Interview

Friedhelm Kraft

Gratfreie Instrumententrays, komplette Sterilisierungsbehälter und filigrane Kleinteile-Waschkörbchen - mit solchen Lösungen versorgt LK Mechanik seit etlichen Jahren Anwender in der Medizintechnik. Anlagenhersteller und Sterilgutversorger gehören ebenso zu den Kunden des Unternehmens wie das Krankenhaus-Management. Die LABO-Redaktion sprach darüber mit dem Firmenchef Friedhelm Kraft.



LABO: Herr Kraft, sagt es Ihnen zu, wenn man LK Mechanik als "Hidden Champion" bezeichnet?

Kraft: Ja und nein. Als "Champion" sehe ich uns zwar gerne, denn wir fertigen wirklich erstklassige Produkte. Aber das Prädikat "hidden" passt mit Blick auf die Medizintechnik eigentlich längst nicht mehr. Schließlich realisieren wir schon seit vielen Jahren Instrumententrays und Sterilisierungsbehälter für zahlreiche Kunden in Medizintechnik, Klinikmanagement und Gesundheitswesen.

LABO: Dennoch haben Sie erst vor wenigen Wochen einen eigenständigen Gesamtkatalog Medizintechnik herausgebracht...

Kraft: ... ja, die Zeit dafür war reif. Viele Kunden und Anwender haben darauf schon gewartet. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, unser Portfolio für diesen Markt in einem großen Gesamtkatalog zusammenzutragen. Die sechs Kapitel geben erstmals einen umfassenden Überblick über unsere Einzelprodukte und Systemlösungen für die Medizin- und Sterilisationstechnik. Mit Kurztexten, Tabellen, Bildern und Zeichnungen beschreibt unser Katalog Instrumentenboxen, Sterilisierungsbehälter, Endoskoptrays und Kleinteile-Waschkörbchen. Ein eigenes Kapitel stellt auch Sonderlösungen vor.

LABO: Der neue Katalog trägt den Ober-titel "High End" - ist das nicht ein sehr hoher Anspruch?

Kraft: Richtig, aber es ist genau das, was wir den Anwendern in der Medizintechnik bieten können. Alle Medizintechnik-Produkte von LK-Mechanik sind Präzisionslösungen "Made in Germany", die den Anwender dabei unterstützen, eine verbesserte Effizienz der Reinigungsprozesse zu erreichen und eine maximale Sterilisierungs- und Hygiene-qualität zu erzielen. Unsere Waschbehälter, Sterilisationsboxen und Instrumententrays erfüllen High-End-Maßstäbe und gehören zum qualitativ Besten, was der Markt auf diesem Gebiet bietet.

LABO: An welchen Kriterien machen Sie das fest?

Kraft: Wir verfügen im Bereich Medizintechnik inzwischen über eine sehr hohe Entwicklungs- und Fertigungskompetenz. Das betrifft sowohl die Edelstahl- als auch die Silikonverarbeitung. Und wir sind nicht nur nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert, sondern auch Mitglied im DGSV, der Deutschen Gesellschaft für Sterilgutversorgung. Aufgrund unserer jahrelangen Arbeit für die Medizintechnik wissen wir also sehr genau, worauf es ankommt bei der Herstellung moderner Produkte für die Lagerung, den Transport sowie die Reinigung und Sterilisation von medizinischem Sterilgut.

LABO: Können Sie dafür einige konkrete Beispiele nennen?

Kraft: Ja, nehmen Sie als Beispiel unsere verschließbaren Instrumententrays aus Edelstahl für Endoskope, Arthroskope, Laparaskope, OP-Bestecke und andere klinische Instrumente. Sie sind optimal angepasst an die hohen Anforderungen manueller und automatisierter Reinigungs- und Sterilisierprozesse im Klinikwesen. Um hier eine höhere Effizienz der Reinigungsprozesse zu ermöglichen und eine höhere Reinigungsqualität zu erreichen, haben die Böden und Wände der Trays vergrößerte Lochungen. Das beschleunigt den Wasser(ab)fluss und verhindert die Bildung von Spülschatten auf den Instrumenten. Gleichzeitig reduziert diese konstruktive Maßnahme die Trockendauer. Im Gegensatz dazu sind die Lochungen der Stirnseiten kleiner ausgeführt, um ein Durchrutschen der Instrumente zu verhindern.

LABO: Das bedeutet, Ihre Konstrukteure müssen sehr spezielle, branchentypische Anforderungen berücksichtigen...

Kraft: ... ja, und das gilt insbesondere für die Gestaltung der Kanten, Verbindungsstellen und Eckzonen der Trays. Unseren Konstrukteuren ist es gelungen, diese für die Reinigung stets kritischen Bereiche sehr glatt und vor allem völlig frei von Graten auszuführen. Auf diese Weise sind Verletzungen des Personals und dadurch verursachte Verunreinigungen ebenso ausgeschlossen wie die Entstehung von Keimkolonien. Das Thema Gratfreiheit hat in der Medizintechnik große Bedeutung. Es zählt daher auch zu den herausragenden Qualitätsfaktoren unserer Edelstahl-Trays.

LABO: Wie realisieren Sie diese hohen Ansprüche fertigungstechnisch?

Kraft: Dafür nutzen wir moderne Fertigungstechnologien - etwa das Laserfeinschneiden, das Wasserstrahl-Cutting und das Präzisionsstanzen. Für die Oberflächen-Veredelung und das Finishing verwenden wir ein kombiniertes Nass- und Trockenschleifverfahren, das wir selbst entwickelt haben. Es erfüllt die hohen Anforderungen an die Gratfreiheit der Trays. Außerdem setzen wir für unsere Medizintechnik-Produkte nur deutsche Edelstahl-Feinbleche und hochwertiges Silikon ein. Und: Die Verarbeitung von Metalldraht ist bei LK Mechanik nahezu ausgeschlossen!

LABO: Warum das?

Kraft: Unserer Ansicht nach ist der Einsatz von Metalldraht-Maschengewebe für medizintechnische Waschbehälter, Sterilisationsboxen und Instrumententrays nicht vereinbar mit den hohen Ansprüchen an Qualität und Präzision. Zu viele Stöße führen zu Verformungen und Überlappungen, es kommt zu Beulen und Dellen, die Reparaturanfälligkeit ist groß und bei höheren Gewichten durchbiegen die Maschen - teure OP-Instrumente oder Implantate bleiben darin hängen und werden beschädigt. Auch die Raumeinteilung sowie lose Drahtenden sind eher ein Problem.

LABO: Was meinen Sie mit dem Begriff Raumaufteilung?

Kraft: Gemeint ist die innere Geometrie bzw. Konstruktion von Sterilisierungsbehältern und Instrumentenboxen - etwa für die Chirurgie, die Orthopädie und die Traumatologie. Sie erfordert viel Know-how und Aufmerksamkeit.

Bei Produkten von LK Mechanik sichern geometrisch optimierte Befestigungs- und Einlegeelemente das schonende Handling der medizinischen Instrumente. Im Rahmen medizintechnischer Reinigungs- und Sterilisierungsprozesse fällt insbesondere den flexiblen Silikonablagen und -aufnahmen eine wichtige Rolle zu.

LABO: Können Sie hier noch etwas präziser werden?

Kraft: Schauen Sie: Nur dann, wenn sich die Geometrie der Silikonablagen und -aufnahmen exakt an der Form der jeweiligen Instrumente oder Implantate orientiert, kann deren Reinigung optimal erfolgen. Um aber sogenannte Spülschatten zu vermeiden, ist es nicht erwünscht, dass die Silikonaufnahmen allzu große Flächen der medizinischen Bestecke oder Geräte bedecken bzw. berühren. Die gesamte Innenarchitektur eines Trays muss also so angelegt sein, dass die Kontaktpunkte zwischen den Silikonaufnahmen und den Instrumenten auf das nötige Minimum reduziert sind. Gleichzeitig aber müssen die Silikonelemente immer auch den absolut sicheren Halt der Instrumente sicherstellen. Wir bewältigen diese technische Gratwanderung, indem wir alle Silikonablagen - oft sind das feine Profile mit Klemmbuchten - mit höchster Präzision im Wasserstrahl-Feinschneiden fertigen und in ihrem Design perfekt an die aufzunehmenden Instrumente anpassen.

LABO: Lässt sich bei so hohen Ansprüchen an die Präzision überhaupt ein standardisiertes Katalogprogramm aufrecht erhalten?

Kraft: In vielen Fällen ja, denn es gibt auch in der Medizintechnik heute eine ganze Reihe standardisierter Reinigungs- und Sterilisierungsprozesse. Hier erzielen wir durch flexible Konstruktionen und modulare Baukastensysteme ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. In allen anderen Fällen - und diese nehmen an Umfang zu - realisieren wir aber sehr kunden- oder anwendungsspezifische Sonderlösungen. Das gehört für unsere Entwicklungsingenieure längst zum Tagesgeschäft. Derzeit können wir uns hier über mangelnde Nachfrage auch nicht beklagen.

LABO: Darf man davon ausgehen, dass Sie den Bereich Medizintechnik ausbauen werden?

Kraft: Das ist unser erklärtes Ziel. Und wir gehen hier mit großen Schritten voran. Auch unsere jüngste Investitionen in eine Großformat-Laserbeschriftungsanlage und ein neues 5-Achsen-Laserbearbeitungszentrum von Trumpf werden uns dabei helfen, die wachsende Nachfrage unserer Kunden in Medizintechnik, Sterilgutversorgung und Krankenhaus-Management mit den gewohnt hohen Qualitätsmaßstäben von LK Mechanik befriedigen zu können.

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