Interview
Laborplanung im Wandel
LABO: Carpus+Partner gibt es ja nun schon seit 1982 – also seit mehr als vier Jahrzehnten. Welche Entwicklungen und Veränderungen fallen hier besonders auf im Laufe der Jahre?
Kranz: Als ich vor etwa 15 Jahren zu Carpus kam, war die Laborplanung noch viel individueller. Jedes Labor wurde mit dem Nutzer im Detail geplant, und es wurden genaue Gespräche über die Anforderungen geführt. Die Aspekte der Nachnutzbarkeit und Flexibilität, die heutzutage so wichtig sind, spielten damals noch keine so zentrale Rolle, wie sie es heute tun. Im letzten Jahrzehnt hat sich jedoch zunehmend herauskristallisiert, dass die Kunden – und nicht nur die Bauherren, sondern vor allem auch die Nutzer selbst – immer stärker über die Zukunftsfähigkeit ihrer Labore nachdenken. Sie möchten, dass ihr Labor auch in fünf, zehn oder sogar 15 Jahren noch funktional und flexibel einsetzbar ist. Es kommt häufig vor, dass Kunden zwar noch nicht genau wissen, welche Versuche sie in zehn Jahren durchführen werden, aber dennoch sicherstellen möchten, dass das Labor über die nötige Infrastruktur verfügt, um auch zukünftige Anforderungen zu erfüllen.
Dieser Wandel hat zu einem größeren Fokus auf modulare Planung geführt. Wir denken heute viel mehr darüber nach, was das grundlegende "Basic Labor" ausmacht, und bauen darauf auf, so dass sich die Infrastruktur anpassen lässt. Dieser Gedanke der langfristigen Flexibilität hat in den letzten zehn Jahren zugenommen und prägt die Planung von Laboren zunehmend.
Wo sehen Sie denn besondere Herausforderungen bei der Planung von Bauprojekten, in denen sich Laborräume befinden sollen?
Ein großes Thema ist sicherlich die Digitalisierung, aber auch die Themen künstliche Intelligenz (KI) und Automation werden immer wichtiger. Die Kunden wünschen sich modernere, technisch besser ausgestattete Labore. Aber das geht oft mit einem höheren Kostendruck einher, was die Planung natürlich nicht einfacher macht. Die Herausforderung besteht darin, das Labor mit den neuesten Technologien auszustatten, ohne die Budgetgrenzen zu überschreiten. Es geht darum, möglichst viel mit möglichst wenig Aufwand zu erreichen.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Nachhaltigkeit. Labore verbrauchen viele Ressourcen – von der Lüftung über Heizung bis hin zu Kühlung. Diese Systeme müssen nicht nur funktional, sondern auch nachhaltig gestaltet werden, was in der Planung eine echte Herausforderung darstellt.
Was hat sich denn aus Sicht der Planenden verändert? Haben Sie jetzt bessere oder einfachere Möglichkeiten, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war?
Unsere Arbeitsweise hat sich tatsächlich massiv verändert. Ich erzähle meinen jüngeren Kollegen immer gerne, dass wir vor 15 Jahren ein großes Projekt planten, bei dem in einem Gebäude 275 Abzüge verbaut wurden – und wir hatten keinerlei Software, die uns dabei half, die Steckdosen zu planen. Damals musste ich Tausende von Steckdosen auf AutoCAD-Zeichnungen zählen – reine Handarbeit. Es gab keine Automatisierungsprozesse. Heute arbeiten wir in einem Modell, bei dem die Möblierung und die Infrastruktur des Labors in einer 3D-Bibliothek abgebildet sind. Das bedeutet, dass wir beispielsweise die Anschlüsse eines Abzugs direkt auslesen können, und am Ende drucken wir dann einfach eine Liste mit allen benötigten Steckdosen. Die Planung ist dadurch viel effizienter, weniger fehleranfällig.
Zudem arbeiten wir heute viel enger mit den anderen Fachplanern zusammen. Wir nutzen in der Regel ein BIM-Modell (Building Information Modeling), das es uns ermöglicht, in einem gemeinsamen Modell zu arbeiten. So gibt es nur noch eine Wahrheit: die im Modell. Früher musste jeder Fachplaner für sich arbeiten und am Ende stellte man fest, dass die Pläne nicht übereinstimmten. Diese Methode hat die Planung definitiv einfacher gemacht.
Bedeutet das in der Schlussfolgerung, dass Planungen heute schneller und effizienter umgesetzt werden können?
Ja, in gewisser Weise schon. Der gesamte Planungsprozess eines Gebäudes wird dadurch nicht unbedingt schneller, aber wir können viele Dinge gleichzeitig planen und müssen nicht mehr so viel Zeit als Einzelperson in einem Projekt verbringen. Das macht die Arbeit abwechslungsreicher und spannender. Was jedoch wirklich viel schneller geworden ist, ist der Abgleich und die Kollisionsprüfung, die durch das BIM-Modell erheblich effizienter und schneller vonstattengeht. Das führt zu einer insgesamt besseren Qualität und einer reibungsloseren Umsetzung auf der Baustelle.
