HPLC-Tipp

Ungewöhnlich, aber erfolgreich

Der Fall

Zwischen den Jahren habe ich einen Nebenraum meines Büros aufgeräumt. Wie oft in solchen Fällen, fand ich manches Interessantes, unter anderem auch längst vergessene Messungen. Beim Durchblättern der verstaubten Ordner ist mir Folgendes abermals bewusst geworden: Früher hat man auch ungewöhnliche Sachen einfach ausprobiert - auch als "normaler" Anwender - nicht nur als Forscher. Die Angst vor dem Scheitern war nicht vorhanden, was heute leider schon eher der Fall ist, von der vorhandenen Zeit gar nicht zu sprechen... Ich zeige Ihnen nachfolgend zwei Beispiele.

Die Lösung

Bild 1: Trennung von sieben Anionen an Kieselgel, Details siehe Text.
  1. Ionen werden üblicherweise an schwachen Ionenaustauschern getrennt; die IC ist seit längerem eine gut etablierte Technik. Die schwachen Ionenaustauscher-Eigenschaften des Kieselgels reichen allerdings durchaus für eine Trennung aus. In Bild 1 wird die Trennung von sieben Anionen unterhalb 10 min an einer Kieselgelsäule gezeigt. Als Eluent fungiert Phthalatpuffer bei pH = 8,4, indirekte UV-Detektion bei 254 nm.
  2. Moleküle mit großem Molekulargewicht werden üblicherweise mittels GPC getrennt (siehe Bild 2). Die Auflösung ist nicht gerade berühmt, aber man kennt ja solche GPC-Trennungen aus den 1980er Jahren. Bild 3 zeigt eine Gradiententrennung an einer Hypersil ODS 5-μm-Säule.

Die Auflösung spricht für sich. Hier wurde alles richtig gemacht, was für eine gute Peakkapazität im Falle von sehr ähnlichen Molekülen notwendig ist: Lange Säule, 3 mm Innendurchmesser als vernünftiger Kompromiss für eine gute Packungsqualität und eine gute Empfindlichkeit, 5-μm-Teilchen, was für einen Gradienten okay ist, und wegen der langsamen Kinetik: geringer Fluss, erhöhte Temperatur, verdünnte Probenlösung.

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Das Fazit

Die Ängstlichkeit, etwas Unübliches zu tun, ist nachvollziehbar. Denn heute wird so etwas eher geahndet, als gut geheißen. Ich hoffe dennoch, dass Sie gewisse Spielräume haben, die Sie nutzen können.

Übrigens: Nur durch Abweichen von der Norm besteht die Chance für etwas Neues.

Dr. Stavros Kromidas, Saarbrücken
www.kromidas.de

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