erregern, so dass eine spezifischere Therapie möglich ist. Auch die Entwicklung eines schnellen Lyseverfahrens kompatibel zur nachfolgenden DNA-Amplifikation ist vorgesehen. Zeitintensive Aufreinigungsschritte entfallen somit.

Anzeige

An dem Projekt beteiligt sind sieben innBW-Institute: das Hahn-Schickard-Institut für Mikro- und Informationstechnik in Freiburg, das Institut für Lasertechnologien in der Medizin in Ulm, das Hahn-Schickard-Institut für Mikroaufbautechnik in Stuttgart, das Hohenstein Institut für Textilinnovation in Bönnigheim, das Institut für Textil- und Verfahrenstechnik der Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung in Denkendorf, das Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie in Schwäbisch Gmünd und das Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut an der Universität Tübingen. Mit medizinischer Expertise begleitet wird das Forschungsvorhaben vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsklinik Freiburg. Aus der Wirtschaft kommen 17 Unternehmen, vor allem aus Baden-Württemberg. Zu den Firmen gehören unter anderem Roche Diagnostics, Harro Höfliger, Labor Dr. Merk & Kollegen, Indutherm, Velixx, Greiner Bio-One und Arburg. Die Firmen unterstützen das Projekt in einem projektbegleitenden Ausschuss und kümmern sich um Fragen aus Industrie-, Zulieferer- und Anwendersicht.

Der Spitzencluster Mikrosystemtechnik Baden-Württemberg (MST BW) wird das Vorhaben ebenfalls begleiten, um den Technologietransfer über die Fachgruppenarbeit und Workshops zu fördern. Das Forschungsprojekt hat den offiziellen Namen „Isotherme digitale Einzelzell-Amplifikation zum Nachweis antibiotikaresistenter Erreger im Krankenhaus“ (IDAK) und läuft bis Mitte 2018. Es wird vom Finanz- und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg mit 3,5 Millionen Euro gefördert.

Über innBW
Die Innovationsallianz Baden-Württemberg ist ein Zusammenschluss von zwölf außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit insgesamt 1170 Mitarbeitern. Die Institute orientieren sich am Bedarf der Wirtschaft und erschließen Technologiefelder, die für die Wirtschaft bedeutsam werden.

Für die Entwicklung innovativer Produkte stehen die Querschnittstechnologien Werkstoffe und Oberflächen, Mikrosystemtechnik/-elektronik, Digitalisierung, Nanotechnologie, Biotechnologie, Photonik, Produktionstechnik und Managementsysteme im Fokus. Von 2006 bis 2014 wurden bereits 45 Firmen ausgegründet.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige

Chip-Technologie

Kleinstlabor für die Wundheilung

Um maßgeschneiderte personalisierte Medizin auf kleinstem Raum zu ermöglichen, vereint die CellChipGroup an der TU Wien komplexe Biologie mit der Chip-Technologie. Auf der LABVOLUTION 2017 stellen die Österreicher nun der internationalen Fachwelt...

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem LABO Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite