Aus Labordiagnostik und Forschung

Labormedizinisches Forum in Düsseldorf

Im Rahmen der Medica wird ein wissenschaftliches Forum zu Themen der Labormedizin in Düsseldorf stattfinden. Jeder Veranstaltungstag widmet sich einem bestimmten Fokus.

© Constanze Tillmann/Messe Düsseldorf

Was tut sich in der In-vitro-Diagnostik? Entwicklungen aus medizinischer Praxis und biologischer und medizinischer Forschung zeigt das „MEDICA LABMED FORUM“ auf. An allen Messetagen (14. - 17.11.2022) werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der und für die Labordiagnostik präsentiert. Die Vorträge der Expertinnen und Experten sind in Messehalle 1 auf der Bühne des labormedizinischen Fachforums zu hören.

Die beiden wissenschaftlichen Organisatoren Prof. Dr. med. Georg Hoffmann und Prof. Dr. med. Stefan Holdenrieder, die beide als Laborärzte am Institut für Laboratoriumsmedizin des Deutschen Herzzentrums München tätig sind, haben in insgesamt acht Sessions für dieses Jahr wieder ein vielfältiges Programm zu aktuellen Entwicklungen in der In-vitro-Diagnostik (IVD) zusammengestellt.

Der Eröffnungstag steht unter dem Motto „Gesetzliche Vorschriften und Qualität“. Am zweiten Veranstaltungstag geht es in Kurzvorträgen und interaktiven Podiumsdiskussionen um neueste Trends in der Laboratoriumsmedizin. Am 16. November stehen jüngst entdeckte Biomarker im Mittelpunkt. Der Abschlusstag am 17. November widmet sich innovativen Entwicklungen in den Biowissenschaften.

Erster Tag: Gesetzliche Vorschriften und Qualität

Prof. Dr. Astrid Petersmann von Universitätsmedizin Oldenburg leitet den ersten Konferenztag. © privat

Den Auftakt der Veranstaltung am 14. November macht eine von Prof. Dr. Astrid Petersmann, Universitätsmedizin Oldenburg, organisierte Session über aktuelle regulatorische Herausforderungen in der Laboratoriumsmedizin. Dieser Forumstag steht insbesondere im Zeichen der europäischen „In-vitro Diagnostics Regulation“ (IVDR), die das Ziel hat, die Qualitätsstandards im Bereich der Diagnostika im Sinn der Patientensicherheit deutlich zu verbessern. Seit Mai 2022 gilt die Verordnung für Labordiagnostika und stellt nicht nur Hersteller vor große Herausforderungen, sondern auch medizinische Laboratorien, die selbstentwickelte Assays – zum Beispiel für Spezialparameter – für die Krankenversorgung einsetzen. „Das haben wir schon immer so gemacht“, so Professorin Petersmann, „ist ein Satz, der künftig nicht mehr akzeptiert werden kann.“

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Dies gilt im gleichen Sinne auch für die Qualitätssicherungsmaßnahmen, die zwar seit vielen Jahren etabliert sind, deren Anforderungen aber bisher eher aus Sicht der technischen Machbarkeit denn aus Sicht medizinischer Erfordernisse formuliert wurden. Das soll sich in Zukunft ändern, und erste erfolgte Schritte wird Prof. Dr. Matthias Nauck, Universitätsmedizin Greifswald, vorstellen. So wurden die analytischen Anforderungen an Messgrößen für die Diagnose und Behandlung des Diabetes mellitus bereits substanziell im Sinne der Patentensicherheit verschärft. Dieses Vorgehen wird auch die Basis für weitere Entwicklungen in der Richtlinie der Bundesärztekammer sein. Darüber hinaus müssen Informationen zur Qualität laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen transparenter und greifbarer für die Ärztinnen und Ärzte dargestellt werden. Dieser Aspekt wird im Veranstaltungsteil „Qualitätssicherung in Patienten-orientierter Laboratoriumsmedizin“ diskutiert. Die Leiterin dieser Programmsession geht davon aus, dass die Vortragenden hier eine Reihe von wichtigen Neuerungen im Auditorium vorstellen und diskutieren werden.