Können Sie ein kürzlich abgeschlossenes Laborprojekt nennen, bei dem besonders innovative Konzepte realisiert wurden?
Ein Projekt, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das „House of Hair“ der Henkel AG in Hamburg. Hier haben wir die Laborplanung übernommen und die Kollegen der CP Bauteam GmbH die spätere Realisierung. Dabei ging es nicht nur um die technische Ausstattung, sondern auch um das Thema "moderne Arbeitsumgebung" und den Wohlfühlfaktor.
Labore wirken oft kühl und ungemütlich, was sich negativ auf die Arbeitsatmosphäre auswirken kann. Bei Henkel ist es gelungen, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Mitarbeitenden wirklich wohlfühlen. Es war spannend zu erleben, wie man ein Labor so gestalten kann, dass es den Menschen dort gefällt. Für die Forschungseinheiten hat Henkel die renommierte „My Green Lab“-Zertifizierung erhalten. Das Zertifizierungsprogramm zielt darauf ab, nachhaltige Standards im Forschungsbetrieb naturwissenschaftlicher Labore zu etablieren.
Was die Technologie betrifft, haben wir auch mit BASF sehr interessante Projekte als Generalplaner umgesetzt, etwa ein Labor mit automatisiertem Probentransport. Dort wurde das Zusammenspiel von Mensch und Maschine sehr gut umgesetzt, um den Mitarbeitenden die Arbeit zu erleichtern. Hier geht es nicht darum, den Menschen zu ersetzen, sondern um eine Hand-in-Hand-Arbeit, bei der Technologie unterstützt, aber der Mensch nicht ersetzt wird. Ich denke, Projekte wie diese tragen dazu bei, Ängste vor Neuerungen abzubauen und den Menschen die Vorteile der Digitalisierung näherzubringen.
Nun noch ein kleiner Ausblick: Am 25. und 26. März wird in Hamburg das Labor Impuls Forum stattfinden, das Sie für die Uniko GmbH koordinieren und auch moderieren. Können Sie uns einen kleinen Ausblick auf die zweitägige Konferenz geben? Was erwartet die Teilnehmer und Teilnehmerinnen?
Das Labor Impuls Forum ist für uns jedes Jahr eine besondere Veranstaltung, weil es nicht nur eine Fachkonferenz ist, sondern vor allem eine Plattform für den intensiven Austausch unter Laborplanern, Wissenschaftlern, Betreibern und anderen Fachleuten. Dieses Jahr steht das Symposium unter dem Motto "Reise durchs Projekt – Lessons Learned". Das bedeutet, wir nehmen die Teilnehmer mit auf eine Reise durch verschiedene abgeschlossene Laborbauprojekte und schauen uns genau an, welche Herausforderungen es gab, was besonders gut funktioniert hat und wo vielleicht Stolpersteine lagen.
Ein zentrales Element sind die Erfahrungsberichte aus der Praxis. Wir haben mehrere Fachvorträge von Experten, die direkt aus ihren Projekten berichten – sei es zu Themen wie innovative Laborlayouts, die Integration neuer Technologien oder auch zur nachhaltigen Gestaltung von Laborgebäuden. Dabei geht es nicht nur um Erfolge, sondern auch um die Dinge, aus denen wir gelernt haben. Denn gerade in komplexen Projekten wie der Laborplanung gibt es immer unvorhergesehene Herausforderungen, und es ist wertvoll, diese offen zu diskutieren.
Ein weiteres spannendes Thema, das wir aufgreifen, ist der Trend zu Mietflächen am Markt. Immer mehr Kunden entscheiden sich, nicht mehr selbst ein Labor zu bauen, sondern auf bestehende Gebäude zurückzugreifen und diese zu mieten. Das stellt neue Anforderungen an die Schnittstellen zwischen Vermietern und Mietern und ist in der Planung deutlich anspruchsvoller als bei einer Mietwohnung. Nachhaltigkeit wird ebenfalls ein zentraler Punkt sein. Es bleibt ein Thema, dem wir uns weiterhin intensiv widmen müssen, und ich freue mich auf die Beiträge zweier Kolleginnen, die ihre Perspektiven dazu teilen werden.
Neben diesen eher grundlegenden Themen haben wir auch Architekten vor Ort, die uns spannende Projekte zeigen werden. Das modernste Tierhaus in Basel wird vorgestellt und wir bekommen Einblicke in Architektur aus Kopenhagen. Wir haben also von praxisnahen Einblicken bis hin zu internationalen Perspektiven alles dabei. Ich freue mich schon sehr darauf, all diese Themen zu diskutieren und persönlich mit den Kollegen und Kolleginnen in Kontakt zu treten.
Vielen Dank für das Interview!