Zweiter Tag: Neueste Trends in der Laboratoriumsmedizin

Durch den zweiten Konferenztag führt Prof. Dr. Stefan Holdenrieder, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Deutschen Herzzentrum München. © privat

Unter dem Schlagwort „Liquid Biopsy“ oder „Liquid Profiling“ macht seit Jahren die Diagnostik mittels im Blut zirkulierender Nukleinsäuren (CNAPS) von sich reden. Laut Prof. Dr. Stefan Holdenrieder, der durch die Session „New Insights in Circulating Nucleic Acid Diagnostics“ am 15. November führt, bewegt sich diese Diagnostik mit schnellen Schritten von der Forschung hin zur klinischen Anwendung – also von „Bench to Bedside“. Während sie bei der nicht-invasiven Pränatal-Testung bereits Standard ist, liegen nun große Studien für den Einsatz bei Tumorpatienten vor, die sich auf die Auswahl und das Monitoring zielgerichteter Therapien, auf die Detektion einer minimaler Resterkrankung und die Frühdiagnose multipler Tumorarten erstrecken. Zudem rückt die CNAPS-Diagnostik bei der Erkennung und Klassifizierung von Sepsis sowie beim Monitoring nach einer Transplantation in den Blickpunkt. Ein wesentlicher Grund für die Weiterentwicklung ist neben der besseren Verfügbarkeit sensitiver Hochdurchsatz-Technologien das erweiterte Verständnis der Biologie, der Strukturen und Funktionen von Nukleinsäuren im Blut. So werden zunehmend epigenetische und Fragmentierungs-Muster der DNA nicht nur zum Erkennen einer Krankheit, sondern auch zur Eruierung des Ursprungs von Gewebe eingesetzt. Dr. Abel Bronkhorst von der Technischen Universität München wird in die neuen Erkenntnisse der Grundlagenwissenschaften über zirkulierende Nukleinsäuren einführen, deren vielfältige Anwendung für die klinische Diagnostik im Anschluss von weiteren ausgewiesenen Experten vorgestellt und diskutiert wird.

Der „Dauerbrenner“ Corona wird auch dieses Jahr wieder mit einer eigenen Session unter dem Titel „COVID-19: The Challenge Remains” vertreten sein. Die aktuellen Herausforderungen bestehen dabei in der fortlaufenden Evolution, die beständig neue Virusvarianten hervorbringt, und in der Notwendigkeit, sowohl Diagnostik und Therapie als auch die Vakzin-Entwicklung entsprechend anzupassen. Deshalb stehen das Erkennen neuer Virusvarianten, die Immunitätstestung mithilfe von Antikörper- und T-Zell-Tests und Ansätze zur Entwicklung eines universellen COVID-19-Vakzins im Fokus der ersten Beiträge.

Als eine weitere individuelle wie gesellschaftliche Herausforderung tritt gerade das Long-COVID-Syndrom mehr und mehr ins Bewusstsein. Um diese schleichende „Seuche nach der Seuche“, die Millionen Menschen weltweit – auch solche mit einem eigentlich milden Verlauf der Akuterkrankung – betrifft und zu lang andauernder körperlicher und mentaler Behinderung führen kann, besser verstehen und behandeln zu können, sind ein vertieftes pathophysiologisches Verständnis, neue molekulare diagnostische Tests und spezialisierte Zentren zur Behandlung von Betroffenen notwendig. Prof. Dr. Uta Behrends vom „Chronischen Fatigue Centrum für junge Menschen (MCFC)“ der Technischen Universität München hat bereits langjährige Erfahrung mit Fatigue-Syndromen nach unterschiedlichen Viruserkrankungen und wird von ihrer Arbeit mit einem interdisziplinären Team von Spezialisten zur Betreuung von Long-COVID und ME/CFS bei Kindern und Jugendlichen berichten.

Dritter Tag: Innovative Biomarker

Dr. Verena Haselmann vom Uniklinikum Mannheim fokussiert am dritten Konferenztag u.a. Verfahren der Genomsequenzierung. © privat

Am 16. November lässt Dr. Verena Haselmann vom Uniklinikum Mannheim mit einem Team junger, engagierter Wissenschaftler die „rising stars“ unter den neuen Biomarkern am Himmel der Wissenschaft leuchten. Was gibt es Neues und was ist auf dem Weg zur Standardversorgung – diese beiden Fragen stehen im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen.

Am Vormittag geht es um Technologien, deren Potenzial für die medizinische Diagnostik und Therapie noch evaluiert wird. Zu nennen sind hier neue Verfahren der Genomsequenzierung und dem Erkennen komplexer epigenomischer Veränderungen. Weiterhin geht es um die Anwendung dieser Techniken auf einzelne Zellen („single cell omics“) und die Untersuchung von Blutproben mittels Magnetresonanztomografie (MRT) - einer Technik, die bisher routinemäßig für die diagnostische Bildgebung in der Medizin bekannt ist. Allen diesen Verfahren gemeinsam ist, dass sie in einer einzigen Analyse gewaltige Datenmengen produzieren, deren Auswertung die eigentliche Herausforderung darstellt. In der Vormittagssession wird Prof. Dr. Jonathan Schmid-Burgk vom Institut für klinische Chemie und klinische Pharmakologie des Universitätsklinikums Bonn in seinem Vortrag „Next-generation sequencing – what‘s new?“ einen Einblick in die Hochdurchsatzsequenzierung sowie neue Einsatzmöglichkeiten geben. Der Nutzen einer funktionellen Genkartierung für Hotspot-Gene wird ebenfalls diskutiert.

Am Nachmittag werden auf der Forum-Programmbühne in Düsseldorf dann Techniken vorgestellt, die schon näher an der Marktreife sind, aber immer noch heiß diskutiert werden. Hier ist beispielsweise etwas zu erfahren über die Erfassung genetischer Aberrationen beim Embryo aus dem Blut der Mutter (NIPT) oder Immunitätstestungen auf zellulärer Ebene, die derzeit bei der Beurteilung der Immunitätslage in der Corona-Pandemie eine Rolle spielen. Dr. Maximilian Kittel vom Institut für klinische Chemie der Universitätsmedizin Mannheim und der Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg wird das Thema in seinem Vortrag „LDTs in the light of the IVDR – still an option for standard care?“ kritisch beleuchten: Ob und unter welchen Bedingungen „lab-developed“-Testverfahren mit vollständiger Einführung der neuen IVD-Richtlinie noch in der Routinediagnostik verwendbar sein werden. Ein Fokus liegt hierbei auf der Widersprüchlichkeit zwischen personalisierter Medizin und klinischem Leistungsnachweis. Dieser Tag schließt mit Beiträgen zur Datenauswertung mit Expertensystemen und zu Eigenentwicklungen aus dem Labor (LDT = lab-developed tests), die für die Routineanwendung durch die neuen Regularien der IVDR gebracht werden müssen.

Vierter Tag: Entwicklungen in den Biowissenschaften

Unter der Leitung von Dr. Peter Quick, VDGH-Vorstandsmitglied und Leiter der AG Life Science Research, geht es am vierten Tag um RNA-Mehoden. © VDGH/Henning Schacht

Am 17. November bringt Dr. Peter Quick, Leiter der AG Life Science Research beim VDGH e. V., Forscher und Entwickler auf die Bühne, die sich mit RNA-Technologien beschäftigen. Dr. Christian Dohmen, Ethris GmbH, Senior Director Formulation & Aerosol Research, stellt im Rahmen der RNA-Technologien das Projekt mRNA-Therapeutika für Lungenerkrankungen vor.

Dr. Janine Altmüller, MDC für Molekulare Medizin und Leiterin des Genomics Core Berlin Institute of Health an der Charité, thematisiert in ihrem Vortrag Besonderes aus der Life-Science-Forschung: Einzelzell- und räumliche Omics. Da alle Lebensvorgänge in Organen und Organismen auf den Funktionen ihrer Grundbausteine, den einzelnen Zellen und deren Wechselwirkungen beruhen, können Omics-Methoden die Medizin bereichern. Die Referentin gibt einen breiten Überblick über technologische Konzepte für die Einzelzell- und räumliche Analyse, zeigt sowohl Vorteile als auch Grenzen auf und veranschaulicht ihre Auswirkungen anhand einiger Fallstudien.

Gentherapie, Genome Editing & Diagnostics  – wohin geht die Reise? Auch Toni Cathomen, Professor für Zell- und Gentherapie an der Universität Freiburg und Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin und Gentherapie am Universitätsklinikum Freiburg, lädt in die Zukunft ein. Er wird Prinzipien der Gentherapie und Genomeditierung erklären, Beispiele für erfolgreich angewandte Gentherapien für Blut- und Immunerkrankungen vorstellen und neue Genomeditierungstechnologien diskutieren, die den Anwendungsbereich der Gentherapie deutlich erweitert haben. Abschließend wird er auf diagnostische Assays eingehen, die verwendet werden, um ggf. Risiken der Genotoxizität zu bewerten und zu mindern.

Bei aller Komplexität der Themen werden alle Vorträge kurz und verständlich gehalten und können gemeinsam mit dem Auditorium in Podiumsdiskussionen vertieft werden.

Weitere Informationen

Das detaillierte Programm des Medica-Labmed-Forums ist zu finden unter: www.medica.de/mlf1

Quelle: Messe Düsseldorf

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